Gedanken zur Ausweisung

«Marija ist kein Härtefall», Ausgabe vom 18. Februar

Erwin Werder, Läui 25, Sennwald
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Obwohl rechtlich nach Gesetz gehandelt wurde, ist es nach meiner Meinung, welche ich sicher mit einer Mehrheit des einfachen Volkes teile, ein unserer humanitären Schweiz nach Menschenrecht unwürdiges Vorgehen. Ihrer Mutter ist das Sorgerecht des serbischen Staates zugesprochen worden, was voll zu akzeptieren ist. Marija ist als Jugendliche anders zu betrachten denn als Erwachsene. Ihre volle Integration spricht doch voll für den ­Verbleib in unserem Land. Sie hätte deswegen ja bald die Berufs­lehre als Pflegefachfrau antreten können.

Es fehlte ganz einfach die Zivilcourage. Dass man als Einzelner damit etwas bewirken kann, habe ich persönlich erlebt.

Ich habe die Idee gehabt, aus einem Flüchtlingsheim für allein reisende Jugendliche eine 15-jährige Vietnamesin zu uns in die Ferien zu nehmen. Mit ihrer Vormundschaft, die voll hinter der Idee stand, konnten wir dies verwirklichen, als sie 16-jährig wurde – weil sie so nicht mehr Kind, aber noch nicht erwachsen ist. Ansonsten ist doch klar: Gemäss Gesetz dürfte ein Flüchtling das Land nicht verlassen. Die deutsche Ausländerbehörde, die ­Schweizer Botschaft sowie die österreichische Botschaft stellten für die Durchreise Lindau–St. Margrethen das Visum aufgrund des sozialen Status gebührenfrei aus.

Dann, 1998, wurde in der Gemeinde Bühler das Bürgerrecht für zwei voll integrierte türkische Jugendliche an der Urne abgelehnt. Als 1999 das Stimmvolk entschieden hat, dass nur noch der Gemeinderat über das Bürgerrecht zu befinden habe, griff ich dies in einem offenen Brief an den Gemeinderat Bühler in der «Appenzeller Zeitung» auf. Als ich daraufhin eine Absage vom Gemeinderat bekam, entschloss ich mich, das Anliegen dem Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden zu unterbreiten. Mit meiner ganz klaren Aussage «entweder werden die eingebürgert oder ich zügle sofort von Trogen (Ausserrhoden) nach Sennwald (St. Gallen)» bekam ich drei Tage später A-Post: «Selbst­verständlich müssen Sie nicht zügeln, die beiden werden eingebürgert.»

Dann hatten wir einige Male eine Familie aus Rumänien zu Besuch. Das ging jedes Mal mit dem Visum bestens – bis das Schengener Abkommen kam. Dann wollte die österreichische Botschaft ihnen das Visum nicht mehr erteilen. Mit dem betreffenden Beamten habe ich danach telefonisch ver­handelt. Mit dem Flugzeug gehe das, dann werde Österreich überflogen, sagte er. Da warf ich ihm vor, das Schengener Abkommen verstosse gegen die Menschenrechte, wenn sie nicht mit dem Zug durch Österreich reisen dürfen. Das wirkte. Die Familie aus Rumänien solle sich morgen bei ihm melden, dann stelle er das Visum aus, lautete seine Reaktion.

Diese Beispiele sollen zeigen, dass ein Einzelner sehr viel machen kann, wenn er die Zivilcourage dazu hat.

Erwin Werder, Läui 25, Sennwald