«Für die Östliche Honigbiene nur ein harmloser Parasit»

REGION. Hierzulande werden seit vielen Jahren die einheimischen Bienenvölker von einem gefährlichen Parasiten bedroht: der Varroamilbe.

Saskia Bühler
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Eine Honigbiene bei ihrer Arbeit: Fleissig sammelt die Biene den süssen Nektar von heimischen Pflanzen. (Bild: Hanspeter Hagmann)

Eine Honigbiene bei ihrer Arbeit: Fleissig sammelt die Biene den süssen Nektar von heimischen Pflanzen. (Bild: Hanspeter Hagmann)

REGION. Hierzulande werden seit vielen Jahren die einheimischen Bienenvölker von einem gefährlichen Parasiten bedroht: der Varroamilbe. Ursprünglich aus Asien stammend ist die Milbe mit importierten Bienenvölkern nach Europa eingeführt und so bald von der Östlichen auf unsere Westliche Honigbiene übertragen worden. Inzwischen ist die Milbe fast auf der ganzen Welt verbreitet.

Östliche Honigbiene resistenter

Der Befall von Westlichen Honigbienen mit der Varroamilbe führt zu einer erhöhten Bienensterblichkeit. Die Völker der Östlichen Honigbiene hingegen scheinen resistenter gegen die kleinen Spinnentiere zu sein. Woran das liegen könnte, haben Forscher von Agroscope und dem Institut für Bienengesundheit der Universität Bern zusammen mit Partnern der Universität Chiang Mai (Thailand) und der Universität Zhejiang (Hangzhou, China) herausgefunden.

Unterschiede in Entwicklung

In einem Experiment wurden Larven beider Bienenarten mit Varroamilben infiziert, um herauszufinden, welche Art sensibler reagiert. Das Ergebnis dürfte so manchen verwundern.

Die infizierten Bienenlarven der beiden Arten wiesen einen erheblichen Unterschied in ihrer Entwicklung auf. Die Larven der Westlichen Honigbiene waren trotz Infizierung sehr weit entwickelt, während die infizierten Larven der Östlichen Honigbiene in frühen Entwicklungsstadien abstarben. Die Östliche Honigbiene ist also viel empfindlicher auf einen Varroabefall als die Westliche Honigbiene. In der Natur verkraftet die Östliche Honigbiene einen Befall mit Varroamilben aber sehr viel besser. In einem zweiten Experiment fanden die Forscher heraus, dass die Östliche Honigbiene früher Anzeichen einer Erkrankung zeigt und ihre gesunden Artgenossinnen dadurch ein effizienteres Hygieneverhalten aufweisen. So sichert die Östliche Honigbiene das Überleben ihres Volkes. Denn wenn die Larven schon früh entfernt werden, werden auch die darauf sitzenden Varroamilben aus dem Bienenstock beseitigt. So wird ihnen die Möglichkeit genommen, sich weiter zu verbreiten.

Ständige Kontrolle erforderlich

Auch in den Bienenstöcken der Region hat die Varroamilbe vor bald 30 Jahren Einzug gehalten. Lorenz Huber, Bieneninspektor und Vizepräsident des Bienenzüchtervereins Werdenberg, erklärt, dass die Bienenstöcke ständig auf Varroamilben kontrolliert und diese bei Bedarf bekämpft würden. Ohne die Überwachung wäre sogar ein grosses Volk nach zwei Jahren ausgelöscht. Doch das sei nur bei der Westlichen Honigbiene so. Für die Östliche Honigbiene sei die Varroamilbe «nur ein harmloser Mitbewohner», mit dem sie klarkomme, so Huber. ? DIE DRITTE