FUSSBALL: Die Freude wiedergefunden

Der Grabser Michael Scherrer hat schwierige Zeiten beim FC St. Gallen hinter sich. In derselben Stadt erhält er nun bei einem anderen Verein die Chance, sich zu bewähren.

Robert Kucera
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Fühlt sich wohl im Dress des Sportclubs Brühl: Der Grabser Michael Scherrer. (Bild: PD)

Fühlt sich wohl im Dress des Sportclubs Brühl: Der Grabser Michael Scherrer. (Bild: PD)

Robert Kucera

robert.kucera@wundo.ch

Das Talent aus dem Werdenberg hatte einst die Super League als Ziel und träumte von der Bundesliga. Nun spielt Michael Scherrer in der Promotion League, also in der dritthöchsten Schweizer Liga. Er hat die Schattenseiten des Profigeschäfts auf die harte Tour kennen gelernt. Vor zwei Jahren überzeugte er noch bei Testspielen des FC St. Gallen und war auf dem Sprung in die erste Mannschaft. Nach Verletzungspausen kämpfte er sich zurück, trainierte hart und empfahl sich in jedem einzelnen Training für höhere Aufgaben – vergebens.

«Ich habe zunächst ein halbes Jahr lang beim FC St. Gallen trainiert, nachher ein halbes Jahr lang nichts mehr gehört. Das lief schon sehr komisch», fasst der Grabser die Saison 2016/17 zusammen. «Auch diesen Sommer habe ich nichts mehr gehört.» Im Tonfall ist die tiefe Enttäuschung unüberhörbar. Diese fasst er kurz darauf in Worte: «Ich habe nie eine faire Chance erhalten.» Ein Grund für die Nichtberücksichtigung beim Superligisten sieht er auch im Trainerwechsel von Jeff Saibene zu Joe Zinnbauer. Es erstaunt überhaupt nicht, dass der 22-Jährige heute sagt: «Mit dem FC St. Gallen habe ich abgeschlossen.»

Angebote aus der Challenge League

Mit dem Kantonshauptort aber noch lange nicht. In der letzten Spielzeit schloss er sich dem Sportclub Brühl an. Der Grabser sagt: «Hier habe ich die Freude am Fussball wiedergefunden.» Beim SC Brühl wurde Michael Scherrer sehr gut aufgenommen, er ist Stammspieler und agiert auf jener Position, die ihm am meisten behagt: im defensiven Mittelfeld. «Es gefällt mir super hier», so Scherrer. Das Wohlbefinden im Verein und dass er auf dem satten Grün nun auch seine Fussballkünste zeigen darf, ist der eine Grund, weshalb er diesen Sommer gleich drei Anfragen von Challenge-League-Vereinen für die kommende Saison ausschlug. Der andere ist ein Jobangebot in der Immobilienfirma des Brühler Vereinspräsidenten. «Dieser Job und der Platz in der Promotion League sind beides so coole Angebote, so dass ich nun bei Brühl bleibe», freut sich Scherrer.

Statt Geld verdienend auf einer Ersatzbank zum x-ten Mal auf eine Chance zu hoffen, arbeitet Michael Scherrer lieber in einer Firma und kickt nebenbei. Jedoch nicht ambitionslos. «Seit der neue Präsident da ist, hat Brühl höhere Ansprüche», verrät Scherrer. Das Wort «Aufstieg» kursiert hie und da rund ums Paul-Grüninger-Stadion. «Diese Saison ist es vielleicht noch zu früh. Aber», so mutmasst er, «in den nächsten zwei, drei Jahren wäre es schon das Ziel, in die Challenge League aufzusteigen.» Wie ambitioniert der SC Brühl ist, zeigen zwei Neuzugänge: Nico Abegglen (Super League mit St. Gallen und Vaduz; Challenge League mit St. Gallen, Vaduz und Wohlen) sowie Claudio Holen­stein (Challenge League mit Wil, Gossau, Winterthur, Wohlen und letzte Saison Einsätze in der zweithöchsten österreichischen Liga bei Wacker Innsbruck) verstärken das Kader.

Vorne mitspielen und Leistungsträger sein

«Das macht es interessant für mich als jungen Spieler. Es ist spannend, diesen Prozess mitzumachen», herrscht bei Scherrer Vorfreude auf das Kommende. Er selbst setzt sich folgendes Ziel: «Diese Saison vorne mitspielen, so in den ersten vier. Und nächstes Jahr dann aufsteigen. Wenn ich mein bestes gegeben habe, immer der Mannschaft das Gefühl geben kann, dass ich ein Leistungsträger bin – dann bin ich zufrieden. Glücklich bin ich eigentlich jetzt schon.»