FRÜMSEN: Dorfbezeichnung mit Inhalt füllen

Für die Wirtsleute auf der Staubern ist der Zusatz «Nussdorf» für ihr Dorf Frümsen Ansporn, den Gästen Köstlichkeiten mit Baumnüssen zu servieren. Daniel Lüchinger sucht sich jeweils Partner, um Ideen umzusetzen.

Adi Lippuner
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Markus Hardegger, Leiter Fachstelle Weinbau, präsentiert in der Küferei Thurnheer in Berneck eine Flasche Frümsner Gama d’Or Nussbaum-Barrique. (Bild: Adi Lippuner)

Markus Hardegger, Leiter Fachstelle Weinbau, präsentiert in der Küferei Thurnheer in Berneck eine Flasche Frümsner Gama d’Or Nussbaum-Barrique. (Bild: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

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Ein Wein aus dem Barrique-Eichenfass verlangt bis zur Trinkreife einiges an Pflege und Fachwissen. Doch was, wenn der ­gleiche Wein in einem Nussbaumholz-Fass ausgebaut werden soll? Mit dieser Idee kam Daniel ­Lüchinger vor drei Jahren zu ­Markus Hardegger, Leiter Fachstelle Weinbau am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG). Erklärtes Ziel des initiativen Wirtes auf der Staubern ist es, die Bezeichnung Nussdorf mit Inhalt zu füllen. Doch Fakt ist: Bisher wurde noch nie Wein in Nussbaumholz ausgebaut, also gab es keine Erfahrungen, was für ein Resultat zu erwarten ist. Zudem gab es keine ­Nuss­baum­fässer und schon die erste Hürde, gelagertes Holz für die Fass­herstellung zu finden, war nicht ganz einfach zu überwinden.

Hans Oppliger opferte sein gelagertes Nussbaumholz

Als Erstes wurde Hans Oppliger, Präsident des Vereins Nussdorf Frümsen, mit der Frage nach ­gelagertem Holz konfrontiert. Dieses war vorhanden, aber eigentlich für ein Möbelstück in seinem Haus reserviert. Ohne zu zögern stimmte dieser dem Anliegen zu, das Nussbaumholz für die Herstellung von Fässern zu verkaufen.

Der nächste Schritt war die Suche nach einem Küfer, der bereit war, sich mit der Herstellung von zwei kleinen Barrique-­Fässern aus Nussbaumholz mit einem Fassungsvermögen von 110 Litern zu befassen. Martin Thurnheer von der gleichnamigen Küferei in Berneck wagte das Experiment. «Kein einfaches Unterfangen, denn ich wusste nicht, wie das Holz reagiert und ob ich ein dichtes Fass herstellen kann.»

Auch der Kellermeister Kaspar Wetli junior von der Schmid Wetli AG in Berneck betrat mit dem Weinausbau im Nussbaum-Barrique Neuland. Doch das Resultat – die ersten 300 Flaschen konnten inzwischen abgefüllt werden – überzeugt.

Das Resultat in der Flasche ist ein Cuvée Selection, analog des Gama d’Or, wie er sich bereits beim Ausbau im Eichenfass bewährt hat. Die Mischung aus ­Gamaret-, Dornfelder und Cabernet Jura-Trauben wurde allerdings im Nussbaum-Barriquefass ausgebaut. «Meines Wissens eine Neuheit und damit Exklusivität in der Schweiz,» so Markus Hardegger.

Die Exklusivabfüllung wurde nummeriert, es gibt genau 300 Flaschen des Jahrgangs 2015. Inzwischen reift bereits der 2016er im Nussbaum-Barrique, denn Daniel Lüchinger will alljährlich in zwei 110-Liter-Barrique-Fässern den besonderen Wein ausbauen lassen. Bis jeweils die ersten Flaschen ­genossen werden können, sind einige Hürden zu nehmen.

Wie Kaspar Wetli und Markus Hardegger erklären, reift der Wein während acht Monaten im Nussbaum-Barrique. Anschliessend darf er sein Aroma noch einige Monate in gebrauchten Eichenholz-Barrique festigen und anschliessend folgt die Flaschen­abfüllung. Nach diesem Arbeitsschritt ist eine weitere Ruhephase nötig und erst dann kommen Liebhaber eines besonderen Tropfens in den Genuss des ersten Glases Wein, ausgebaut im Nussbaum-Barrique.

Ein kräftiger Wein mit würzigen Nuancen

Erhältlich ist der Gama d’Or Frümsen, Nussbaum-Barrique, ausschliesslich im Bergrestaurant Staubern. Es ist ein kräftiger, schwarzbeeriger Wein mit würzigen Nuancen. Die Exklusivität passt hervorragend zu kräftigen Fleischspeisen wie Rind-, Lamm oder Wildgerichten.

Und was sagt Daniel Lüchinger zum Resultat: «Ich bin von der regionalen Zusammenarbeit überzeugt und die ersten Reaktionen der Gäste waren, auch wenn der Wein seinen Preis hat, durchwegs positiv.» Begeistert ist auch Hans Oppliger: «Es ist erfreulich, wenn auf Initiative eines Dorfbewohners ein Produkt entwickelt werden kann, welches Wertschöpfung in der Region generiert und dazu noch traditionelles Küferhandwerk unterstützt.»

Nebst dem «jüngsten Kind», dem Gama d’Or aus dem Nussbaum-Barrique, gibt es auf der Staubern auch einen Nusslikör, ebenfalls eine Kreation, welche auf Anregung von Daniel Lüchinger entstand. Zudem haben die Wirtsleute mit ihrem Team grüne Nüsse süss und sauer eingelegt, es gibt ein Nuss-Salamettli aus der regionalen Metzgerei und ein Käser tüftelt aktuell an einem Ziegenkäse mit schwarzer Rinde. Für Freunde süsser Überraschungen gibt es Nusspralinen, gefüllt mit Nusslikör. Deren Verpackung ziert ein Bild, geschaffen von einer einheimischen Künstlerin.

«Wir sind bestrebt, die bestehende Palette an Produkten aus Baumnüssen laufend zu erweitern», so Daniel Lüchinger. «Doch es braucht einiges, um aus Nüssen Produkte zu machen, welche bei den Gästen einen Aha-Effekt auslösen und gerne genossen werden», bringt er seine Erfahrungen auf den Punkt.