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GAMS: Gastrobranche als Kulturgut

Präsident Urs Kremmel konnte an der HV von Gastro Heidiland im «Schäfli» viele Kollegen begrüssen. Er appellierte an sie, nicht zu jammern. Gastronomen müssen sich verändern, offener und moderner werden.
Heidy Beyeler
Nach der Hauptversammlung wurden angeregte Gespräche unter Berufskollegen und -kolleginnen geführt. (Bild: Heidy Beyeler)

Nach der Hauptversammlung wurden angeregte Gespräche unter Berufskollegen und -kolleginnen geführt. (Bild: Heidy Beyeler)

Heidy Beyeler

redaktion@wundo.ch

Die Restaurantszene verändert sich zusehends. Die Mehrheit der Restaurantbetreiber sind heute Quereinsteiger, wie Urs Kremmel anlässlich eines Ausbildungs­kurses zur Kenntnis nehmen musste. Von 23 Teilnehmenden – meist über fünfzig bis sechzig Jahre alt – war nur gerade einer, der ursprünglich eine Lehre in der Gastrobranche absolviert ­hatte. Alle anderen waren zuvor in anderen Bereichen tätig.

Diese Situation veranlasste einen Kursteilnehmer zur Aus­sage: «Auf der einen Seite muss sich die Branche neu erfinden, auf der anderen Seite ist die Gastronomie inzwischen zu einem Kulturgut mutiert, das man schützen sollte.» Das Problem sei, dass viele Restaurateure den Anschluss verloren hätten, teils von der Hand in den Mund lebten und demzufolge jammerten und die Schuld für den schlechten Geschäftsgang dem starken Franken oder dem Wetter gegeben werde. «Es kann doch nicht sein, dass ständig gejammert wird. Der Gast will das Gejammer nicht hören, er kommt nicht deswegen zu uns», lautete Kremmels Appell an seine Kolleginnen und Kol­legen.

«Es braucht Feuer, Leidenschaft und Herzblut»

Es sei auch so, dass kaum mehr junge Leute im Gastrobereich bleiben. Die Zeiten hätten sich eben geändert und das müsse man so zur Kenntnis nehmen. Deshalb müssten sich auch die Gastronomen verändern, offener und moderner werden und die Arbeitszeiten attraktiver gestalten. «Wir müssen uns bewusst sein: Grundsätzlich arbeiten wir in einer schönen Branche, auf die wir stolz sein dürfen. Es braucht aber Feuer, Leidenschaft und Herzblut in diesem Metier.» Und natürlich eine gute Aus- und ­Weiterbildung. Dafür biete der Gastro-Verband die nötige Unterstützung.

Zur HV eingeladen hatte ­Gastro Heidiland Remo Müller aus Grabs, Koch und Tierpark­besitzer. Er berichtete über seinen Werdegang vom Koch zum Raubtierdompteur. Müller lernte Koch, um später bei einem Zirkus anzuheuern. Bruno Weder bot ihm im Schlössli Sax eine Lehrstelle an. Als Weders im Bündnerland eine neue Stelle bei der Familie Blocher fanden, nahm Urs Kremmel Lehrling Remo Müller bei sich auf. Die Kochlehre hat er schliesslich als Kantonsbester ­abgeschlossen und er schaffte an der Schweizer Kochmeisterschaft den zweiten Platz. Ebenso bereitete er sich als Kandidat ein Jahr lang auf die Berufsolympiade vor, musste aber einem Berufskollegen den Vortritt lassen. Müller kehrte danach zurück ins Grand Resort Bad Ragaz.

Später zog er von einem Tag auf den anderen in einen Zirkuswagen, als er sich wieder erin­nerte, weshalb er Koch lernen wollte. Im Zirkus arbeitete er als Koch, allerdings faszinierten ihn Raubtiere noch mehr. Schon bald verliess er den Zirkus und machte die Lehre Tierpfleger im Walter-Zoo, Gossau, kaufte vier Tiger und lernte seine Frau ­kennen. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach einem ­geeigneten Gelände für einen Tierpark. Und nun? Vor drei Jahren wurde der Tier-Erlebnispark in Bell am Hunsrück (Rheinland-Pfalz) eröffnet.

Mit Durchhaltevermögen, guten Ideen und Überzeugung hat Remo Müller seinen Traum erfüllt. In diesem Fall fügen sich Gastronomie und Tiere Mosaikstein um Mosaikstein zusammen. Ein weiterer Mosaikstein kam am Montagabend dazu: Gastro Heidi­land übernimmt die Patenschaft für einen Waschbären in Remo Müllers Tierpark.

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