GFRÖRNI: Volksfeste auf dem Seealpsee

Hans Dörig aus Weissbad weiss, wie es ist, wenn der Seealpsee gefriert: Er hat das bereits vier Mal erlebt. Seine Faszination für das Naturphänomen ist ungebrochen – er mahnt aber zu Vorsicht.

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Hockeyplausch auf dem gefrorenen Seealpsee im Jahr 1990. (Bild: PD)

Hockeyplausch auf dem gefrorenen Seealpsee im Jahr 1990. (Bild: PD)

Hans Dörig kramt in alten Fotos und schmunzelt. «Von weiss der Kuckuck woher sind sie gekommen, um auf dem gefrorenen Seealpsee Schlittschuh zu laufen. Vor allem aus ihren Nebellöchern rund um St. Gallen, aber auch aus der weiteren Ostschweiz.» Der 74-Jährige weiss, wovon er spricht: Er hat den Seealpsee im letzten Vierteljahrhundert nicht weniger als vier Mal in gefrorenem Zustand erlebt. 1990 war es, als Hans Dörig das erste Mal bei einer Gfrörni des Seealpsees dabei war. Mit seinen Kindern sowie Bekannten spielte er auf dem See vor herrlicher Alpstein-Kulisse Eishockey. Ein Ereignis für die breite Masse war der gefrorene Bergsee damals nicht – «so, wie ich mich erinnere, hielt die Gfrörni auch nicht lange an», sagt Dörig. Dann, drei Jahre später, nahmen mehr Leute den steilen Weg hinauf zum Seealpsee unter die Füsse, um das Phänomen der Gfrörni zu erleben.

200 Paar Schlittschuhe vermietet

Wiederum drei Jahre später, 1996, zog der gefrorene Seealp-see nach Dörigs Erinnerung scharenweise Menschen in seinen Bann. «Wir vermieteten vor Ort Schlittschuhe, die mit einem Anhänger nach oben gefahren worden waren», blickt er zurück. Die Schlittschuhe kosteten ein paar wenige Franken Miete pro Tag und fanden reissenden Absatz. «Etwa 200 Paar hatten wir wohl oben. Insbesondere am Wochenende kam es vor, dass kein einziges davon mehr verfügbar war», sagt Dörig. Lebhaft erinnert sich der Senior aus Weissbad auch an einen Grill, den die Verantwortlichen des Restaurants Seealpsee damals auf dem Eis aufgestellt hatten. Darauf brutzelten Bratwürste für die Schlittschuhläufer und die Spaziergänger. Auch 2006 war Hans Dörig bei der vorerst letzten Gfrörni des Seealpsees dabei. Nun, zehn Jahre später, werden am Wochenende Heerscharen von Schaulustigen auf rund 1100 Metern über Meer erwartet. Dörig mahnt insbesondere die Schlittschuhläufer zur Vorsicht: Er erinnert sich beispielsweise daran, dass vor Jahren ein Bub eine Absperrung beim Einlauf des Sees missachtete und prompt einbrach. Das Kind konnte sich aber selbst aus seiner misslichen Lage befreien.

Das grosse Gefühl von Weite

Generell hält Dörig in Übereinstimmung mit den Richtlinien der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft fest, für einen grossen Besucherandrang sei die Eisdecke beim Seealpsee aktuell am unteren Limit: «Ein, zwei Zentimeter mehr dürften es schon noch werden.» Auch wenn Hans Dörig das Schauspiel des gefrorenen Sees gut kennt: Er kann die Faszination vieler Menschen dafür verstehen. «Vor einer Bergkulisse auf einem solchen See Schlittschuh zu laufen, gibt einem das Gefühl von Weite – das ist schon etwas anderes, als in einer Eishalle seine Runden zu drehen.»

Daniel Walt