Ferien

Und schon ist die Ferienzeit wieder vorbei. Nicht aber die Fragerei: Wo wart ihr in den Ferien? Was habt ihr in den Ferien gemacht? Ganz ehrlich, manchmal nerven mich solche Fragen ein wenig.

Pfarrer Marcel Wildi, Sennwald
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Und schon ist die Ferienzeit wieder vorbei. Nicht aber die Fragerei: Wo wart ihr in den Ferien? Was habt ihr in den Ferien gemacht? Ganz ehrlich, manchmal nerven mich solche Fragen ein wenig. Viel wichtiger als zu hören, wer wo was wie lange gemacht hat und wie das Wetter dort war, nur um es dann nach zwei Wochen wieder vergessen zu haben, wäre es doch eigentlich zu erfahren, ob die Ferien ihren eigentlichen Zweck erfüllt haben: Erholung, Entspannung, neue Energie und Motivation tanken.

In einem Artikel der Psychiatrischen Fakultät der Uni Zürich habe ich gelesen, wie man richtig Ferien macht, damit sie ihren Sinn erfüllen. Dort hat es geheissen, dass Ferien nur dann wirklich Erholung bringen, wenn sie mit «leistungsfreien, zielfreien und zweckfreien Tätigkeiten» gefüllt sind.

Wenn ich in die Bibel hineinschaue, dann stelle ich fest: Das ist genau das, was Gott, unser Schöpfer, uns auch empfiehlt. Gott verordnet uns Menschen immer wieder Ruhe, weil er weiss, wie stark wir dazu neigen und auch dazu gezwungen werden, etwas zu leisten. In den zehn Geboten steht: «Denke an den Sabbattag, um ihn heilig zu halten. Sechs Tage sollst du arbeiten. Aber der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. Da sollst du keine Arbeit verrichten.» Aber nicht genug damit. Gott hat in seiner Gesetzgebung auch Sabbatjahre verordnet. Jedes siebte Jahr sollen die Felder brachliegen, damit sie sich können erholen. Und schliesslich auch noch das sogenannte Erlassjahr alle 50 Jahre. Im alten Israel sind in diesem Jahr Schulden erlassen und Sklaven freigelassen geworden, die Felder nicht bewirtschaftet worden. Land und Leute haben sich erholen können, zur Ruhe kommen, neu anfangen können.

Der Sonntag und die Ferien sind also nicht dazu da, einfach all die Arbeiten zu erledigen, die nichts mit dem Beruf zu tun haben, oder all das anschauen zu gehen, was man auf dieser Welt gesehen haben sollte, sondern um wirklich zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. Und genau das ist es doch, was wir heute in unserer extremen Leistungsgesellschaft dringender denn je brauchen. «Feriae» bedeutet auf Lateinisch nichts anderes als «Ruhetage».

Nun, die Sommerferienzeit ist vorbei. Aber Inseln der Ruhe und Erholung können und müssen wir sinnvollerweise immer wieder auch in unseren Alltag einbauen.

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