GAMS: Die Erde schweigt, es leuchten die Sterne

Die Rheintalische Singgemeinschaft bot den Besuchern in der katholischen Kirche ein besonderes Konzert: «Der Stern von Bethlehem» und «Vom Himmel hoch» wurden gekonnt intoniert.

Adi Lippuner
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Die Rheintalische Singgemeinschaft, die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben und Sopranistin Anna Gschwend unter der Leitung von Dirigent Karl Hardegger bei der Aufführung «Der Stern von Bethlehem». (Bild: Adi Lippuner)

Die Rheintalische Singgemeinschaft, die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben und Sopranistin Anna Gschwend unter der Leitung von Dirigent Karl Hardegger bei der Aufführung «Der Stern von Bethlehem». (Bild: Adi Lippuner)

Rund 100 Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker sowie zwei Solisten verwöhnten die knapp 200 Konzertbesucher am Samstagabend mit Darbietungen, die das Prädikat «Extraklasse» verdienen. Es war – eine Woche vor dem Heiligen Abend – die perfekte Einstimmung auf Weihnachten. Im neunteiligen «Stern von Bethlehem» heisst es zu Beginn: «Die Erde schweigt, es leuchten die Sterne, sie grüssen klar aus himmlischer Ferne.» Und so klar wie draussen die Sterne funkelten, waren der Chorgesang und die Solodarbietungen der Sopranistin Anna Gschwend, einer gebürtigen Buchserin, und Clemens Morgenthaler, Bass. Die Gesamtleitung hatte Dirigent Karl Hardegger.

Freude an anspruchsvoller Chorliteratur

Die Weihnachtskantate für Soli, Chor und Orchester des Liechtensteiner Komponisten Josef Gabriel Rheinberger, geschrieben im Jahre 1890, wird nicht ohne Grund als «stimmungsvolles und lyrisches Werk mit dankbaren Aufgaben für den Chor» bezeichnet. Die Teile Erwartung, die Hirten, Erscheinung des Engels, Bethlehem, Die Hirten an der Krippe, Der Stern, Anbetung der Weisen, Maria und Erfüllung lassen den Alltag vergessen. Und so wie der erste Teil begann, endet auch Teil neun mit «Die Erde schweigt, es leuchten die Sterne, sie grüssen klar aus himmlischer Ferne». Interessant zu wissen: Der Text zu diesem umfassenden Werk stammt von Rheinbergers Frau Fanny.

Der Chor mit rund 60 Sängerinnen und Sängern aus dem St. Galler Rheintal und dem Appenzeller Vorderland hat sich zum Ziel gemacht, alle zwei Jahre ein grosses Chorwerk an verschiedenen Orten zur Aufführung zu bringen – zuletzt standen 2015 «Die Jahreszeiten» auf dem Programm. In den Jahren dazwischen widmet sich der Chor kleineren Projekten. Tatkräftig unterstützt wurde die Rheintalische Singgemeinschaft durch die Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben, einem Orchester, das in der Vergangenheit fast das gesamte Standardrepertoire der Chormusik aufführte, seien es die grossen Oratorien und Passionen von Händel, Bach, Haydn und Mendelssohn, das Mozart- und Brahms-Requiem, die Messen von Bach, Mozart, Haydn, Beethoven und Schubert und nun ganz aktuell «Der Stern von Bethlehem» und im zweiten Konzertteil dann «Vom Himmel hoch» von Felix Mendelssohn Bartholdy. Aufgrund der ähnlichen Besetzung ist eine Kombination der beiden Werke bei einem Konzert ideal. Mendelssohn hat sich schon während seiner Lehrjahre ausgiebig mit der Bearbeitung von Chorälen beschäftigt.

Unvergessliches Weihnachtskonzert

Und so kamen die Freunde der klassischen Chormusik in den einmaligen Genuss zweier völlig verschiedener Werke, wobei ein Komponist ganz in der Nähe des Aufführungsortes seine Wurzeln hat. Rheinberger wurde 1989 in Vaduz geboren und wird in der Fachliteratur «als grosser Lehrer und bedeutender Repräsentant einer vielfältigen Musikkultur am Ende der klassisch-romantischen Epoche», bezeichnet.