Föhn-Mekka Balzers und Trübbach

Bruno Dürr aus Gams ist in der Föhnforschung tätig. In einem Vortrag der Arbeitsgemeinschaft Föhnforschung Rheintal-Bodensee erklärte er, warum Balzers und auch Trübbach besonders stark vom Wetterphänomen betroffen sind.

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Bruno Dürr zeigte, warum in Balzers und Trübbach häufig der Föhn wirkt, und dass dessen Stärke gut für Windkraftanlagen genutzt werden könnte. (Bild: pd)

Bruno Dürr zeigte, warum in Balzers und Trübbach häufig der Föhn wirkt, und dass dessen Stärke gut für Windkraftanlagen genutzt werden könnte. (Bild: pd)

BALZERS/BUCHS. Der Föhn bläst in Balzers während durchschnittlich 762 Stunden oder umgerechnet einem Monat pro Jahr. Und auch am benachbarten Schollberg in Trübbach mit 647 Stunden bläst er deutlich mehr als beispielsweise in Vaduz (417).

Der Föhn ist in unserer Gegend als «Traubenkocher» und «Schneefresser» bekannt. Die Föhnforschung will die Sturmwarnung im Rheintal und im östlichen Bodenseegebiet verbessern. Föhn kann sehr plötzlich auftreten und ist meteorologisch sehr schwer vorherzusagen. Um möglichst genaue Aussagen treffen zu können, muss man wissen, bei welchen Bedingungen Föhn entstehen kann.

«Föhn-Fan» und Föhn-Forscher Bruno Dürr ist Inhaber der Sunergy GmbH, Planung und Beratung für Erneuerbare Energien, in Buchs. Er führte in Balzers aus, dass der Alpenbogen den Luftfluss Richtung Norden behindert. Auf der Alpensüdseite gibt es bei Föhnlagen meist starken Regen oder Schneefälle. Beim Abstieg auf der Nordseite nehmen die Fallwinde dann pro 100 Meter Gefälle um ein Grad an Wärme zu. Beim sogenannten Jahrhundertföhn im November 1982 schneite es in Lugano, während beim Flughafen Zürich 20 Grad Celsius gemessen wurden.

Balzers ist das Föhn-Dorf

Das Rheintal bildet einen Engpass. Auf der einen Seite sind es Pizol und Ringelspitz, auf der anderen Rätikon und Falknis. Dazu kommt bei Balzers und Trübbach die enge Talstelle zwischen Gonzen und Falknis und zusätzlich der Fläscherberg.

Bei der Landesgrenze in Balzers kann etwas Besonderes beobachtet werden: Die Föhnluft «stürzt» direkt vom Fläscherberg auf die Wiesen herab. Der Föhn erreicht deshalb im Dorf Balzers einige Spitzenwerte. Am 25. November 2006 sah man an der Landesgrenze bei der Answiese, dass die Fahnen zur Hälfte abgerissen waren. Ebenfalls Spitzenwerte werden gemessen bei der Kuppe And und bei der Alp Lida.

Im Herbst 1985 gab es fast keine Niederschläge, wie die Messungen in Vaduz gezeigt haben. Im November war es dann lange kalt. Am 5. und 6. Dezember 1985 herrschten Föhn und für die Jahreszeit sehr warme Temperaturen. Durch all diese Faktoren hatte sich eine sehr trockene Vegetation und ein trockener Boden entwickelt. Alles zusammen bildete damals einen idealen Nährboden für den durch militärische Schiessübungen ausgelösten Waldbrand am 5. Dezember.

Höhere Temperaturen

In Vaduz können pro Jahr 32 «Föhnfälle» erwartet werden. Messungen zeigen: Im Schnitt erreichen lediglich drei davon mehr als den 50-km/h-Mittelwert. Die Station Bad Ragaz hatte durch den Föhn im Mittel über 30 Jahre (1981 bis 2010) eine um 0,5 bis 0,8 Grad höhere Temperatur. In Einzelfällen kann die Monatsmittel-Temperatur durch den Föhn auf 2,5 bis 2,8 Grad erhöht werden. So war der Februar 2014 wegen des Föhns etwa gleich warm wie üblicherweise der März. Am häufigsten tritt der Föhn in unserer Region im April auf, am seltensten im August.

Föhnkraft zur Stromproduktion

Die Windkraftanlage bei Chur liefert den Strom für die ganze Gemeinde Haldenstein. Eine weitere Windanlage in einem Föhngebiet dreht sich im Unterwallis. In Balzers steht auf Ans eine 100 Meter hohe Windmessanlage. Nach den bisherigen Erfahrungen könnten zwei Windkraftanlagen 14 Mio. kWh liefern, also das Doppelte, was alle Balzner Haushalte verbrauchen.

Föhntäler sind, wie Bruno Dürr zeigte, besonders geeignet für die Nutzung der Windkraft, weil regelmässig hohe Windgeschwindigkeiten auftreten. Er betonte, es nütze wenig, wenn der Wind regelmässig mit durchschnittlich nur 14 km/h bläst. Um Schäden an einer Windkraftanlage zu vermeiden, werden bei Grosswindanlagen zwischen 40 km/h und 90 km/h Windgeschwindigkeit die Rotorblätter aus dem Wind gedreht. So wird die Angriffsfläche verkleinert. (pomt/wo)

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