Fleischbetrug im Toggenburg

Mehrere Metzgereien im Kanton St. Gallen werden verdächtigt, Fleischwaren falsch deklariert zu haben. Fleisch vom Schaf wurde als einheimisches Wild verkauft, denn auf dem Markt ist Schaffleisch viel günstiger als Wild. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft St. Gallen laufen.

Samuel Koch
Drucken
Falsch deklariertes Fleisch soll in mehreren Metzgereien im Kanton St. Gallen verkauft worden sein. (Bild: fotolia)

Falsch deklariertes Fleisch soll in mehreren Metzgereien im Kanton St. Gallen verkauft worden sein. (Bild: fotolia)

Steht auf den Fleischverpackungen in Ostschweizer Metzgereien nicht drauf, was wirklich drin ist? «Es besteht der Verdacht, dass Schaffleisch als einheimisches Wildfleisch deklariert und vertrieben wurde», bestätigt Roman Dobler, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St. Gallen. Der Verdacht fällt auf mehrere Metzgereien im Toggenburg. Auf dem Markt ist Schaffleisch rund dreimal günstiger als Wild. In den vergangenen Jahren wurden in der Schweiz mehrfach falsch angeschriebene und abgelaufene Fleischwaren verkauft.

Inhaber weilt in den Ferien

Bekannt ist bisher eine der verdächtigten Metzgereien. Ein Konsument hatte dem kantonalen Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) einen Hinweis gegeben, wie das Onlineportal «20 Minuten» meldete. «Das ist richtig», sagt Roman Dobler von der Staatsanwaltschaft. Daraufhin habe das AVSV bei der Staatsanwaltschaft Anzeige eingereicht. Für die Konsumenten habe keine Gefahr bestanden.

Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft mit Hilfe von Spezialisten des AVSV und Beamten der Kantonspolizei in mehreren Metzgerei- und Restaurationsbetrieben im Kanton St. Gallen sowie an Marktständen im Kanton Zürich Durchsuchungen durchgeführt. Bei den Untersuchungen stellten sie an verschiedenen Standorten Fleisch als Beweismaterial sicher. «Woher das Fleisch ursprünglich stammt und von wem es falsch deklariert wurde, ist noch unklar», sagt Dobler. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen führe eine Untersuchung wegen Verdachts auf mehrfachen Betrug und Urkundenfälschung sowie Widerhandlung gegen das Lebensmittelgesetz.

Weitere Skandale

In der Vergangenheit sorgten in der Schweiz mehrere Fleischskandale für Furore. 2011 gerieten die Grossverteiler Coop und Migros in die Schlagzeilen, als ehemalige Mitarbeiter den Verkauf abgelaufener Fleischwaren aufdeckten. 2013 wurde publik, dass in die Lasagne von Findus Pferde- statt Rindfleisch verarbeitet wurde. 2014 wurde der Fall des Fleischlieferanten Carna Grischa bekannt. Dieser hatte falsch deklariertes Fleisch verkauft und Verfallsdaten manipuliert.

Aktuelle Nachrichten