Gemeinden sind gefordert

Die Gemeinden suchen zusätzlichen Wohnraum für die steigende Anzahl von Asylbewerbern, die ihnen zugeteilt wird. Freiwillige Angebote gibt es kaum.

Thomas Schwizer
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Der Zustrom von Asylbewerbern bleibt hoch, wie hier im Bahnhof Buchs. Deshalb müssen die Gemeinden mehr Wohnraum zur Verfügung stellen. (Bild: Thomas Schwizer)

Der Zustrom von Asylbewerbern bleibt hoch, wie hier im Bahnhof Buchs. Deshalb müssen die Gemeinden mehr Wohnraum zur Verfügung stellen. (Bild: Thomas Schwizer)

REGION. Die deutlich gestiegene Zahl von Asylbewerbern bedeutet für den Bund, die Kantone und die Gemeinden eine grosse Herausforderung. Der Kanton St. Gallen hat innert kurzer Zeit mehrere zusätzliche, befristete Notunterkünfte bereitgestellt.

Rund 80 Asylbewerber wurden in den letzten beiden Wochen jeweils vom Bund dem Kanton St. Gallen zugeteilt – gegenüber 30 im Juni ist das mehr als eine Verdopplung. Die Folge: Die Aufenthaltsdauer in den kantonalen Strukturen muss trotz mehr Kolletivunterkünften verkürzt werden – von der Zielgrösse sechs auf derzeit rund zwei Monate.

Immer mehr mit Bleiberecht

Die Gemeinden müssen deshalb die Asylsuchenden früher übernehmen und ihnen Wohnraum sowie die notwendige Betreuung gewähren.

Zudem ist die Quote der Asylsuchenden mit einem definitiven oder vorläufigen Bleiberecht von unter 30 Prozent vor zwei Jahren auf rund 60 Prozent angestiegen, wie Jürg Eberle, Leiter des St. Galler Migrationsamtes, auf Anfrage des W&O feststellt. Deshalb werden weniger der bisher in den Gemeinden für Asylbewerber bereitgestellten Wohnungen frei. Die Gemeinden suchen darum zusätzlichen Wohnraum zur Miete oder auch zum Kauf – denn es gibt keine Anzeichen für ein Abflauen des Zustroms von Asylbewerbern.

Kaum freiwillige Meldungen

«Wir sind gefordert», sagt denn auch der Wartauer Gemeindepräsident Beat Tinner, Präsident der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten (VSGP). Kürzlich habe die Gemeinde Wartau deshalb eine weitere Wohnung zugemietet und nutze eine andere Wohnung in einer gemeindeeigenen Liegenschaft künftig zu diesem Zweck, da deren Bewohnerin ausziehe.

Die Gemeinde Grabs startete einen Aufruf, freien Wohnraum für Asylbewerber zu melden. Laut Gemeindepräsident Rudolf Lippuner gab es daraufhin kaum Angebote. Derzeit könne Grabs die zugeteilten Asylbewerber unterbringen, so Lippuner. Aber es bestehe in nächster Zeit auf Grund der Entwicklung zusätzlicher Raumbedarf. Wenn sich der Status der Asylbewerber ändere in «vorläufig aufgenommen» oder in ein definitives Bleiberecht, dann verlange man, dass sie sich eine neue Wohnung suchen. Das gelinge aber nicht immer innert gewünschter Frist – und dann brauche die Gemeinde neuen Wohnraum. ? DIE DRITTE

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