Geplatzte Vorsätze

Die Feiertage sind vom Alltag weitgehend wieder zugedeckt. Die Festtagsbeleuchtung ist abmontiert, die Festtagsstimmung wohl auch.

Dekan Erich Guntli, Buchs
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Die Feiertage sind vom Alltag weitgehend wieder zugedeckt. Die Festtagsbeleuchtung ist abmontiert, die Festtagsstimmung wohl auch.

Vielleicht verkläre ich romantisch die Vergangenheit. Vor wenigen Jahren noch, so scheint mir, war die Silvesternacht eine Nacht des Nachdenkens. Es wurde zurückgeblickt auf Vergangenes, ausgeschaut nach dem Unbekannten. Nur das Läuten der Glocken unterbrach die Stille. Das Glockengeläut wird inzwischen durch Feuerwerk überkracht. 00.00 Uhr beginnt ab 20 und endet um 2 Uhr. Darunter leiden die Hunde, und etliche Menschen fühlen sich ebenso. Es kracht in der «letztersten» Nacht.

Bei jedem kleinen Anlauf, einen Vorsatz für das neue Jahr zu fassen, platzte und knallte in der Silvesternacht irgendwo eine Rakete dazwischen. Und damit platzten auch alle Vorsätze. Beim alltäglichen Blick in die Medien ist es nicht besser: ein Kracher folgt auf den andern. Schlagzeilen nennt sich das. Online-Medien wecken mit krassen Bildern die Neugier. Auch die sozialen Netzwerke des Internet lassen unermüdlich neue Schlagzeilen krachen. Und man wird aufgefordert, zu liken, zu teilen und zu kommentieren. Mancher Kommentar lässt erahnen, was so alles in der Volksseele kocht – nicht gerade ermutigend.

So lass ich eben alle Vorsätze platzen. Der Weg zur Hölle, sagt ein altes Sprichwort, sei ohnehin mit guten Vorsätzen gepflastert. Schon manch hohes Ideal endete in tiefstem Sumpf. Ich halte mich lieber an einen Vers aus Psalm 37,5: «Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm, er wird es fügen.» Lasse ich mich von jedem Kracher erschrecken – was hilft es? Rufe ich mit den Ausrufern aus – was bringt es? Kommentiere ich alles und jedes – wen kümmert das schon? Wie die Kracher in der Silvesternacht verpufft der Alltagskrach und hinterlässt dicke Luft, mehr nicht.

«Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm, er wird es fügen.» Wird wieder ein Knaller losgelassen, sage ich: «Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm, er wird es fügen.» Sorgt ein Skandal für eine Aufregung, wiederhole ich: «Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm, er wird es fügen.» Erfassen mich Kummer, Sorgen oder Ängste, spreche ich mantramässig innerlich vor mich hin: «Befiehl dem Herrn deinen Weg, vertrau ihm, er wird es fügen.» Zumindest versuche ich es. Und hin und wieder geschieht es, dass ich eine tiefe Ruhe empfinde, wie einst in Silvesternächten, in denen noch keine sinnlosen Raketen krachten. Ich vertraue darauf, dass da ein Gott und Herr ist, der ohne mein Zutun zusammenfügt, was auseinanderkracht.

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