FRÜMSEN/WERDENBERG: Essen geht auch ohne Besteck

Die Arbeitskollegen Severin Jörg und Haaris Bobat bereisten als Backpacker Sri Lanka. Sie mussten oft improvisieren und waren in einen Verkehrsunfall verwickelt. Ihre Reise haben sie trotzdem genossen.

Heini Schwendener
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Auch auf dem Trittbrett, wie Severin Jörg aus Frümsen, kann man bei den Zügen in Sri Lanka mitfahren. (Bilder: Severin Jörg/Haaris Bobat)

Auch auf dem Trittbrett, wie Severin Jörg aus Frümsen, kann man bei den Zügen in Sri Lanka mitfahren. (Bilder: Severin Jörg/Haaris Bobat)

Heini Schwendener

heini.schwendener

@wundo.ch

Zwei Wochen vor dem Abflug sagte Haaris Bobat zu Severin Jörg: «Hast du Lust, nach Sri Lanka mitzukommen?» Die beiden Ingenieure, die wegen ihrer Jobs in Werdenberg bzw. Frümsen Wohnsitz genommen haben, sind erst seit November 2016 Arbeitskollegen.

Jörg plant gerne im Voraus, «darum war ich anfänglich fast etwas überfordert», gesteht er. Aber mit Bobat, der indische Wurzeln hat, Sri Lanka zu bereisen, schien ihm zu verlockend. Er sagte zu. Da Bobat seine Flüge schon gebucht hatte, trafen sie sich erst in Colombo für ihr zweiwöchiges Backpacker-Abenteuer. Vieles kam dabei anders, als sie es – wenn auch sehr vage – geplant hatten. Überschwemmungen mit Toten im Süden Sri Lankas führten zur Abänderung der Route. Statt in den touristisch gut erschlossenen Süden gings ab in den eher unbekannten Norden, was Severin Jörg und Haaris Bobat im Nachhinein gar nicht bereuen. Land und Leute hätten sie so authentischer erlebt. Und Improvisieren, das gehört ja ohnehin zum Backpacker-Alltag.

Nach dem Unfall richtige Backpacker

So auch bei der Wahl des Verkehrsmittels. Eigentlich waren öffentliche Busse vorgesehen, «doch die fahren ja kriminell», erzählt Jörg mit einem Lachen. So mieteten sich die beiden einen Fahrer, der sie durch das Land chauffierte. «Er war jung, cool und spontan und ist auf unsere Wünsche eingegangen», sagt Bobat. Das ging so lange gut, bis sie in einen Unfall mit Totalschaden verwickelt wurden. Glücklicherweise verletzte sich dabei niemand. Sie erhielten einen neuen Fahrer, mit dem es schwierig wurde. Es gab Verständigungsprobleme, der Fahrer war überfordert von den Wünschen seiner Kunden, die eben nicht Ziele entlang ausgetrampelter Touristenpfade anpeilten, bei denen der Fahrer wohl auch immer schön Provisionen kassieren konnte. Zudem gab es Meinungsverschiedenheiten über die Bezahlung.

Es kam zum Bruch. «In der Folge waren wir endlich als richtige Backpacker unterwegs», erzählt Haaris Bobat sichtlich erfreut. Die beiden Werdenberger machten nun Bekanntschaft mit Zügen und Bussen. Severin Jörg dazu: «Nun hatten wir das Gepäck immer dabei, mit dem Fahrer war das schon etwas einfacher.» Der guten Stimmung tat diese neue Entwicklung aber keinen Abbruch. «Wir haben eigentlich gut harmoniert», meint Jörg. Obwohl sie beide doch etwas anders ticken, haben sie auf ihrer Backpackertour voneinander lernen und profitieren können. Denn einmal war durchaus etwas Planung gefragt, ein anderes Mal wieder eher Flexibilität und Spontaneität.

Viele unvergessliche Erlebnisse brachten die beiden zurück. Spontan waren sie tauchen. Sie sahen heisse Quellen und Wasserfälle mit traumhaft schönen natürlichen Pools. Auf zwei Safaris – einer touristischen und einer improvisierten auf einem Katamaran durch Lagunen – bekamen sie Elefanten, Schlangen, Flamingos, Affen, Adler und allerlei andere, exotische Tiere und Pflanzen zu sehen. An einem bekannten Surferspot am Meer freuten sie sich auf die Vollmondparty, die dann, weil in muslimischem Gebiet, ohne Alkohol abging.

Aus dem subtropischen Klima ging die Reise von Jörg und Bobat auch in höher gelegene Gegenden, in Tempelanlagen in einem Berg und auf eine Teeplantage, mit Häusern, die Bobat an Yorkshire in Grossbritannien erinnerten. Erstmals war dabei auch der Pullover notwendig. Bobat und Jörg haben versucht, möglichst viel vom Leben und der Kultur auf Sri Lanka zu erfahren und zu spüren. Dazu gehörte natürlich auch das einheimische Essen – mit den Fingern, ohne Besteck. Bobat kannte das schon. Jörg als einziger Weisser im Restaurant wurde hingegen von mehreren Gästen aufmerksam und erwartungsvoll beäugt. «Ich habe das durchgezogen. Unterdessen weiss ich auch, wie man es richtig macht», erzählt er stolz.

Einmal tappte Severin Jörg in eine Touristenfalle. In einem Spice Garden liess er sich Kräuter, Gewürze, Salben und Tinkturen zeigen und aufschwatzen. «Im Busch kostet das sicher nicht viel, habe ich mir gedacht.» 300 Franken waren es, was ihn fast umgehauen habe. Jörgs Mutter hat sich aber über all die Salben gefreut. Bobat hingegen hatte den Preis für Kurkuma erfragt und sofort gewusst: Finger weg. Warum hat er seinen Arbeitskollegen nicht gewarnt? «Der war einfach nicht mehr zu bremsen», erzählt Bobat und lacht noch heute darüber.