Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

FÜRSTENTUM: Wasser bringt Volksseele in Wallung

Alle Liechtensteiner Haushalte wurden aufgefordert, die Installationen für die Wasserversorgung überprüfen zu lassen. Weil dies zu Kosten führt, erhob sich ein Sturm der Entrüstung.
Günther Meier
Die Liechtensteiner entrüsteten sich über die Überprüfungsregelung. (Bild: Roland Weihrauch/KEY)

Die Liechtensteiner entrüsteten sich über die Überprüfungsregelung. (Bild: Roland Weihrauch/KEY)

Günther Meier

redaktion@wundo.ch

Wasser lässt sich leicht erhitzen. Aber das Wasser bringt in Liechtenstein zuweilen auch die Gemüter in Richtung Siedepunkt. War es vor zwei Jahren die Einführung einer Abwassergebühr für Regenwasser in der Gemeinde Triesen, die für Aufregung sorgte, so sind es derzeit die Trinkwasser-Kontrollen, die für viele Haushalte neue Installationen zur Rückflussverhinderung nach sich ziehen. «Nur eine einwandfreie öffentliche Wasserversorgung sowie fachgerechte Sanitärinstallationen in allen Gebäuden können die hohe Qualität unseres Trinkwassers auch in Zukunft sichern», schreiben die Wasserversorgungen Liechtensteins in einem Brief an alle Haushalte. Damit sind wohl die meisten Wasserverbraucher einverstanden, nicht aber mit dem Zusatz, alle Hauseigentümer seien aufgefordert, die Hausinstallationen «auf eigene Kosten» überprüfen zu lassen.

Erboste Hausbesitzer lassen ihrem Ärger freien Lauf

«Wozu zahlen wir denn Anschlussgebühren?», fragten Abgeordnete der Partei «Die Unabhängigen» und vertreten die Ansicht, die Wasserversorgung hätte eigentlich für eine sichere Rückflusssicherung ins Netz zu sorgen und periodisch zu kontrollieren. Da hätten die Behörden wieder etwas aufgegleist, um dem Bürger das Geld aus der Tasche zu ziehen, ohne ihn vorgängig ausreichend informiert zu haben, kritisieren sie weiter. Inzwischen fehlt es nicht mehr an Informationen, denn in einer kleinen Broschüre an alle Haushalte sind die Risiken der Hausinstallationen für das Wasser und die technischen Möglichkeiten gegen Verschmutzung aufgezeichnet. Ausserdem können sich die Hausbesitzer über die Website «sauberes-trinkwasser.li» weiter über Gefahren der Trinkwasserverschmutzung und über die Vorsorge gegen einen Wasserunfall informieren. Mehr Verständnis für die behördliche Aktion ist deswegen aber nicht zu verspüren, insbesondere nicht, was die Kosten betrifft.

Auf den sozialen Medien und in Leserbriefen lassen erboste Hausbesitzer ihrem Ärger über die neue Vorschrift freien Lauf. Die Wasserversorgung würde mögliche Probleme herbeireden, die es so noch nie gab, heisst es etwa. Andere vermuten Auftragsbeschaffung oder Arbeitsbeschaffung auf Kosten der Steuerzahler. Die Kosten für die Überprüfung durch Fachleute werden auf 100 bis 300 Franken geschätzt, doch damit habe es für viele Hausbesitzer noch kein Ende. Wird bei der Kontrolle ein Mangel entdeckt, so ist ein Fachbetrieb für Sanitärinstallationen mit der Behebung zu beauftragen – wiederum auf Kosten des Hausbesitzers. Die Verantwortung für die fachgerechten und fehlerfreien Hausinstallationen, so belehren die Wasserversorger, liegt bei den Eigentümern. Die Überprüfungen betreffen nicht nur ältere Wohnbauten, sondern auch neue Häuser. «Der Installateur aus Polen kann den hiesigen Standard oft nicht erbringen», erklärte Norman Wohlwend, Präsident der Wasserversorgung Liechtensteiner Unterland, gegenüber dem Liechtensteiner Volksblatt den Einbezug der Neubauten. Dabei sind dem Vernehmen nach nicht nur Privathäuser betroffen, sondern in den meisten öffentlichen Gebäuden fanden die Kontrolleure ebenfalls Mängel beim Trinkwasserschutz.

Emotionen versandeten rasch wieder

Trotz Protesten aus der Bevölkerung wird die Überprüfungsaktion weitergeführt. Die Wasserversorger rechnen wohl damit, dass sich der Sturm der Entrüstung bald legen wird. Das Szenario bei der umstrittenen «Regenwassergebühr» könnte sich bei der Aktion «Sauberes Trinkwasser» wiederholen. Als vor zwei Jahren die Gemeinde Triesen erstmals eine «Regenwassergebühr» von den Hausbesitzern verlangte, die pro Quadratmeter von befestigten oder überbauten Grundstücksflächen errechnet wurde, gingen ebenfalls die Emotionen hoch.

Die Emotionen gingen damals hoch, versandeten aber rasch wieder. Der Begriff «Regenwassergebühr» schaffte es zwar Ende 2016 noch zum Wort des Jahres in Liechtenstein, aber danach verzog sich diese Gebühr aus dem Radar der Empörung. Auch die Seite der Befürworter blieb stumm: Nicht einmal für ihre Vorreiterrolle wurde die Gemeinde Triesen gelobt, denn laut Gewässerschutzgesetz wären eigentlich alle Gemeinden verpflichtet, Abwassergebühren kostendeckend zu erheben und auf den Verursacher umzulegen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.