GAMS: Visionärer Gamser Holzpionier

Unter dem Motto «Energie aus dem Dorf – für das Dorf» wurde 1996 der Nahwärmeverbund Hof Gams mit einer Holzschnitzelheizung in Betrieb genommen. Massgeblich beteiligt an der damaligen Pionierleistung war Josef Schöb. Der ehemalige Ortspräsident hatte eine Vision.

Doris Büchel
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Vor über 20 Jahren hat sich Josef Schöb dafür eingesetzt, dass in Gams ein Nahwärmeverbund realisiert wird. (Bild: Doris Büchel)

Vor über 20 Jahren hat sich Josef Schöb dafür eingesetzt, dass in Gams ein Nahwärmeverbund realisiert wird. (Bild: Doris Büchel)

Doris Büchel

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Die Idee war so simpel wie gut: Das Holz aus dem einheimischen Wald sollte im eigenen Dorf verwertet und die regionale Wertschöpfung verbessert werden. «Der Ortsverwaltungsrat wollte einen Nahwärmeverbund im Zentrum von Gams, möglichst nah am Verbraucher, mit einigen Grossabnehmern und ein paar Kleinen als Lastenausgleich», sagt Josef «Sepp» Schöb in der Küche seines Einfamilienhauses in Gams.

Vorbild waren die bereits bestehenden Ortswärmeverbunde in Alt St. Johann und vor allem im Südtirol. «Diese gewaltigen Dimensionen haben mich dazu bewogen, auch aus unserem Holz etwas zu machen, das weniger Arbeitsstunden verursacht und mehr Ertrag abwirft», erinnert sich der ehemalige Ortspräsident.

Die Durchleitungsrechte sorgten für hitzige Diskussionen

Der Start gestaltete sich harzig. Der Motivationslevel der Bevölkerung, sich dem Nahwärmeverbund anzuschliessen, präsentierte sich ungefähr gleich tief wie der damalige Ölpreis. Rund 45 Rappen bezahlte man anfangs der 90er-Jahre pro Liter Heizöl. Im Vergleich: Heute kostet der Liter fast doppelt soviel. Verständlich, dass bei den ersten potenziellen Abnehmern Überzeugungsarbeit geleistet werden musste. «Man kam wohl ein paar Franken teurer, dafür haben die Leute Platz und Komfort gewonnen.» Denn: Wer sich dem Nahwärmeverbund anschloss, benötigte anstelle eines Heizungsraums nur noch einen Wärmetauscher, ein kleines Kästchen.

Doch nicht nur die Kosten verursachten Bauchweh, auch die Durchleitungsrechte sorgten zuweilen für hitzige ­Diskussionen. «Es war nicht einfach, schliesslich mussten Leitungen zuweilen quer durch Gärten hindurch verlegt werden.» Es sei positiv zu werten, dass sich heute vieles einfacher gestalte. Dies einerseits dank der höheren Ölpreise, aber auch, weil sich das Image von Holz stetig verbessert habe, so Schöb.

Aufwind in der Bevölkerung

Nach der ersten Absage eines möglichen Grossabnehmers unternahm die Ortsgemeinde einen zweiten Anlauf, um Gewerbehäuser, Wohnhäuser und öffentliche Bauten ganzjährig mit Wärme zu versorgen. Als das Projekt Neubau Schulhaus Hof aufkam, stellte die Betreiberin erneut ein Gesuch. Man wollte mit dem Nahwärmeverbund das neue Schulhaus heizen. Doch der Schulrat war anfangs nicht wirklich interessiert. Es ging um Feinstaub, Wörter wie «Dreckschleuder» fielen. Erst nach und nach erfuhr das Projekt Aufwind in der Bevölkerung. Nachdem Bund und Kanton St. Gallen finanzielle Unterstützung zusicherten, fingen die Rädchen an zu drehen. Rund 300000 Franken Fördergelder wurden zugesagt. Auch der Binding-Preis, welcher der Gemeinde Gams 1996 für vorbildliche Waldpflege verliehen wurde, kam exakt zur richtigen Zeit. So wurde ein Teil des Preisgeldes, 90000 Franken, in den Nahwärmeverbund mit Holzschnitzelheizung investiert.

Grosse Nachfrage nach 20 Jahren

Heute, rund 20 Jahre nach Inbetriebnahme, ist die Nachfrage nach Anschlussmöglichkeiten an den Nahwärmeverbund Hof Gams nach wie vor gross und der Energieverkauf durch die Ortsgemeinde sukzessive gewachsen.

Josef Schöb hat sich nach seiner Pensionierung vom aktiven Geschäft zurückgezogen. Die Tatsache, dass heute in Gams 26 Liegenschaften ihre Energie vom Nahwärmeverbund Hof beziehen, darunter auch sämtliche öffentlichen Bauten, dürfte den Holzpionier dennoch freuen.