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Gleiche Arbeit, gleicher Lohn — vor 100 Jahren

Zum Internationalen Frauentag vom 8. März
Otto Ackermann

Gleich mehrfach wurden wir letzte Woche auf die «Frauenfrage» hingewiesen. Im Ständerat haben die bürgerlichen Männer die verfassungsmässige Gleichstellung der Frauenlöhne auf die lange Bank geschoben, einmal mehr. Im Club des Schweizer Fernsehens diskutierten am Dienstag engagierte und verdiente Frauen wie Marianne Kleinert und Elisabeth Jöri, wie wichtig vor 50 Jahren die 68er-Bewegung für die gesellschaftliche Befreiung der Frauen war.

Heute Donnerstag, 8. März, ist wieder der Internationale Frauentag. Entstanden nach 1900 aus der internationalen sozialdemokratischen Frauenbewegung heraus, die damals als einzige politische Kraft ernsthaft die politische und wirtschaftliche Integration der Frauen forderte, hat er ein wechselhaftes und umstrittenes politisches Schicksal gehabt –unter anderem während des totalen Verbots durch die Nazis und Ersetzung durch den völkischen Muttertag!), durch das sich bei aller ideologischer Inanspruchnahme die wesentlichen Anliegen der gesellschaftlichen rechtlichen und wirtschaftlichen Emanzipation und Kampf gegen den Krieg mit dem pazifistischen Ruf nach Abrüstung verbinden. Heute ist der Internationale Frauentag durch die Vereinten Nationen anerkannt und hat vor allem gegen die Diskriminierung der Frauen in aussereuropäischen Ländern neue Zielsetzungen. Näheres dazu im informativen Wikipedia-Artikel «Internationaler Frauentag».

Zufällig bin ich auf einen Aufruf zum Frauentag vom 10. März 1918 gestossen: Der Text illustriert überaus deutlich die Not der Frauen am Ende des 1. Weltkrieges. «... und hat in seiner Stossrichtung bis heute auch in der Überflussgesellschaft nichts an Aktualität verloren – es sind immer noch viele Frauen und Alleinerziehende, die ums Existenzminimum ringen, und die Lohngleicheit lässt immer noch auf sich warten!»

Der Aufruf aus der «Volksstimme» 1918: «Wir haben keinen Anlass, über den Ruf: ‹Die Frau gehört ins Haus› u. dgl. mehr nur ein Wort zu verlieren. Diese Zustände liegen so weit hinter der arbeitenden Frau von heute. Ganz gleich, ob man sie für etwas Schönes und Wünschenswertes, oder etwas Reaktionäres und Negatives betrachtet, jedenfalls sind sie nicht Reales mehr. Die Frau ist durch die Not längst aus dem Haus hinaus- getrieben und kämpft immer schwerer um ihre Besserstellung. Dieser Kampf wird mit jedem Tag unerträglicher. Die ungeheure Teuerung hat mancher Frau die Augen geöffnet, manche bereut es heute bitter, dass sie sich nicht schon längst anderen Frauen angeschlossen hat in dem Kampfe für die Forderung: ‹Gleiche Arbeit, gleicher Lohn.› Der Lohn des Arbeiters, der früher als gut gegolten hat, reicht schon lange nicht aus, was soll man da mit den traurigen Frauenverdiensten anfangen? Umsonst müht sich manche Frau ganze Nächte durch, um wenigstens das Notwendigste zu bestreiten, es reicht aber nirgends hin! Dabei sind die billigeren Nahrungsmittel ungenügend rationiert, teils fehlen sie vollständig. Und doch hört man immer wieder, dass mit diesen Lebensmitteln gewuchert, geschiebert und gehamstert wird. Wie empört sich dabei so eine geplagte Arbeiterfrau, wie bitter dringend empfindet sie das Bedürfnis, in den Behörden mitzusprechen und mitzuregieren! In der Tat ist auch für uns Arbeiterfrauen das Verlangen nach Stimmrecht kein Ziel, sondern nur ein Mittel, um endlich das Los der Arbeiterin, das Los der Arbeiterschaft überhaupt zu verbessern, sie aus der Sklaverei der Not zu befreien («Volksstimme» vom 7. März 1918).

Bekanntlich war die zweite Forderung des Oltener Aktionskomitees beim Landesstreik von 1918 das Stimmrecht für die Frauen!

Der Verfasser wohnt in Fontnas und ist ehemaliger Lahrer der Kantonsschule Sargans.

Otto Ackermann

redaktion@wundo.ch

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