Fall Vitus Huonder: «Katholiken denken selber und frei»

KANTON ST. GALLEN. «Ihr alle seid Huonder», schreiben die Freidenker auf Plakaten und in einem offenen Brief an die Adresse der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz. Eine Aussage, die verwundert und verletzt.

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KANTON ST. GALLEN. «Ihr alle seid Huonder», schreiben die Freidenker auf Plakaten und in einem offenen Brief an die Adresse der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz. Eine Aussage, die verwundert und verletzt. «Denn Katholikinnen und Katholiken sind durchaus eigenständige Persönlichkeiten, fähig, selber und frei zu denken. Es ist ihnen bewusst, dass <die Kirche> alle gemeinsam sind und dass auch die Katholische Kirche seit ihrem Bestehen eine Einheit in der Vielfalt war. In allen Jahrhunderten wurde viel gestritten und gerungen. So wie in fast jeder Gemeinschaft übrigens.» Dies schreibt Sabine Rüthemann, Kommunikationsbeauftragte des Bistums St. Gallen.

Aktuellstes Beispiel für ein echtes Ringen sind die Reaktionen auf den Auftritt von Bischof Vitus Huonder in Fulda, in dem er unter anderem das Thema Homosexualität aufgegriffen hat. Gleich mehrere Bischöfe, Markus Büchel (Bistum St. Gallen), Felix Gmür (Basel) und Charles Morerod (Lausanne-Genf-Freiburg) sowie Abt Urban Federer, Benediktinerabtei Einsiedeln, hielten in je eigenen Stellungnahmen ihre vom Vortrag von Fulda abweichende theologische Auffassung fest.

Abgesehen davon: Ein Bischof ist nicht die Kirche in der Schweiz. Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) ist kein hierarchisch aufgebautes Gremium. Die Bischöfe und Äbte, die der SBK angehören, verantworten ihre Aussagen selber.

«Die Freidenker legen mit ihrem offenen Brief und der Plakatkampagne einen missionarischen Eifer an den Tag, der bei den Katholik(inn)en längst nicht mehr zeitgemäss ist», schreibt Rüthemann weiter.

«Die Katholikinnen und Katholiken treffen ihre Entscheidungen auch in belasteten Situationen als mündige Christinnen und Christen. Sie benötigen keine Beratung durch die Freidenker und kein <Feindbild>, das für eine Kirchenaustrittskampagne missbraucht wird», schreibt Sabine Rüthemann zusammengefasst. (pd)