Für die Würde des Tieres

Der Film «Das liebe Rindvieh», der im Kino Kiwi Werdenberg gezeigt wurde, zeigt emotionale Szenen von Kühen mit Hörnern. Eine Initiative soll den Verzicht auf Enthornung fördern.

Heidy Beyeler
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Vor der Filmvorführung im Kino Kiwi Werdenberg war Armin Capaul bereit, Interessierte über das Thema «Rindviecher mit oder ohne Hörner» zu informieren. (Bild: Heidy Beyeler)

Vor der Filmvorführung im Kino Kiwi Werdenberg war Armin Capaul bereit, Interessierte über das Thema «Rindviecher mit oder ohne Hörner» zu informieren. (Bild: Heidy Beyeler)

WERDENBERG. Mit der vor einem Jahr gestarteten Initiative «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere» macht Armin Capaul aus dem Berner Jura die Bevölkerung darauf aufmerksam, welche Nachteile – aus Sicht der Initianten – die Enthornung von Wiederkäuern nach sich zieht.

Mit der Präsentation des Films «Das liebe Rindvieh» will er dazu animieren, dass möglichst viele Stimmbürger die Initiative unterstützen. Bis Weihnachten möchte er weit über 60 000 Unterschriften beieinander haben, betonte er nach der Filmvorführung.

Im Anschluss an den Film diskutierten die Anwesenden rege mit Armin Capaul. Das Publikum zeigte sich mehrheitlich kritisch gegenüber der Enthornung. Risch Cantieni, frisch pensionierter Tierarzt aus Gams, der sich aus den Publikumsreihen meldete, ist der Meinung, dass es eigentlich jedem Tierhalter überlassen sei, seine Kühe beziehungsweise Kälber zu enthornen. Er betonte aber, nicht zu vergessen, die Würde des Tieres zu wahren.

Bauer darf selber enthornen

Neun von zehn Kühen tragen keine Hörner. In der Schweiz dürfen Tierhalter ihre Kälber bis zu einem Alter von drei Wochen selber enthornen – sofern sie einen Kurs mit Sachkundenachweis absolviert haben. Als Grund für die Enthornung der Kuhkälber wird genannt: Kühe mit Hörnern brauchen in «tierfreundlichen» Laufställen mehr Platz als ihre gehörnten Artgenossen, was kostenseitig nicht tragbar sei. Nur – auch in Anbindeställen trifft man zusehends hornlose Rindviecher an. Betroffen sind vornehmlich Milchkühe; Mutterkühen werden die Hörner belassen, obwohl auch sie auf der Weide und in Freilaufställen gehalten werden.

Die Befürworter der Initiative «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere» wollen die Enthornung nicht a priori verbieten, sie möchten aber, dass die Bauern für die artgerechte Haltung der Rindviecher eine entsprechende Entschädigung erhalten, weil sie damit auch einen besonderen Beitrag an das Tierwohl leisten, zum Beispiel mit grösseren Freilaufställen.

Zum Organ Horn

Was haben Hörner mit der Verdauung zu tun? Offensichtlich sehr viel, wie der Film «Das liebe Rindvieh» zeigt, und auch in verschiedenen Aufsätzen und in der Literatur nachzulesen ist. Die Hörner, so wird erklärt, haben als lebendes Organ sowohl mit der Verdauung wie auch mit der Milchproduktion zu tun. Das scheinbar tote Organ ist extrem stark durchblutet, das Blut zirkuliert zwischen der Hornscheide und dem Hornzapfen.

Dieser ist verbunden mit Stirn- und Nasenhöhle und somit an die Zirkulation der Verdauungsgase angeschlossen. Diese Gase und Verdauungskräfte werden aus dem Horn wieder in den Organismus der Kuh zurückgeschickt. Sie beleben die Verdauungsmasse im Magen-Darm-Trakt.

Im vorgeführten Film wurde anhand von Kuhschädeln verständlich gemacht, dass Hornorgane direkt mit der Stirnhöhle und den Atemorganen verbunden sind.

Ob deshalb die Milch hornloser Kühe das vermehrte Auftreten von Kuhmilchallergien insbesondere bei Kindern verursacht, verbunden mit Asthma, Atemwegsinfekten und Mittelohrentzündungen, ist allerdings nicht bekannt. Konkrete Hinweise und Forschungsergebnisse in Bezug auf Schädigungen durch die Milch hornloser Kühe liegen bis heute nicht vor – oder sie wurden nicht publiziert. Die Nachteile der Enthornung wurden augenscheinlich auch nicht abgeklärt, bevor sie amtlich bewilligt wurde.

Weitere Informationen zur Initiative und Unterschriftsbögen «Für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere»: www.hornkuh.ch biorebell@gmail.com Telefon 032 493 30 25