«Gang-go»-Job für die Bevölkerung

25 Jahre im Dienste für die Einwohner und Gäste: Die Arbeit des 55jährigen Fritz Giger als Bauamt-Mitarbeiter der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann ist sehr abwechslungsreich. Er ist auch Marktchef und Bestatter.

Christiana Sutter
Drucken
Teilen
Fritz Giger beim Leeren der Abfallkübel. Dies eine Tätigkeit, die jeweils am Montag auf dem Arbeitsplan des Bauamt-Mitarbeiters steht. (Bild: Christiana Sutter)

Fritz Giger beim Leeren der Abfallkübel. Dies eine Tätigkeit, die jeweils am Montag auf dem Arbeitsplan des Bauamt-Mitarbeiters steht. (Bild: Christiana Sutter)

WILDHAUS-ALT ST. JOHANN. Seit dem 1. Juli 1989 arbeitet der gebürtige Nesslauer Fritz Giger im Dienste der Bevölkerung in Alt St. Johann und Unterwasser. Seit der Vereinigung der Gemeinden am 1. Januar 2010 ist er zusammen mit drei weiteren Kollegen auch für dieselben Arbeiten in Wildhaus zuständig.

Fritz Giger wurde 1989 aus zwölf Bewerbern durch den Gemeinderat Alt St. Johann ausgewählt, damals noch mit dem Gemeindeammann Franz Bollhalder an der Spitze. «Nach einem Arbeitsunfall musste ich die Arbeit wechseln», sagt Fritz Giger. Der 55-Jährige lernte Dachdecker – «ich war der letzte Lehrling von Dachdecker Josef Brändle in Alt St. Johann.»

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es die Stelle des Bauamt-Mitarbeiters noch nicht. Sie wurde geschaffen, weil der Kanton St. Gallen 1990 die Verantwortung für den Trottoir- und Strassenunterhalt den Gemeinden übertrug. Zusammen mit dem damaligen Gemeinderat Ueli Schällibaum baute der Jubilar das Bauamt auf. «Die erste Werkstatt hatte ich in einer Garage im Pfand Alt St. Johann», erinnert er sich. Zu den ersten Tätigkeiten gehörte der Einkauf von Werkzeugen. Amüsiert erzählt er, dass das erste Fahrzeug ein weisser VW-Bus war. Daran könnten sich noch viele Einwohner erinnern, so Fritz Giger.

Respekt und Anstand

Er wohnte mit seiner Frau Margrith seit 1982 in Alt St. Johann. 1989 übernahm Margrith Giger die Führung des «Konsums» – dort, wo heute die Raiffeisenbank steht. Nach der Betriebseinstellung des Konsums und dessen Abbruch zogen die Gigers nach Nesslau, ins Elternhaus von Fritz Giger. «Obwohl wir nicht mehr in Alt St. Johann wohnhaft sind, bin ich noch immer Mitglied in ein paar Dorf-Vereinen.»

Diese Zugehörigkeit «und natürlich die Natur und die Berge» geben Fritz Giger einen Ausgleich zu seiner nicht immer leichten Arbeit. Der 55-Jährige ist passionierter Bergsteiger und Kletterer. Ihm ist das Wohlergehen der Menschen in seinem Umfeld wichtig, «und das nicht nur in den Bergen.» Sein Blick wird etwas ernster bei der nächsten Bemerkung. «Mir ist es ein Anliegen, dass wir Menschen miteinander sprechen» – und das direkt, wie er sagt. Er mag es überhaupt nicht, wenn «hinädurä gschnorrät» wird. Fritz Giger unterstreicht seine Worte mit folgender Bemerkung: «Man soll seinem Gegenüber mit Anstand und Respekt entgegentreten, so wie man es selber auch gerne hätte.»

Fünf Franken fürs «Überhöcklä»

Zu Beginn seiner Arbeit bei der Gemeinde war Fritz Giger zusammen mit dem Gemeindepolizisten Peter Schwager für das «Abrunden» in den Restaurants zuständig. Gemeinsam haben sie jeweils bestimmt, an welchen Tagen sie auf die «Runde» gehen. Seine Frau habe jeweils schon am Mittag gemerkt, wenn er abends runden ging. «Dann war meine Stimmung nicht so gut.»

Fritz Giger lacht, als er sich zurück erinnert: «Das erste Mal, als ich unterwegs war, erwischte es den Gemeinderat beim <Überhöcklä>, das war nach einer Gemeinderats-Sitzung.» Die Aufgaben von Fritz Giger und seinen Kollegen sind sehr vielseitig. Nebst dem Unterhalt von Gebäuden, die im Besitz der Gemeinde sind, sind die vier Bauamt-Mitarbeiter auch für Orte von öffentlichem Interesse in der Gemeinde zuständig. Sie sorgen in der Badi Unterwasser, im Gelände des Schönenbodensees, des Eggenwäldlis und der Wildenburg für Sauberkeit und Ordnung. «Immer am Montag leeren wir die Kehrichtkübel bei den Spielplätzen und den Grillplätzen», sagt Fritz Giger, «dort füllen wir auch Holz für die Feuerstellen auf.»

Nebst dem Unterhalt dieser öffentlichen Orte sind Fritz Giger und seine Kollegen auch für den Unterhalt und die Sicherheit der Strassen in der Gemeinde zuständig. Aber auch Bäche werden kontrolliert. Und bei Hochwasser sind die Männer des Bauamts immer an der Front und legen Hand an, wo Hilfe benötigt wird.

Marktchef der Gemeinde

Eine Arbeit, die Fritz Giger auch aus persönlichen Interessen gerne ausführt, ist der Unterhalt der lokalen Spazier- und Wanderwege. «Während der Sommersaison mähen wir das Gras an den Rändern der Spazier- und Wanderwege zur Sicherheit der Gäste aus.» Nicht zuständig ist die Gemeinde nfür das Markieren der Wege.

Fritz Giger ist auch Marktchef in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann und in dieser Funktion für den «Schwiimart» in Wildhaus und den «Katrinämart» in Alt St. Johann zuständig. Obwohl die beiden Märkte erst im November stattfinden, steige das Interesse daran. Dabei gilt für Fritz Giger abzuwägen, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage für die Bevölkerung stimme.

Wertschätzung der Bevölkerung

Nebst Fingerspitzengefühl benötigt Fritz Giger auch viel Einfühlungsvermögen. Dies besonders bei einer Arbeit, für die er seit dem Beginn seiner Tätigkeit bei der Gemeinde verantwortlich ist: die Bestattung. Er ist dabei, wenn die Verstorbenen eingesargt und in die Aufbahrungshalle gebracht werden. Auch der Aushub des Grabes bei einer Erdbestattung auf dem Friedhof liegt in seiner Verantwortung.

Nicht immer seien seine Gefühle dieselben. Vor zu grossen emotionalen Regungen kann er sich schützen, indem er alle Verstorbenen gleich behandle. Ddas gehöre sich auch so. Und er achte immer darauf, «dass es für die Familie stimmt». Fritz Giger hält einen Moment inne und überlegt: «In den letzten 25 Jahren hat es für mich eigentlich keine grossen Veränderungen gegeben», obwohl es mit der Einheitsgemeinde mehr Arbeit gebe. «Jetzt sind wir dafür ein Team», sieht er daran das Positive.

Der Arbeitsjubilar stellt bescheiden fest, dass es ihm Freude bereite, der Bevölkerung und den Gästen zu dienen. «Die Wertschätzung ist da, auch wenn es ein <Gang-go-Job> ist», ist er zufrieden.

Aktuelle Nachrichten