GAMS: Mit Dirndl im Indischen Ozean

Die fünfköpfige Familie Lenherr ist normalerweise mit dem Wohnmobil unterwegs. Nicht so in diesem Jahr: Der Göttibueb von Mutter Uli Lenherr hat in Mauritius geheiratet, und die ganze Truppe reiste zur Feier auf die kleine Insel.

Mengia Albertin
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Elisabeth, Andreas, Josephine, Andreas junior und Uli Lenherr mit Jonas Matt in Leinenanzug und Dirndl – gerüstet für die internationale Hochzeit auf Mauritius.

Elisabeth, Andreas, Josephine, Andreas junior und Uli Lenherr mit Jonas Matt in Leinenanzug und Dirndl – gerüstet für die internationale Hochzeit auf Mauritius.

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

«Die ehrliche Herzlichkeit und Zuvorkommenheit hat uns einfach umgehauen», erzählen drei der Familienmitglieder dem W&O. Sie bereisten die rund 2000-Quadratkilometer-Insel während zehn Tagen. Als krönender Abschluss fand dann die Hochzeit des Götti­buebs von Uli Lenherr mit seiner mauritischen Frau statt. Mit auf die Reise kam spontan auch ein Freund des Sohnes der Familie. Erlebt haben die sechs Reisenden eine ganze Menge. Die schönsten Erlebnisse hatten sie mit der Bevölkerung. Sie haben grossen Respekt vor ihrem nächsten Urlaub: So schön könne es kaum noch einmal werden.

Wie es auf Reisen so ist, kreuzt oft Unerwartetes die ­Pläne. Uli, Andreas, Elisabeth, Andreas junior und Josephine Lenherr sowie ­Jonas Matt wurden sogar vor ihrer Abreise unerfreulich überrascht. Beim zugegebenermassen späten Bestellen der Reisepässe eine Woche vor der Abreise informierte die Ge­meinde die Familie, dass die jüngste Tochter im Verzeichnis nicht existiere. Ent­sprechend könne auch kein Pass ausgestellt werden. «Elisabeth wurde natürlich angemeldet, sie hat ja eine ID. Wir waren perplex», erzählt Uli Lenherr. Nach einigem Hin und Her wurde klar, dass der 17-Jährigen die sogenannte Infostar-Nummer fehlte – ein Fehler des Systems. Einen Tag vor der Abreise erhielt die Fa­milie dann die nötige Nummer und konnte so am Flughafen für die Tochter einen Notfallpass lösen. «Ich konnte die Tage vor der ­Abreise kaum noch schlafen», sagt Uli Lenherr lachend.

Der Aufwand und der Stress scheinen sich gelohnt zu haben: Die Familienmitglieder sind auch knapp einen Monat nach der ­Reise noch Feuer und Flamme bei ihren Erzählungen.

Bekannt für Strände, ­Vulkane und Zuckerrohr

Nach dem Schriftsteller Mark Twain wurde zuerst Mauritius ­erschaffen und dann erst das Paradies – als eine Kopie von Mauritius. Mauritius ist bekannt für seine Strände, Riffe, unzäh­lige Fisch- und Pflanzenarten, lang erloschenen Vulkane und ­Zuckerrohrplantagen. Die Insel Mauritius liegt rechts neben ­Madagaskar und ist die bekannteste Insel der gleichnamigen ­Republik. Ursprünglich war das Land unbewohnt, alle Einwohner sind Nachfahren verschiedenster Einwanderernationen. Auf engem Raum werden unterschiedliche Religionen gelebt. Auf der Insel wird Französisch und Kreolisch gesprochen. Englisch ist die Landessprache.

Besonders beeindruckt und gerührt waren die Lenherrs von der natürlichen Freundlichkeit auf der Insel. Das betonen sie ­immer wieder. «Sie waren nicht freundlich, weil sie etwas von dir wollten, sondern einfach, weil sie ehrlich interessiert waren.» Besonders schön seien auch die Freude am Feiern und der Ausgang gewesen. Mit den Angestellten eines Restaurants tingelten sie von Disco zu Disco in einem überfüllten Bus mit Essen, Rum und lauter Musik. «Wir kamen gar nicht mehr aus dem Feiern raus.» Leider waren die Schweizer und Deutschen für den Ausgang – ganz im Gegensatz zu den Mauritiern – nicht richtig gekleidet: Mit Sandalen und Shorts verwehrten ihnen einige Tür­steher den Eintritt. Die neuen mauri­tischen Freunde blieben ­jedoch der Gruppe aus dem ­Ausland treu und suchten kurzerhand einen Ort, wo alle tanzen konnten. Nach einer Woche ­Baden, Tanzen, Sightseeing, ­Löwen streicheln und schwimmen mit Delfinen stand die Hochzeit an.

Dem Pfarrer fehlten wegen der Gäste die Worte

Der Göttibueb – ein deutscher Koch – hat bereits in Frankfurt ­zivil geheiratet. Auf Mauritius fand dann die kirchliche Hochzeit mit Freunden und Verwandten der Braut statt. Wie zieht man sich für eine mauritische Hochzeit an? Die Lenherrs haben sich für traditionelle Dirndl und Leinenanzug entschieden. Vor der Hochzeit gingen alle auf Mauritius zum Coiffeur. «Die mauritischen Frauen sind zum Feiern eben sehr gestylt, da ­wollten wir nicht schon wieder auffallen wie in den Discos.»

Die Braut ist Fremdsprachenkorrespondentin und Dolmetscherin für Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Das hatte zur Folge, dass die Hochzeitsgesellschaft dermassen international ausfiel, dass dem mauritischen Pfarrer erstmals die Worte fehlten. Er habe in seinen vierzig Jahren sehr ­viele Hochzeiten erlebt, aber noch nie eine mit so vielen verschiedenen Gästen. Es waren Leute aus Indien, Mexiko, USA, Schweiz, Deutschland, Italien und Frankreich angereist. Prompt vergass der Pfarrer vor Staunen sogar den Namen des Bräutigams. Die katholische Feier wurde von einem kreolischen Chor begleitet. «Sie haben auch ‹Gott, wie gross bist du› auf Kreol gesungen», erzählt Uli Lenherr. «Das war wunderschön, denn dieses Lied sangen wir damals auch an unserer Hochzeit.»

Tanzen bis in die frühen Morgenstunden

Die knapp hundert Gäste aus aller Welt assen im Restaurant eines Safariparks – inmitten von Zebras und Nashörnern. Die ­Lenherrs wussten nicht, was sie dort zum Essen erwarten wird und fragten deshalb einen Bekannten. Die überraschende Antwort: «Bei einer kreolischen Hochzeit geht es nicht ums Essen, sondern ums Tanzen und Trinken.» Zwar gab es ein feines Buffet, aber das Feiern stand im Mittelpunkt. Nach dem Tanz des Brautpaares «mussten» alle aufstehen und mit dem Tanzen loslegen. Weiter ging es mit demselben Programm in einer Disco. «Mit dem Tanzen hat man den ganzen Alkohol problemlos weggeschwitzt», lacht Andreas Lenherr.

Ob etwas Unerfreuliches auf der Reise geschehen sei? Aber ja, sicher: der Abreisetag. Der Abschied von allen und der Insel sei schon nach dieser kurzen Zeit schwergefallen.