«Falsche Hilfe ist schädlicher als Nichtstun»

Sieben Gebote, wie Menschen den Igeln den Weg zu einem «himmlischen» Winterschlaf ebnen können.

Hanspeter Thurnherr
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Igel sind «Jö»-Tiere. Das heisst: Man hat sie gern, findet sie herzig – und vergisst dabei gerne, dass Igel gesetzlich geschützte Wildtiere sind. Vor allem, wenn es kälter wird oder sogar schon schneit, haben die Menschen Erbarmen mit den stachligen Gesellen. Doch oft wissen die Menschen zu wenig, wann ein Igel wirklich Hilfe braucht – und wann nicht. Denn: «Falsche Hilfe ist schädlicher als Nichtstun», warnt der Verein Pro Igel auf seiner Internetseite www. pro-igel.ch. Deshalb will der W&O an dieser Stelle aufklären – mit sieben Geboten für Menschen, damit sich Igel wie im Himmel fühlen können.

Nur Männchen beginnen den Winterschlaf früh

1. Nicht alle Igel gehen zur gleichen Zeit in den Winterschlaf. Die Männchen beginnen die Winterruhe schon im November, die Igelmütter und ihre im Herbst geborenen «Kinder» sind bis im Dezember unterwegs, um den nötigen Winterspeck anzufressen. Wenn der Igel rund und munter ist, faucht und sich einkugelt, dann lasst ihn in Ruhe! Das empfiehlt auch Pro Igel.

2. «Kleine oder magere Tiere können draussen zugefüttert werden. Es darf ausschliesslich Katzenfutter gegeben werden, keine Nussstängeli, besser keine Nüsse, Früchte, Rosinen oder Haferflöckli, niemals Milchprodukte. Igel sind Insektenfresser, sie brauchen Protein, Fleisch», warnt Pro Igel. Aufgepasst: An permanente Futterstellen können sich Krankheiten und Parasiten verbreiten, wenn auch andere Tiere sich am Futter bedienen. Zum Glück sind Igel Gewohnheitstiere, sie erscheinen gerne regelmässig zur gleichen Zeit und können deshalb gut persönlich gefüttert werden.

3. Findet man einen offensichtlich hilfsbedürftigen Igel, sollte dieser behutsam mit Handschuhen eingefangen und zur nächstgelegenen Igelstation gebracht werden. «Die Pflege erfordert sehr viel Sachverstand, Zeit und Geld», erklärt die Tierschutzstiftung Vier Pfoten. Also, überlasst die Pflege den Experten!

Igel lieben das natürliche «Chaos» im Garten

4. In der Region Werdenberg-Sarganserland gibt es in Mels eine Igelpflegestation (Pia Albrecht, Stadtergasse 2a, 8887 Mels, Tel. 081 723 40 48 / 078 716 21 70). Im Toggenburg führt die Tierklinik Nesslau (Tel. 071 995 50 50) eine Station. Zudem betreut Pro Igel führt eine 24-Stunden-Notfallnummer (Tel. 079 652 90 42). In Liechtenstein unterhält das Tierschutzhaus in Schaan eine Igelstation. Aber: Nicht jeder herumlaufende Igel ist ein Notfall; siehe Punkt 1!

5. Gartenbesitzer können helfen, dass Igel den Winter gut durchstehen. Eine Futterstelle in geschützter Lage oder liegengelassene Zweige, Laub- oder Komposthaufen bieten den Igeln Schutz vor Wind und Wetter. Achtung: für Igel lebensgefährlich sind Motorsensen oder Teller- und Fadenmäher. Todesfallen sind herumliegende Netze, Gitter oder Draht. Bei elektrischen Weidenetzen ist der zweitunterste, elektrisch geladene Draht häufig zu wenig weit vom Boden entfernt. Flexible Zaunsysteme ohne vertikale Litzen sind die bessere Lösung. Todesfallen sind aber auch Gräben, offene Schächte oder Schwimmbäder. Beseitigen Sie mögliche Todesfallen in ihrem Garten!

6. Auch Igel stören sich an lautem Lärm: Ultraschalltöne, wie sie in Katzenschreck-Geräten eingesetzt werden, sind für Igel äusserst unangenehm. Verzichten Sie auf solche Geräte!

7. Laubsauger saugen nicht nur Laub ein, sondern auch jene Tiere, welche Igel gerne auf ihrem «Speiseteller» haben. Die Natur liebt es ohnehin nicht «sauber aufgeräumt». Also: Lernen auch Sie, ein naturnahes «Chaos» in Ihrem Garten zu lieben!