GAMS: Treffende Satire und Kritik

Was heisst Wortkunst? – Am Freitagabend hat das Publikum in der Alten Mühle Gams Wortkunst kennen gelernt. Kabarettist Simon Chen übertraf in seiner Darbietung «Meine Rede» alles.

Silvia Frick
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Frisch und frech: Simon Chen, ein Meister von Wortspielen in Gesellschafts- und Politsatire, in der Alten Mühle Gams. (Bild: Silvia Frick)

Frisch und frech: Simon Chen, ein Meister von Wortspielen in Gesellschafts- und Politsatire, in der Alten Mühle Gams. (Bild: Silvia Frick)

Silvia Frick

Kein Platz blieb unbesetzt. In Gams und Region schätzt man Kunst und Kultur. Im Einstieg liess Kabarettist Simon Chen durch banales Umsehen und Ärmelhochkrempeln die Spannung steigen. Doch gleich belohnte Lachen die Zuschauer. Nur hin und wieder sassen sie still und betroffen von der Wahrheit über die Wirklichkeit, die da in Worte gefasst wurde, denn Simon Chen reimte blitzschnell, phantasiereich und sehr brisant. Reden ­seien wichtig, denn oft wolle man damit hohe Ziele erreichen. Dabei müssten sich die Redner aber dem Anlass anpassen – gut angezogen indoktrinieren oder locker präsentieren? Und wo sind die Hände, aussen oder in den Hosentaschen? Man müsse zudem den richtigen Ton treffen, Mitsprache gewähren, aber auch beschwichtigen können. Und die Regeln einer Rede? «Sie soll nicht trocken sein, sondern mit Anekdoten, Zitaten oder knallharten Fakten bereichert», so Chen. Und man soll nicht vergleichen, nicht pauschalisieren, doch offen denken, aber sich vorsichtig äussern, also eher mit «dürfte und könnte» in Wahrscheinlichkeitsform, empfahl er.

«Gerade die Politik ist ein Fettnapfgebiet»

«Gerade die Politik ist ein Fettnapfgebiet, in dem man schnell Fehler macht. Aber wer in der Politik im Gespräch bleiben will, hält Reden» konkretisierte er. Und gleich zeigte er Pointen zu Wahlreden auf. «Die Schweiz ist ein Wanderland mit Rechts- und Linksvortritt. Und nicht selten werden ‹Vor-der-Wahl-Versprechen› nach der Wahl als ‹Versprecher› deklariert», wortspielte er spöttisch. Überhaupt: Reden ­seien wichtig im Leben, betonte der Kabarettist und inszenierte flugs eine pathetische Abdankungsrede zum Weggang von Jürg Melchior Kratapötzl. Er lehrte auch, dass Reden nicht nur durch Worte wirken sollen, sondern eher durch Mimik und Gestik, und diese Fähigkeit sei ja allen gegeben – ausser Bundesrat Schneider-Ammann.

Satirisches zu Populisten und Propagandisten

Dann ging es Schlag auf Schlag. Kabarettist Simon Chen schonte gar nichts und niemanden. In Politsatire durchleuchtete er die Parteien und deren Populisten oder Propagandisten. Da stand Bundesrat Burkhalter gegen Alain Berset und Blocher zu Trump und Putin im Vergleich. Satiren handelten von Abstimmungsbeteiligung, von Einwanderungspolitik und der Stellung unseres Landes zur EU; Zitat dazu: «We need foreign people but we don’t like them.» Daneben streifte er Giovanni Infantino (Fifa), und mit Bischof Huonder als kirchlichem Nachfolger Gottes war auch von Spannungen zwischen den Religionen die Rede. Das Klingenkreuzen einer Podiumsdiskussion und ein Seminarleiter mit seiner Überzeugungskunst wurden zum kabarettistischen Bild und rundeten ab.

Simon Chen ist ein hochtalentierter Wortkünstler, der Rolle um Rolle charakterisiert. Kabarett heisse für ihn: «Mit Mimik, Gestik und Wortspielen Geschehnisse und Begebenheiten mit Metaphern und Bildern, auch Feindbildern, herunterzubrechen und allen möglichst humoristisch verständlich zu machen. Und dies gelang ihm in seinem Auftritt «Meine Rede» perfekt.