FERIENGESCHICHTEN AUS DER REGION: «Die Reise ist ein riesengrosses Lehrbuch»

Eine Buchserin und ein Basler haben sich gemeinsam zu einer Reise um die Welt aufgemacht. Das nächste Ziel ist dabei vom günstigsten Flug abhängig. Ihre Erlebnisse werden auf einem Vlog dokumentiert. Ein Ende ist bis jetzt noch nicht in Sicht.

Mengia Albertin
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Das Paar reist um die Welt. (Bilder: Loredana und Kilian Bamert-Carrabs)

Das Paar reist um die Welt. (Bilder: Loredana und Kilian Bamert-Carrabs)

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

Loredana und Kilian Bamert-Carrabs reisen seit Januar rund um die Welt. Die Reise doku­mentieren sie mit einem Video-Blog, kurz Vlog, namens Saturday. and.Sunday. Sie nehmen die Zuschauer auf eine «ungeplante Entdeckungsreise mit vielen Überraschungen» mit. Auf der Reise ist nichts geplant, oft entscheidet der günstigste Flug über das nächste Ziel. «Dadurch, dass wir uns die Reiseziele offen lassen, haben wir schon viele positive und überraschende Erlebnisse gehabt. Grund genug, dass wir diese ‹Strategie› sicherlich weiterhin fahren werden.» Wie ist es denn, als Paar zusammen so lange und so weit zu reisen und regelmässig darüber zu berichten? Die Antwort ist kurz und aussage­kräftig: «Super».

Die Buchserin und der Basler haben sich im Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur kennen gelernt. «Dort haben wir bereits zahlreiche gemeinsame Projekte umgesetzt. Das hat immer super funktioniert», erzählen sie dem W&O. Beide haben nach ihrem Multimedia-Production-Studium sechs Jahre lang gearbeitet. Ihnen hätten aber die gemeinsamen Projekte gefehlt und eine gemein­same Reise war die perfekte Ausgangslage für etwas Neues.

Mit ihrem Vlog Saturday.and.Sunday wollten die beiden ursprünglich Freunde und Familie am Abenteuer Weltreise teilhaben lassen. Beide teilen eine grosse Leidenschaft fürs Filmemachen, Geschichtenerzählen und Unterhalten. «Wir lieben es, Geschichten zu erzählen, die einfach echt, ehrlich und ungeschönt sind, aber dennoch einer positiven Grundeinstellung folgen.» Schnell fand der Vlog über den Freundeskreis hinaus Anklang. Ausgestattet mit informativen Dokumenten zu ih­rem Vorhaben, fragten Loredana und Kilian dann bei PR-Abteilungen von Tourismus-Unternehmen für Kooperationen an. «Einige Träume von uns wie zum Beispiel die Südsee, liessen sich anders nicht verwirklichen und wir haben das Steuer selbst in die Hand genommen.» Dank ihres Engagements werden die zwei Schweizer Vlogger während ihrer Reise von Firmen wie Samsung oder der Hotelgruppe Sofitel unterstützt. Auch der «Blick» und «20 Mi­nuten» haben schon über die ­Reise der zwei berichtet.

Start im Land der Gegensätze

Gestartet hat das Paar die abenteuerliche Reise im Januar mit dem ersten Ziel Indien. «Der Austausch mit der uns so fernen Kultur war bereichernd, und charmant.» Jeder wollte eine Foto mit den zwei Schweizern machen. «Für manche Menschen waren wir wegen unserer weissen Haut total einzigartig», erzählen die beiden. Die kulturellen Unterschiede wurden den beiden auch mit anderen Erlebnissen klar. Zum Beispiel seien besonders die indischen Frauen begeistert gewesen, dass das Paar aus Liebe geheiratet hat. Im Land der Gegensätze erlebten die Vlogger aber auch tragische Momente, die ihnen nahegingen. Bei einem Filmwettbewerb von Samsung haben sie 10 000 Franken gewonnen und spendeten den Betrag an eine Schule in Indien, die sich für die Einschulung von Strassen­kindern einsetzt. Dabei war ihnen wichtig, zu sehen, an wen das Geld überwiesen wird und sie konnten einen Tag bei der Arbeit der Hilfsorganisation dabei sein. «Der Besuch im Slum und die Überzeugungsarbeit, die notwendig war, um die Kinder in die Schule zu bringen, war herz­zerreissend», sagen sie. «Die ­Eltern der Kinder wollten ihre Kinder lieber zum Arbeiten und Verkaufen auf der Strasse ein­setzen. Hier sahen sie kurz- und mittelfristig grösseren Nutzen.» Weiter ging es dann nach Thailand und Singapur, Australien und Neuseeland und schliesslich landeten die reiselustigen Vlogger im April in der Südsee auf Französisch-Polynesien. Die Südsee habe sie vom Hocker gehauen. «Einerseits ist da dieses türkisblaue Wasser, welches tat­sächlich existiert – wir waren überzeugt, dass dies eine Katalog-Lüge sein muss –, andererseits waren da diese beeindruckenden Vulkaninseln, die Marquesas». Der absolute Geheimtipp der beiden sind bisher diese Marquesas-­Inseln im Pazifischen Ozean. Sie seien reich an Kultur und sollen ausserdem mit Freundlichkeit und Offenheit nicht geizen. Nach einem erneuten Stopp in Australien ging die Reise weiter auf die Philippinen. Dort schwammen die zwei mit Wal­haien. Das habe ihnen gehörig Hühnerhaut beschert. «Diese riesigen Fische waren so beeindruckend und ­majestätisch. Obschon wir wussten, dass diese ungefährlich sind, war ihre Grösse erschreckend.» Das nächste Ziel war Kuba. Dort machte den beiden die Sprachbarriere zu schaffen: Beide verfügten über keine Spanischkenntnisse. «Zum Beispiel haben wir mit dem Fahrrad über zwei ­Stunden Weg zurückgelegt, weil wir dachten, es seien nur ein paar Kilometer. Es waren aber zwölf Kilometer inklusive alpiner Herausforderungen.»

«Es ist wertvoll, zusammen unterwegs zu sein»

Keinen der bisherigen bereisten Orte wollen die Buchserin und der Basler missen. Die Welt sei überall auf ihre Weise einzigartig. «In Erinnerung behalten werden wir sicher die Reisenden und die Einheimische, welche wir kennen gelernt haben.» Reisen ist für das Paar auch wertvoll, weil sie gemeinsam unterwegs sind. Durch das Kennenlernen von anderen Kulturen, Sitten und Lebens­weisen lernen sie ihre eigenen Grenzen und sich selber besser kennen. Das Reisen sei aber ­sicherlich kein Selbstfindungs-Trip.

Selbstverständlich ist das ständige Unterwegssein auch mal anstrengend. Ganz besonders schwierig werde es, wenn die Einheimischen sie nicht ­verstehen oder ein Land nicht touristenfreundlich ist. Sie würden sich aber gegenseitig an­spornen und seien ein tolles Team. Beide haben sie enge Beziehungen zu ihren Familien. «Der Gedanke an über 30 Stunden Flugzeit zwischen uns – zum Beispiel in der Südsee – ist deshalb doch irgendwie unheimlich.»

Mehr Zeit für Details

Das Reisen und gleichzeitige Vloggen sei aussergewöhnlich. Weil das Filmen zeitaufwendig ist, verzichten sie auf Zeitfresser wie zum Beispiel Fernsehen. «Wir nehmen uns mehr Zeit fürs Detail und geniessen viel bewusster. Oft sitzen wir gemütlich neben der Kamera und staunen über Naturschauspiele». Mit dem Vloggen ih­rer Reise haben Bamert-­Carrabs einen Weg gefunden, ihre Leidenschaften und Talente in einem gemeinsamen Projekt auszuleben. Dank ihrer aussergewöhn­lichen Art zu reisen, lernen die beiden viel über die Orte, an welchen sie sich gerade aufhalten. «Wir informieren uns detaillierter über Ortschaften, Destinationen und deren Geschichte.» Die ganze Reise sei wie ein riesengrosses Lehrbuch.

Das nächste Ziel des Paares ist Mexiko. «Und danach schauen wir mal, wie es weitergeht», sagen die beiden. «Solange, wir noch erlebnisfreudig, kulturinteressiert und neugierig sind oder Entdeckerlust verspüren, setzen wir uns kein Enddatum.» Allerdings können sie sich vorstellen, langfristig wieder eine «Homebase» zu haben und ihre Projekte von der Schweiz aus anzugehen.

Vlog:

www.saturdayandsunday.ch