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GAMS: Nicht «grüüsig», sondern faszinierend

Neben den vielfältigen Tätigkeiten, die ein Mesmer normalerweise ausführt, gehört in der katholischen Kirche Gams auch die Pflege einer Kolonie seltener Fledermäuse zum Aufgabenbereich von Irene Müller und Hans Lenherr.
Katharina Rutz
Kleine und Grosse Mausohren teilen sich den Dachstock der katho­lischen Kirche in Gams. (Bilder: Katharina Rutz)

Kleine und Grosse Mausohren teilen sich den Dachstock der katho­lischen Kirche in Gams. (Bilder: Katharina Rutz)

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Seit Mitte der 1980er-Jahre lebt die Mausohrkolonie nun wieder in der katholischen Kirche St. Michael in Gams. «Zuvor hat man versucht, sie zu vertreiben und alle Öffnungen im Dachstock der ­Kirche wurden dichtgemacht», erzählt Hans Lenherr. Er ist seit einigen Jahren Mesmer in der Gamser Kirche und pflegt deshalb zusammen mit seiner Stellvertreterin Irene Müller nun die Kleinen und Grossen Mausohren. Beide Fledermausarten leben ­gemeinsam im selben Dachstock und nutzen dieselben Hang­plätze.

Rund 80 bis 100 erwachsene Mausohren leben im Sommer in der Kirche. Jeweils im Frühjahr kommen sie aus ihren Winterquartieren in Höhlen, Stollen und Felsritzen, wo die Temperatur nicht unter null sinkt. Mausohren halten einen Winterschlaf und können ihre Temperatur und Herzfrequenz stark senken. So verbrauchen sie wenig Energie.

Käfer werden vom Boden aufgelesen

Die nachtaktiven Tiere fressen Insekten wie Laufkäfer und Heuschrecken. Das Grosse Mausohr sucht seine Beutetiere im niedrigen Suchflug über dem Boden. Es liest diese entweder aus einem kurzen Rüttelflug direkt vom ­Boden ab oder fängt sie durch eine kurze Landung. Das Kleine Mausohr hingegen jagt bevorzugt über hochgrasigen Streu- und Magerwiesen. Die Tiere orientieren sich mit ihrer Echo-Ortung. Das heisst, sie stossen Ultra-Schallwellen aus und nehmen die Echos mit ihren grossen Ohren wieder auf. So entsteht eine Art «Hörbild» der Umgebung in ihrem Gehirn. Beim Beutefang hingegen setzen zumindest die Grossen Mausohren auf eine ganz andere Taktik: Dank ihrer grossen Ohren finden sie ihre Beute dank der Krabbelgeräusche am Boden.

Für die Geburt der Jungen im Juni besiedeln sie im Frühjahr ihre Sommerkolonien. Der Dachstock als warmer und ungestörter Raum eignet sich dafür gut. Die Mausohren säugen ihre Jung­tiere. Sie zählen zu den grössten, einheimischen, fliegenden Säugetieren. Mausohr-Weibchen paaren sich im Herbst und bewahren den Samen während der Winter­monate in ihrem Körper. Die Befruchtung findet erst im darauffolgenden Frühjahr statt. Nach wenigen Monaten kommt in der Regel ein Junges zur Welt.

«Die Fortpflanzung der Maus­ohren ist höchst spannend», findet Irene Müller. Auch Hans Lenherr ist fasziniert von den Tieren. «Früher dachte ich, Fledermäuse sind eklig. Doch nun weiss ich, wie nützlich diese Tiere sind», sagt der Mesmer.

Die Fledermäuse gehören dazu

Heute kontrolliert er «seine» Kolonie genauso gewissenhaft, wie er seine anderen Aufgaben als Mesmer ausführt. Dazu haben sowohl Hans Lenherr als auch Irene Müller eine Ausbildung absolviert. So stellen sie die Turmuhr wieder auf die richtige Zeit und kontrollieren die Glocken. Die Kirche muss geputzt und geschmückt werden, die Mess­gewänder gewaschen und gepflegt. Die Mesmer sind auch die Herren über die Schlüssel. «Wir sind in die Aufgabe hinein­gewachsen», sagen sie. Genauso ging es ihnen mit den Fleder­mäusen, die sie zuvor nicht gut kannten.

Hans Lenherr legt also jedes Frühjahr am Boden des Dachstocks eine grosse Plane aus, um den Kot aufzufangen. Dieser eignet sich übrigens ausgezeichnet als Blumendünger. So tragen die Fledermäuse indirekt mit ihrem Kot zur Verschönerung der Kirche mit Blumenschmuck bei. Etwa alle zehn Tage oder nach jedem Unwetter muss Hans Müller die Uhr und die Glockenstube kontrollieren, dann schaut er jeweils auch zu den Mausohren. «Manchmal sind sie auch nicht hier, wenn es tagsüber zu heiss im Dachstock wird», weiss er zu erzählen.

Einmal im Jahr werden im Rahmen eines kantonalen Monitoringprojektes die Mausohren gezählt. Letztes Jahr wurde dazu ein Nachtsichtgerät eingesetzt. So konnte festgestellt werden, dass die Mausohren die Gamser Kirche vorwiegend über einen Dachvorbau hangaufwärts verlassen. «Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Kirche hangseitig nicht plötzlich auch noch beleuchtet wird», so Hans Lenherr. «Auch jegliche baulichen Veränderungen müssen vorgängig gemeldet werden. Damit man die Fledermäuse in der Kirche schützen kann.»

Fledermauskolonie ist geschützt

Solche Kolonien wie im Gamser Kirchenschiff-Dachstock gibt es nur an fünf Orten im Kanton St. Gallen. Die Kolonie hat nationale Bedeutung und steht deshalb unter ganz besonderem Schutz. Neben den natürlichen Feinden wie Schleiereule, Marder sowie Nässe und Kälte bildet vor allem der Mensch eine Gefahr für die Fledermäuse: Versperrte Dachstühle und die Ausräumung der Landschaft machen den Mausohren besonders zu schaffen.

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