FRÜMSEN: «Sägess und Tängele»

In seiner Zeit als Alphirt erlernte Fredi Hanselmann das Mähen mit der Sense von Grund auf. Kein Hang war ihm zu steil und keine Weide zu gross. Heute mäht er vor allem noch für Nachbarn und Freunde von Hand.

Andrea Müntener
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Das Von-Hand-Mähen würde ihm fehlen, wenn er es nicht mehr könnte, sagt Fredi Hanselmann. (Bild: Andrea Müntener)

Das Von-Hand-Mähen würde ihm fehlen, wenn er es nicht mehr könnte, sagt Fredi Hanselmann. (Bild: Andrea Müntener)

Andrea Müntener

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Durch und durch ein Frümsner sei er, der «Brunne-Fredi», wie Fredi Hanselmann unter Einheimischen genannt wird. Viel redet er nicht, er hört lieber zu, wenn andere berichten. Der 64-Jährige wuchs im Brunne, einem kleinen Dorfteil mitten in Frümsen auf und wohnt noch heute dort.

Nach der obligaten Schulzeit absolvierte Fredi Hanselmann eine kaufmännische Lehre in Sennwald. Noch keine 20 Jahre alt, verunfallte der damals draufgängerische Fredi Hanselmann schwer mit seinem Auto. Bei diesem Horrorunfall trug er unter anderem einen schweren Schädelbasisbruch davon, welcher seine ganze Lebensplanung durcheinander brachte. Auch seinen Traum, Berufssoldat zu werden, musste er begraben. Da er durch den Sport, Turnen und Fussball, in einer sehr guten körperlichen Verfassung war, konnte der junge Mann das Krankenhaus bereits nach sechs Wochen wieder verlassen.

Fredi Hanselmann musste anschliessend lernen, alles seinem neuen, verlangsamten Tempo anzupassen. Nichts war mehr so wie vorher. Sein Leben teilte sich auf in vor dem Unfall und nach dem Unfall. «Es war ein dummer Seich, ich habe die Folgen davon ein Leben lang zu tragen», erläutert er nachdenklich.

Mähen auf der Alp will gelernt sein

1980 verbrachte er erstmals den Sommer als Hirt auf einer Alp in Vättis. Dort galt es, dem Unkraut mit der Sense oder eben der «Sägess» Herr zu werden. So mähte er viele Stunden von Hand das Unkraut ab. Wie gut, dass sein Vater ein wahrer Künstler im Dangeln war. «So lange er lebte, hat immer mein Vater meine Sägess tängelet. Eine gut getängelte Sägess hält den ganzen Sommer», erzählt Fredi Hanselmann ruhig, jedoch nicht ohne Stolz.

Obwohl, beim Unkrautmähen komme es nicht so arg auf eine gut tängelete Sägess an. Ganz anders sei das beim Bergheuet. Beim Bergheuet, ja, da kennt sich der bescheidene Mann aus. Viele Sommer hat er auf der Frümsner Alp, teilweise zusammen mit seiner Frau und den zwei mittlerweile erwachsenen Söhnen, verbracht. Sommer für Sommer hat er 16 Burden Heu zusammengebracht, alles von Hand gemäht, versteht sich. «Natürlich hatte ich bei 16 Burden Heu Hilfe beim Mähen. Aber wehe, jemand liebäugelte mit meiner Sägess, das mochte ich überhaupt nicht. Ich war der einzige, der sie benutzen durfte», erklärt Fredi Hanselmann mit einem breiten Grinsen über sein bereits sonnengebräuntes Gesicht. Heute sei er nicht mehr so streng.

Aber damals, mit hoch geschnürten Nagelschuhen an den Füssen, stand er fest wie eine alte, tief verwurzelte Wettertanne im Steilhang. Normalerweise befand er seitlich im Hang und habe auch seitlich gemäht. Wenn das Gras aber bereits flach, talwärts lag, wurde nicht mehr quer, sondern von oben nach unten gemäht. Fredi Hanselmann ist kein Mann von grossen Worten, doch wenn er erzählt, ist es bedächtig und präzise.

Heute mäht er keine Steilhänge mehr für den Bergheuet in der Frümser Alp. Meist mäht er für Nachbarn oder Freunde. Aber vor allem für die Ziegen der Schwägerin in der Nähe seines Daheims. Nichtsdestotrotz muss seine Sägess tiptop gewartet sein. Unheimlich gerne würde er selber tängelen. Leider konnte er es durch die Beeinträchtigung am rechten Arm, welche er durch den Unfall davontrug, nicht erlernen.

«Der Tängeler und Mäher müssen eine Einheit bilden. Jeder gute Tängeler ist für den Handmäher Gold wert!» weiss der sympathische Fastrentner zu berichten. Er ist in der glücklichen Lage, in Hans Tinner aus Frümsen, auch «Chlina Moatli» genannt, einen Tängeli-Nachfolger für seinen verstorbenen Vater gefunden zu haben. Dieser entstamme auch einer Bergheuer-Familie und wisse genau, worauf es beim Tängelen ankomme.

«Ja, es würde mir definitiv etwas fehlen, könnte ich nicht mehr von Hand mähen», sinniert Fredi Hanselmann besonnen und macht sich eifrig daran, bei den Ziegen den Zaun auszumähen.