Gemeinden und die Kirche sind uneins

Im Fürstentum Liechtenstein ist die Trennung zwischen Kirche und Staat nach jahrelangen Verhandlungen noch immer nicht am Ziel. In zwei von elf Gemeinden konnten sich Kirchenvertreter und Behörden nicht einigen. Sie schieben sich gegenseitig die Schuld zu.

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VADUZ. Die Pläne zur Trennung von Kirche und Staat sind im Fürstentum ein Thema, seit der Papst 1997 das Erzbistum Vaduz errichtete und den damaligen Churer Bischof Wolfgang Haas nach Liechtenstein beorderte. Wichtiges Element bei der Entflechtung ist das Konkordat zwischen Liechtenstein und dem Heiligen Stuhl in Rom.

Das Konkordat hat Vermögensfragen zum Inhalt. Es geht um Kirchen, Kapellen, Land und Pfarrhäuser. In neun von elf Gemeinden sind die Verhandlungen unter Dach. In Balzers und Gamprin-Bendern dagegen scheinen sie nicht vom Fleck zu kommen.

Plötzlich die Abkehr

«Immer wieder haben wir unser Lösungspaket zugunsten der Kirche noch besser ausgestaltet», sagte Donath Oehri, Gemeindepräsident von Gamprin-Bendern, am Mittwoch in einem Interview mit dem «Liechtensteiner Volksblatt». Plötzlich sei es dann von den Kirchenvertretern zu einer Abkehr gekommen. Laut dem Gemeindepräsidenten wurde lange verhandelt. Im Ergebnis habe für die katholische Kirche ein «äusserst grosszügiger Lösungsvorschlag» auf dem Tisch gelegen. Die Verhandlungen waren geführt worden von Markus Walser, dem Generalvikar des Erzbistums. Danach sei der Pfarrer als alleiniger Verhandlungspartner aufgetreten. Oehri bezeichnete die Haltung kirchlicherseits als «oft sprunghaft». Anders beurteilt Generalvikar Markus Walser die Situation. Seines Wissens sei der Stand der Verhandlungen zwischen Balzers sowie Gamprin-Bendern und den Pfarreien so, dass der Ball zurzeit bei den Gemeinden liege. An den Gemeinden sei es, die rechtsstaatlichen Voraussetzungen für eine Lösung zu akzeptieren.

Nur der Pfarrer verhandelt

Gefragt, ob es bei den Verhandlungen tatsächlich zu- und hergehe wie in den Romanen und Spielfilmen «Don Camillo und Peppone», antwortete Gemeindepräsident Oehri, die kirchliche Seite erfülle dieses Bild besser, da aktuell nur der Pfarrer und nicht mehr auch noch der Generalvikar verhandle. Die Gemeindeseite dagegen trete mit einer Viererdelegation auf.

Das Konkordat ist einer von drei Pfeilern, auf denen die Neuregelung des Verhältnisses des Staats zur katholischen Kirche beruht. Ein weiteres Element ist das vom Parlament 2012 verabschiedete Gesetz über die Religionsgemeinschaften. Der Erlass ist allerdings noch nicht in Kraft.

Hinzu kommt eine noch nicht verabschiedete Verfassungsrevision, mit der die katholische Kirche ihre privilegierte Stellung als Landeskirche verliert. (sda)

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