FRÜMSEN: Zu Besuch bei den «Patenkindern»

Einmal pro Jahr erhalten Paten der alten Rebsorten offiziell Gelegenheit, ihre Reben zu besuchen. Parallel dazu werden verschiedene Informationen und Rundgänge im Staatswingert geboten.

Adi Lippuner
Drucken
Teilen
Biowinzer Edy Geiger, Arca-Vitis-Präsident Markus Hardegger, Pavel Beco und Ursula Toggenburger, Baumschule, Agronomin Ulrike Zdralek, Rebmeister Mario Eggenberger und Barbara Oppliger, Fachstelle Umwelt und Pflanzenbau Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen (von links), führen die Gruppen durch den Rebberg. (Bilder: Adi Lippuner)

Biowinzer Edy Geiger, Arca-Vitis-Präsident Markus Hardegger, Pavel Beco und Ursula Toggenburger, Baumschule, Agronomin Ulrike Zdralek, Rebmeister Mario Eggenberger und Barbara Oppliger, Fachstelle Umwelt und Pflanzenbau Landwirtschaftliches Zentrum St. Gallen (von links), führen die Gruppen durch den Rebberg. (Bilder: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

redaktion@wundo.ch

Wie es sich für eine grosse Familie gehört, erfolgt wenigstens einmal im Jahr eine Zusammenkunft. Der Trägerverein für die alten Rebsorten organisiert jeweils am Vortag des Trüblifestes, bei dem alle Winzer in den Dörfern Sax und Frümsen ihre Tore öffnen, das Rebpatenfest. Der Verein Arca Vitis (Schatztruhe der Reben) lädt alle 150 Patinnen und Paten zur Zusammenkunft ein, letzten Samstag folgten 80 der Einladung.

Auf dem Programm stehen nicht nur der Besuch der Patenreben und gemütliches Beisammensein, die Paten können aus verschiedenen Aktivitäten im Wingert ihren Favoriten aus­wählen.

Besonderes Interesse galt diesmal dem laufenden Rebjahr. Die Frostnacht vom 20. auf den 21. April mit Temperaturen bis minus 3,5 Grad sei eine grosse Herausforderung gewesen, so ­Arca-Vitis-Präsident Markus Hardegger bei der Begrüssung. «Damit hatten wir den stärksten Frost der letzten knapp vier Jahrzehnte.» Ebenfalls Frühjahrsfrost habe es 1981 gegeben und be­sonders extrem seien die Frostnächte 1957 gewesen. «Damals gab es im Unterschied zu heute kaum Ertrag.»

Ertragseinbussen vorhanden

Bei den weissen Trauben konnte im Staatswingert rund die Hälfte eines sonst üblichen Jahres geerntet werden. «Bei den blauen Sorten wissen wir es noch nicht ganz genau, aber auch dort rechnen wir mit Einbussen», so Markus Hardegger. Und trotzdem sei Jammern nicht angesagt. «Für mich stehen Hoffnung, Bescheidenheit und Dankbarkeit im Mittelpunkt. Wenn wir auf das Weltgeschehen blicken, dürfen wir dankbar feststellen, dass wir ein Dach über dem Kopf haben und auch unsere Rebstöcke noch da sind. Zudem war es schon immer so: Wer mit der Natur arbeitet, weiss bis zum Schluss nicht, ­welchen Ertrag es gibt.»

Von Rebmeister Mario Eggen­berger erfuhren die Paten auf dem Rundgang, wie mit Feuer und Rauch gegen den Frost angekämpft wurde. «Wir haben die Kerzen bereits im Frühling 2016 bestellt, die Lieferung erfolgte ­allerdings erst im Februar diesen Jahres.» Die Brenndauer sei wegen der fehlenden Lagerzeit dann wesentlich kürzer gewesen als vom Hersteller versprochen. Weitere Stationen waren die Bestimmung unbekannter Rebsorten mit Barbara Oppliger, das Er­ziehen einer jungen Rebe mit Markus Hardegger, ökologische Aufwertung mit Wildobstarten, Ursula Toggenburger und Pavel Beco und Erfahrungen eines Bio-Winzers mit Edy Geiger.

Von Bondoletta bis Valais noir

Ulrike Zdralek begleitete ihre Gruppe zu den Patenreben und lieferte Erklärungen zu den einzelnen Sorten. Stellvertretend dazu die Erläuterungen zur ­Bondoletta und Valais noir: «Die Bondoletta ist eine alte Tessiner Sorte und wurde ganz allgemein als Spielart der Bondola angesehen. Eine Genanalyse brachte an den Tag, dass es eine eigenständige Sorte ist. Genetisch ist sie mit dem Completer, einer alten Sorte, die heute noch in der ­Bündner Herrschaft angebaut wird, verwandt.»

Die Valais noir ist, wie der Name sagt, eine alte Walliser Rebsorte. «Ampelograph Hermann Goethe beschreibt sie als starkwüchsig und ertragreich», lies Ulrike Zdralek die Rebpaten wissen. Und weiter: «Laut der Forschungsanstalt Agroscope, Station Pully, ist diese uralte Sorte frostresistent und ertragreich. Heute gibt es nur noch wenige Rebstöcke. Aus den kleinen ­blauen Beeren kann ein tiefroter Wein gekeltert werden.»