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GAMS: «... den Mitmenschen zum Wohle»

Vor 100 Jahren wurde der Krankenpflegeverein – heute Spitex Gams – gegründet. Sein Zweck war unter anderem, seinen kranken Mitgliedern und Wöchnerinnen die nötige Pflege zu verschaffen sowie ein Krankenmobilienmagazin zu unterhalten.
Hansruedi Rohrer
Pfarrer Otto Müller war von 1934 bis 1944 Vereinspräsident.

Pfarrer Otto Müller war von 1934 bis 1944 Vereinspräsident.

Hansruedi Rohrer

redaktion@wundo.ch

Im Saal des Gasthauses Ochsen berief der Gamser Pfarrer Eduard Bernhardsgrütter am 20. Oktober 1918 eine Vorversammlung zur Gründung des Krankenpflegevereins ein. Er stellte dabei auch seine Erfahrungen bei Krankenbesuchen während der Grippezeit 1918 in den Vordergrund und beleuchtete die Notwendigkeit der Gründung. Es sei ein Verdienst der Kirche, sich der Armen und Kranken anzunehmen, hiess es. Im Protokoll heisst es weiter: «Es soll auch niemand ausgeschlossen werden, auch Andersgläubige in der Gemeinde nicht. Selbstverständlich müssen vermögliche Nichtmitglieder höhere Pflege-Entschädigungen entrichten.»

Am 1. Dezember erfolgte im Restaurant «Hirschen» die erste Vereinsversammlung mit Genehmigung der Statuten. Im Artikel 1 wurde der Zweck des Vereins festgehalten, nämlich seinen kranken Mitgliedern und Wöchnerinnen die nötige Pflege zu verschaffen sowie ein Krankenmobilienmagazin zu unterhalten. Präsident des Vereins war der jeweilige katholische Pfarrer von Gams. Das war bis zur Statutenänderung im Jahre 1988 so.

Vorerst nur das Allernötigste angeschafft

Pfarrer Eduard Bernhardsgrütter wurde somit erster Vereinspräsident (von 1918 bis 1934). Förster Daniel Dürr konnte 1918 als Kassier und Lehrer Gebhard Sennhäuser als Aktuar gewählt werden. Die weiteren damaligen Kommissionsmitglieder: Josef Lenherr, Bäcker und Arnold Hardegger, Gemeindammann. 51 Personen erklärten den Beitritt zum Verein.

Für das Krankenmobilienlager sollte vorerst nur das Allernotwendigste angeschafft werden. Auch erhielt der Aktuar den Auftrag, die Ortsgemeinde Gams um Zeichnung eines Beitrages zu ersuchen. Diese sicherte dem Verein in der Folge einen jährlichen Beitrag von 400 Franken während fünf Jahren zu. Auch wurde die Sparkasse Gams gebeten, einen für den Krankenpflegeverein bestimmten Fonds von etwa 2000 Franken zur Verfügung zu stellen.

Nach einem Jahr schon 129 Mitglieder

Der Jahresbeitrag 1918 für Familien betrug fünf und jener für Einzelpersonen zwei Franken. Die Kommission hatte den Auftrag, weitere Mitglieder zu werben. Auch wurde eine Krankenschwester gesucht, um dem Vereinszweck gerecht zu werden. Die Mitgliederwerbung schien erfolgreich gewesen zu sein, besass der Verein doch Ende 1919 insgesamt 129 Mitglieder, wie aus dem ersten Bericht hervorgeht. Hingegen konnte bislang noch keine Krankenschwester gewonnen werden. Dabei wurden verschiedene Klöster angefragt, aber von überallher kamen nur Absagen.

Dafür boten sich anfangs 1919 zwei einheimische Damen an, den 30-tägigen Wöchnerinnenpflegerinnenkurs in Sarnen zu besuchen. Die gesamten Kosten für den Kurs und die Reisespesen samt Unterkunft und Essen betrugen pro Person 115 Franken. Die Auslagen wurden vom Krankenpflegeverein übernommen. Diese beiden Pflegerinnen – Frieda Lenherr, Simmi, und Ida Paolucci, Bsetzi – erfüllten nachher ihre Aufgabe im Verein gewissenhaft und tadellos.

Segensreiche Tätigkeit der Ordensschwestern

Nach langem Suchen konnte das Kloster Ingenbohl im Jahr 1931 Schwester Zosima nach Gams entsenden. Damit nahm eine umfangs- und segensreiche Tätigkeit durch die Ingenbohl-Schwestern ihren Anfang. Schwester Zosima erhielt durch Vermittlung des katholischen Pfarramtes ein möbliertes Zimmer mit Licht, freie Kost und Heizung im Armenhaus. Das jährliche Gehalt der Schwester betrug 400 Franken. Dank der bescheidenen Ansprüche der Ordensfrau und unter Berücksichtigung der schlechten Zeiten wurden die Pflegegelder ermässigt. Für Besuche der Krankenschwester waren für etwa zwei Stunden 50 Rappen und für einen längeren Zeitaufwand ein Franken zu bezahlen. Für Nichtmitglieder kostete es das Dreifache.

1935 erhielten die Schwestern im Haus Dürr, Bsetzi, einen neuen Wohnsitz. Das Haus wurde 1964 abgerissen. Heute steht das Pfarrhaus dort. 1938 hielten die Marienschwestern Einzug in Gams. Sie bezogen ihr Heim auf Schriffenegg. Pfarrer Otto Müller leitete seit Juni 1934 als zweiter gewählter Präsident den Krankenpflegeverein. Er kannte sich gut in der Gesundheitspflege aus. «Vorbeugen ist besser als Heilen, darum Vorsicht in der Ernährung; es wird im Allgemeinen zu viel gegessen», sagte er 1939 in einem Versammlungs-Referat. Am 25. Mai 1944 starb Präsident Otto Müller. Im Anschluss an die Hauptversammlung 1949 wurde erstmals ein Arztvortrag gehalten. Dr. Josef Fässler, der Gamser Dorfarzt, referierte über Infektionskrankheiten.

Nach Auflösung des Vertrages mit dem Kloster Ingenbohl im Jahre 1965 erklärte sich Marie Schöb-Lenherr, Simmi, bereit, die Arbeit der Krankenschwester weiterzuführen. Sie legte mit ihren 72 Jahren unzählige Kilometer zu Fuss zurück und hielt auch noch Nachtwachen. 1976 trat sie aus Altersgründen zurück. Im Jahr 1977 wurde der Jahresbeitrag erstmals von fünf auf 15 Franken erhöht, und von der politischen Gemeinde Gams konnte ein jährlicher Beitrag von 4000 Franken zugesichert werden.

Die Statuten, die 70 Jahre ihre Gültigkeit hatten, wurden 1988 revidiert. Der Verein nannte sich nun «Kranken- und Hauspflegeverein Gams». Am Mittwoch, 21. März, kann der Verein – heute Spitex Gams – an der Hauptversammlung seinen 100. Geburtstag feiern. Es ist ein grosser Dienstleistungsbetrieb geworden.

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