Germanns musikalische Texte

Kurz nach seinem 83. Geburtstag erhält Jörg Germann, Fontnas, am 16. Mai einen Anerkennungspreis der st. gallischen Kulturstiftung. Der ehemalige Lehrer der Kanti Sargans hat nach seiner Pensionierung drei Romane veröffentlicht.

Heini Schwendener
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Jörg Germanns Romane sowie Germann als Clownpuppe, ein Geschenk einer ehemaligen Schülerin. (Bilder: Heini Schwendener)

Jörg Germanns Romane sowie Germann als Clownpuppe, ein Geschenk einer ehemaligen Schülerin. (Bilder: Heini Schwendener)

FONTNAS. Gemächlich liest Jörg Germann den Medientext der st. gallischen Kulturstiftung, in dem die diesjährigen Preisträger bekanntgegeben werden. «Unentwegt soll ich also geschrieben haben», sagt er mit dem Anflug eines Lächelns. Und fügt nach einer Pause an: «Ja, eigentlich stimmt es schon. Auch wenn mir während meiner Zeit als Deutschlehrer an der Kantonsschule dafür gar nicht viel Zeit geblieben ist.» Geschrieben hat er trotzdem, vor allem für sich, nicht für die Öffentlichkeit.

Abgeblitzt mit erstem Roman

Es muss aber doch Menschen gegeben haben, die sein Talent erkannten. So durfte der in St. Gallen geborene, promovierte Musiker beispielsweise in Solothurn und St. Gallen eigene Texte vorlesen. Einen Bildungsurlaub hat er auf eigene Kosten verlängert und dabei einen Roman geschrieben. Von drei angeschriebenen Verlagen gab es Absagen. Was Germann damals nur schwer wegstecken konnte, sieht er heute anders: «Zum Glück wurde das Manuskript zurückgewiesen.» In der Folge habe er viel Zeit gebraucht, um schriftstellerisch zu sich zu finden. Seine diesbezüglichen Ambitionen rückten in den Hintergrund.

Wenn er heute davon erzählt, tut er dies nicht ganz ohne Wehmut. Aber da war ja noch die Kanti, an die er bei deren Gründung im Jahr 1963 als Deutsch- und Musiklehrer berufen wurde. «Bis zu meiner Pensionierung mit 64 Jahren hat es mir in der Schule immer sehr gut gefallen», sagt er rückblickend. Sein Lehramt ermöglichte ihm nämlich, in seinen beiden Fachgebieten tätig zu sein. Germann hat Musikwissenschaften und Literatur studiert. Der promovierte Musiker, der vor seiner Zeit als Kantilehrer im städtischen Orchester St. Gallen gespielt hatte, unterrichtete an der Kanti in Sargans auch Musik, dirigierte eine Zeitlang weiter das Orchester der Musikfreunde in St. Gallen und leitete das Schülerorchester mit seiner teils regen Konzerttätigkeit.

Literaturlastiger Unterricht

Seine Schülerinnen und Schüler an der Kanti genossen einen literaturlastigen Deutschunterricht. Einige von ihnen hätten im Kulturbereich den Durchbruch geschafft, erzählt der 82-Jährige nicht ohne Stolz. In dankbarer Erinnerung würden darum auch heute noch einige seiner Schülerinnen und Schüler Kontakt mit ihm pflegen.

2004 erschien «Ellhorn»

Geschrieben hat Jörg Germann nebenbei allerlei: neben dem Roman auch Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichte und Theaterstücke für die Schule, die dann auch aufgeführt wurden. Zum Autor im eigentlichen Sinne wurde er aber erst nach seiner Pensionierung. Im Jahr 2004 erschien sein erster Roman mit dem Titel «Ellhorn», im R. G. Fischer Verlag, «nicht beim grossen Fischer, wer weiss, was dann geworden wäre», meint Germann vielsagend. 2013 fand er im Verlag Johannes Petri eine neue «Heimat». Jörg Germanns zweiter Roman mit dem Titel «Frühlingsopfer im Auenwald» kam auf den Markt. Nun nahm ihn auch die breitere Öffentlichkeit als Autor wahr. Schon ein Jahr danach erschien sein drittes Buch, der Roman «Serenata eines Clowns». Im Gespräch spürt man, dass es für den Autor sein wichtigstes Werk ist. «Serenata ist sehr musikalisch, der Rhythmus und der Klang der Sprache ist mir sehr wichtig.»

Und nun erhält Germann also den mit 15 000 Franken dotierten Anerkennungspreis der st. gallischen Kulturstiftung. Überreicht wird er ihm am 16. Mai in Wattwil, wenige Tage nach seinem 83. Geburtstag. Er freut sich auf die Ehre, die ihm damit zuteil wird, hofft aber, «dass die meine Bücher auch wirklich gelesen haben und ich dafür den Preis erhalte und nicht für alles, was ich sonst so in meinem Leben gemacht habe.»

Ein grosses Projekt

Der Fontnaser hat inzwischen schon wieder einen grösseren Roman fertig geschrieben, den der Verlag aber noch gar nicht kennt. Bevor der überhaupt publiziert wird, will er noch ein grosses Projekt vollenden, «etwas, das in meinem Leben noch geklärt werden muss». Mehr verrät er nicht. Seine Frau Ursula, die ehemalige Seminarleiterin an der Kanti Sargans, ist immer seine erste Leserin. «Und sie hat mir gesagt, der Ansatz für mein neues Projekt sei gut.»

Autor Jörg Germann aus Fontnas.

Autor Jörg Germann aus Fontnas.

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