GAMS: Vom Armleutebuben zum Erfinder

Viktor Kobler wurde 1859 als Sohn eines Küfers geboren. Schon früh hatte er ein ausgeprägtes Erinnerungs- und Denkvermögen. Das half ihm bei seinem beruflichen Aufstieg zum angesehenen Konstrukteur.

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Rund 100 Seiten stark sind Victor Kobler-Stauders Lebenserinnerungen, reich illustriert mit Fotografien und Skizzen.

Rund 100 Seiten stark sind Victor Kobler-Stauders Lebenserinnerungen, reich illustriert mit Fotografien und Skizzen.

Viktor Kobler-Stauder ist ein Name, den man nicht unbedingt kennen muss. Immerhin gibt es einen Wikipedia-Eintrag, dem man entnehmen kann, dass er 1859 in Gams geboren wurde und 1936 in Zürich verstorben ist. Man erfährt aber auch, dass er ab 1875 in verschiedenen Stickereifirmen gearbeitet und sich autodidaktisch Kenntnisse in Technik und Physik angeeignet hatte. Er war neben seiner Arbeit auch als Erfinder tätig und schliesslich Inhaber von etwa 80 Patenten. So beispielsweise für die automa­tische Einfädelmaschine, einen heute noch aktuellen Konzepthalter für die Schreibmaschine und eine Schiffchenstickmaschine mit Längsantrieb.

Selbstbiografie zwei Jahre vor dem Tod geschrieben

Mehr über den erstaunlichen Aufstieg vom Armleutebuben, Sticker, Pröbler und Firmen­gründer Victor Kobler-Stauder gibt seine Selbstbiografie preis. Diese hat er 1934, zwei Jahre vor seinem Tod, verfasst. Angehörige, Freunde und Bekannte hätten ihn zu diesem 100-seitigen Büchlein angehalten, schreibt Kobler im Vorwort.

In Gams erlernte Viktor Koblers Vater den Küferberuf, was dem Autor folgende Zeilen entlockte: «Als Küferssohn bin ich mit ­gutem Recht Zeit meines Lebens immer etwas durstig gewesen. So sage ich oft rein spasseshalber: Den Durst habe ich vom Vater geerbt, aber das Geld hat er selber vertrunken!» Koblers Mutter war eine geborene Lenherr, über die er augenzwinkernd schreibt: «Die Lenherren waren kräftige, stämmige Menschen. Von diesen Vorfahren habe ich (…) ungleich lange Augendeckel geerbt. Dieses (…) ist aber sicherlich kein Nachteil, denn man kommt ohnehin besser durchs Leben, wenn man hie und da ein Auge etwas zudrückt.» Viktor Kobler hatte neun Geschwister. Ihm sei ein ausgesprochenes Erinnerungs- und Denkvermögen in die Wiege gelegt worden, sozusagen das Rüstzeug für seinen späteren Erfinder­beruf, schreibt Kobler in seiner Selbstbiografie. Die Familie zog oft weiter, von Gams nach Sennwald und zwei Jahre später nach Ruggell.

Die kinderreiche Familie wuchs in einfachsten Verhältnissen auf. Auch ohne neuzeitliche Ernährung – denn morgens gab es Kafi und Türggeriebel, mittags gab es Türggeriebel und Kafi und abends, was übrig blieb – wurden Viktor und seine Geschwister «gross und stark».

Riskante Experimente eines aufgeweckten Jungen

Ein Tüftler steckte im aufgeweckten Buben, der bald einmal mit Pulver pröbelte und «Feuerteufel» fertigte. So wurde er schnell bekannt und berüchtigt für seine riskanten Experimente. Nach nur sechs Jahren Schulunterricht trat er ins Erwerbsleben ein, denn das Geld für eine Ausbildung fehlte.

Kobler fand Arbeit in der ­Stickereiindustrie, wo er Ideen für effizientere Maschinen ent­wickelte. Autodidaktisch studierte er Lehrbücher über Mechanik und Physik. Schon bald zeich­nete er seine Ideen auf und kon­struierte sie auch. Das Schicksal vieler Tüftler und Erfinder, die im Armenhaus landeten, teilte der Gamser nicht. Er war erfolgreich und wurde reich. (she)9