«Fütterungsverbot ist schwierig»

Schwäne sollte man nicht füttern, sagt Wildhüter Silvan Eugster. Ein Fütterungsverbot sei aber schwierig umzusetzen und stosse nicht überall auf Verständnis. Die Fütterung von Kleinvögeln wird hingegen lockerer gesehen.

Alexandra Gächter
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Nicht alles gut Gemeinte bewirkt Gutes: Beim Füttern von Schwänen und Enten hofft Wildhüter Eugster deshalb auf die Vernunft der Bevölkerung. (Bild: Alexandra Gächter)

Nicht alles gut Gemeinte bewirkt Gutes: Beim Füttern von Schwänen und Enten hofft Wildhüter Eugster deshalb auf die Vernunft der Bevölkerung. (Bild: Alexandra Gächter)

REGION. «In der Schweiz hat der Schwanenbestand zugenommen», sagt der Werdenberger Wildhüter Silvan Eugster. Auch auf dem Werdenbergersee hatte es diesen Frühling anstatt zwei, plötzlich zehn Schwäne. Das ansässige Schwanenpaar brütete acht Junge aus. Dass davon fünf bereits gestorben sind, ist gemäss Wildhüter Eugster normal. «Im ersten Jahr sterben viele Junge.»

Die Schwanküken lockten in den vergangenen Monaten vermehrt Schaulustige an, welche sie mit Brot fütterten. «Schwäne sollte man aber grundsätzlich nicht füttern», sagt Eugster dazu (vgl. Titelseite). Die Fütterung fördere eine Überpopulation. Das wiederum führe zu Territorialkämpfen und zu Übertragungen von Krankheiten. Werden Wildtiere nicht gefüttert, suchen die Tiere automatisch andere Standorte auf und verhindern dadurch eine Überpopulation vor Ort, so Eugster.

Toleranz ist unterschiedlich

Eine zu grosse Menge von Wasservögeln an einem Platz führe logischerweise zu einer grösseren Verschmutzung. «Schwäne fressen im Winter Gras, dementsprechend wird das Ufer des Werdenbergersees verkotet.» Eugster ist sich bewusst, dass die Toleranz bei diesem Thema unterschiedlich ist. «Die einen finden, das gehöre zur Natur, andere regen sich darüber auf. Es kommt immer darauf an, wie stark betroffen man davon ist.» Am Bodensee ist die Situation etwas anders: An dessen Ufer gehen viele Menschen mit Hunden spazieren, schreibt der Rheintaler. Das verhindere wohl, dass die Schwäne oft ans Ufer gehen und es verkoten. Zudem ist der Bodensee viel grösser, «dort hat es also Platz für mehrere Schwanenfamilien, wohingegen auf dem Werdenbergersee nur eine Familie Platz hat», sagt Eugster.

Genau wie bei der Verkotung gehen die Meinungen auch beim Füttern auseinander. «Einige können es absolut nicht verstehen, dass nicht gefüttert werden soll. Deshalb ist es schwierig, ein Verbot auszusprechen.» Ausserdem könne ein Fütterungsverbot nicht kontrolliert werden. Es bleibe deswegen bei der Empfehlung, nicht zu füttern – «wir hoffen auf Vernunft», so Eugster.

Überleben erleichtern

Die Fütterung von Kleinvögeln wird hingegen lockerer gesehen: «Eine sachgemässe Zufütterung in Zeiten mit Nahrungsmangel kann den Kleinvögeln das Überleben erleichtern, vor allem im Winterhalbjahr», schreibt die Vogelwarte Sempach (siehe Kasten).