Fleischbranche will mehr Kontrolleure

Die Finanzkommission möchte keinen neuen Fleischkontrolleur im Kantonsbudget. Jetzt wehrt sich die Fleischbranche gegen diese Sparmassnahme: Ohne Kontrolle müssen die Betriebe ihre Kapazität drosseln.

Sina Bühler
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Selbst die Produzenten wollen die Fleischkontrolleure, die sie selber bezahlen. (Bild: Ralph Ribi)

Selbst die Produzenten wollen die Fleischkontrolleure, die sie selber bezahlen. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN/REGION. Die Regierung will im kommenden Jahr 16,2 Millionen Franken zusätzlich für ihr Personal ausgeben. Das passt der Finanzkommission nicht und sie hat einen Teil dieser Stellen wieder aus dem Budget gestrichen. Beispielsweise eine Aufstockung bei den Fleischkontrolleuren im Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV). Interessanterweise möchte dies nicht nur das Amt. Auch die Kontrollierten selber, die Fleischproduzenten, bestehen auf der zusätzlichen Stelle.

Hundertprozentige Kontrolle

Denn im Unterschied zur Lebensmittelkontrolle gibt es bei der Schlachtung von Tieren nicht nur Stichproben – das eidgenössische Lebensmittelgesetz verlangt nach einer hundertprozentigen Überprüfung der Produktion. «Werden dafür weniger Leute eingesetzt, als eigentlich notwendig sind, müssen wir unsere Leistung wieder senken», erklärt Roland Pfister, Leiter Kommunikation bei der Micarna. Dabei habe die Branche in den letzten Jahren viel in die St. Galler Produktionsstätten investiert. In Gossau und St. Gallen stehen zwei der modernsten und grössten Betriebe der Schweiz, geführt von der Schlachtbetrieb St. Gallen AG – einem Unternehmen der Fleischproduzenten Micarna, Ernst Sutter, Gustav Spiess, Rudolf Schär und der Genossenschaft der Metzgermeister St. Gallen und Umgebung. Jährlich werden dort 108 000 Rinder, Kühe und Kälber und 650 000 Schweine verarbeitet.

«Die Schlachtmenge und die Kontrollkapazitäten müssen aufeinander abgestimmt sein», sagt der Kantonstierarzt und Leiter des AVSV, Albert Fritsche. Er bestätigt, dass die Ostschweizer Fleischproduktion eine enorme Steigerung erlebt habe. Im Vergleich zu 2011 würden allein in Bazenheid 100 000 zusätzliche Schweine im Jahr geschlachtet. Mit dem aktuellen Stellenplan des Amtes könne das nicht aufgefangen werden: «Bisher haben wir diesen Aufwand mit Überstunden bewältigt.» Das sei für das Personal nicht mehr tragbar.

Keine Kosten für den Kanton

Die Kontrolleure, das heisst die Tierärzte und die «Amtlichen Fachassistenten Schlachttier- und Fleischuntersuchung» sind zwar beim Kanton angestellt. Sie haben ihren Arbeitsplatz jedoch ausschliesslich in den Schlachtbetrieben. «An der Rampe sind sie für die Lebendviehkontrolle und die Überprüfung der Tierschutzbestimmungen, in der Schlachtkette für die Kontrolle der Schlachtkörper und Organe und im Labor für die Trichinenuntersuchung zuständig», erklärt Albert Fritsche.

Wird der Stellenplan des AVSV aufgestockt, entstünden dem Kanton keine zusätzlichen Kosten, sagt der Kantonstierarzt. «Das Kontrollpersonal muss von den Produktionsbetrieben kostendeckend finanziert werden.»

Das ist mit ein Grund, warum auch Roland Pfister wenig Verständnis für die geplante Sparmassnahme hat: «Wir werden zur Kontrolle verpflichtet und bezahlen auch die gesamten Personalkosten. Mein Demokratieverständnis sagt mir, dass der Kanton im Ausgleich dazu verpflichtet ist, die Kontrollstelle dem erwarteten Aufwand anzupassen.» Eine Alternative zu einem zusätzlichen Fleischkontrolleur – oder eben der Drosselung der Produktion – gebe es übrigens nicht, meinen sowohl Kantonstierarzt Fritsche als auch Roland Pfister. Es sei gesetzlich vorgegeben, dass die Kontrollstelle unabhängig bleibe.

Die Sparmassnahme kommt der Micarna auch deswegen ungelegen, weil sie eigentlich plant, im Bereich der Geflügelproduktion ganz auf den Kanton St. Gallen zu setzen und damit etwa 200 neue Stellen schaffen. «Die Budgetdebatte im Kantonsrat wird bei dieser Entscheidung eine wichtige Rolle spielen» sagt Roland Pfister.