Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Geld für Kultur in der Region?

Am Dienstag stimmen die rund 250 Mitglieder der Genossenschaft Werdenberger Schloss-Festspiele darüber ab, ob die Trägerschaft des Musiktheaters aufgelöst werden soll. Es gibt Befürworter und Gegner dieses Antrags.
Corinne Hanselmann
Hat der aus rund 50 regionalen Sängerinnen und Sängern bestehende Chor der Schloss-Festspiele ausgedient? (Bild: Archiv)

Hat der aus rund 50 regionalen Sängerinnen und Sängern bestehende Chor der Schloss-Festspiele ausgedient? (Bild: Archiv)

WERDENBERG. «Ich bin ein Realist und werde dem Antrag des Verwaltungsrates zur Auflösung der Genossenschaft zustimmen», sagt alt Regierungsrat Hans Rohrer, der die Genossenschaft selbst während mehrerer Jahre präsidierte und nach wie vor Mitglied ist. Es klinge etwas seltsam, wenn man etwas aufgebe, was man selbst während vieler Jahre mit Leidenschaft und grossem Aufwand zusammen mit vielen Idealisten betrieben hat.

Aber: Was das Weitermachen anbelangt, verweist Rohrer auf den Schlussbericht der Festspiele 2015 des Leiters der Direktion, Bruno Sutter. Er führt dort aus: «Aus meiner Sicht ist es nicht möglich, die Werdenberger Schloss-Festspiele als eigenständige Organisation weiterzuführen. Für eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Schloss ist die Organisationsstruktur untauglich und der gute Wille zur Zusammenarbeit fehlt.» Sutter kam bereits nach wenigen Monaten als Leiter Direktion zu diesem Schluss, nachdem er vor der Spielzeit 2015 für den zurückgetretenen Peter Keller eingesprungen ist.

Geld nicht für den Verein

Sollten die Genossenschaftsmitglieder dem Traktandum «Antrag auf Auflösung der Genossenschaft» zustimmen, muss auch über die Verwendung des Liquidationsgewinns von rund 170 000 Franken verhandelt werden. Der Verwaltungsrat beantragt, ihn der regionalen Säule des Vereins Schloss Werdenberg zuzuführen, «um die Mittel für ein Projekt mit regionalem Charakter einzusetzen», wie Präsident Beat Tinner in der Einladung zur Generalversammlung schreibt.

Hans Rohrer teilt diese Auffassung nicht. «Ich bin dafür, dass zwar ein Teil des Liquidationsgewinns dem Verein für ein regionales Projekt zur Verfügung gestellt wird. Ein grösserer Teil soll den in der Region tätigen Kulturinstitutionen zur Verfügung gestellt werden», so Rohrer. «Diese engagieren sich genau gleich wie die Förderer der Schloss-Festspiele unentgeltlich, mit viel Idealismus und mit bescheidener öffentlicher Unterstützung für das Kulturleben in unserer Region. Sie verdienen diese Anerkennung und materielle Unterstützung.» Er denke dabei an das Kleintheater fabriggli, die Alte Mühle Gams und ein paar andere. Der Verein Schloss Werdenberg werde vom Kanton immerhin grosszügig unterstützt und die Leitung des Schlosses normal besoldet.

Ob der Verein Schloss Werdenberg die Schloss-Festspiele weiterführen würde, ist ungewiss, wie die Aussage von Präsidentin Kathrin Glaus im W&O vom 17. Februar unterstreicht: «Wir können aktuell nicht sagen, ob es 2017 wieder Schloss-Festspiele in der gewohnten Art gibt.»

«Nicht leicht – aber möglich»

Während Rohrer sich für die Auflösung der Genossenschaft ausspricht, diskutieren Mitglieder der Facebook-Gruppe «Rettung der Werdenberger Schloss-Festspiele» über ein mögliches Weiterbestehen (vgl. Front). Unter ihnen befinden sich auch Genossenschafts- und Chormitglieder.

«Zusammen Lösungen suchen, Empfindlichkeiten ein bisschen auf die Seite stellen, seinen Wert kennen, ein gemeinsames Ziel erreichen wollen – dann retten wir die Schloss-Festspiele sicher. Vielleicht ein wenig anders als bisher, sicher aber mit viel neuem Elan und Freude. Leicht ist eine Änderung nie – aber möglich», schreibt etwa Monika Keller-Müller aus Grabs, selbst Genossenschafts- und ehemaliges Chormitglied und alt Kantonsrätin (SP).

Sechs neue Ratsmitglieder

Doch nebst Kommunikationsschwierigkeiten müssten auch Sicherheits- und Finanzierungsprobleme gelöst werden. Beat Tinner, Präsident der Genossenschaft Werdenberger Schloss-Festspiele schreibt in der GV-Einladung von «nicht zu bewältigenden Herausforderungen» bezüglich Sicherheit und Infrastruktur. Die vorerst konstruktiven Gespräche, als es um den Umbau der Schlossinfrastruktur ging, seien im Sand verlaufen, erfuhr der W&O aus dem Umfeld der Direktion.

Die Folge sind hohe Kosten, weil beispielsweise zusätzliche WCs eingeflogen werden müssen. Den Sicherheitsbestimmungen wegen zu wenig Fluchtraum für die Anwesenden – mit Zuschauern, Mitwirkenden und Helfern befinden sich jeweils rund 400 Personen im Schlosshof – könnte mit 50 Zuschauern weniger Abhilfe verschafft werden, sagt ein Insider.

Am Dienstag wird sich zeigen, ob die weit über die Region hinaus bekannte Veranstaltung, die jedes zweite Jahr rund 3500 bis 4000 Gäste anlockte, sterben wird oder ob sich die Genossenschaft noch einmal aufrappelt.

Sollte der Antrag zur Auflösung abgelehnt werden, müssten sechs neue Verwaltungsratsmitglieder gefunden werden, denn die meisten Bisherigen treten zurück.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.