Fakten tolerieren und differenzieren

Der eine macht gute Erfahrungen mit einem Menschen und der andere nicht. Vor etwa zwanzig Jahren lernte ich Paul Schlegel von einer weniger guten Seite kennen. Seither habe ich seinen Werdegang mit Interesse begleitet.

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Der eine macht gute Erfahrungen mit einem Menschen und der andere nicht. Vor etwa zwanzig Jahren lernte ich Paul Schlegel von einer weniger guten Seite kennen. Seither habe ich seinen Werdegang mit Interesse begleitet. Beim Lesen der «Weltwoche» von letzter Woche wähnte ich mich zwanzig Jahre zurückversetzt. Jeden Buchstaben des Beitrages könnte ich unterschreiben, leider. Aber Paul hat auch gute Seiten. Natürlich. Das zweifelt sicher niemand an. Er hat sie wirklich. Nur, eben leider auch eine andere. Über diese müssen zwanzig Jahre Entwicklungsmöglichkeiten ungenutzt hinweggesaust sein. Was sich für ihn im Moment nicht gerade gut rentiert zu haben scheint.

Repräsentanten von Politik und Correctness wie auch die Medien bemühen uns stets mit Begriffen wie Differenzierung und Toleranz. Da muss man differenzieren! Ja, ja. Da muss man tolerant sein! Ja, ja. Was gilt denn bitte schön wann? Das kommt ganz drauf an, um wen und was es geht. Einmal überwiegen die fachlichen und ein andermal die charakterlichen Fähigkeiten oder Unfähigkeiten. Oder beide müssen gut sein und übereinstimmen. Oder umgekehrt. Oder doch wieder nicht. Oder nur eine davon. Ganz nach Belieben. Je nach dem wird sogar die Mixtur von Fakten mit Emotionen intellektuell verballhornt. Dann müssen Steine geworfen werden, um es handkehrum wieder zu verbieten. Alles klar?

Paul Schlegel wäre nicht Paul Schlegel ohne seine Liaisons. Die sind doch sicher noch intakt. Eine davon kann der Verein Expo 2027 Ostschweiz-Bodensee sein. Der nächste Schritt auf dem Vielleicht-Weg zu dieser Expo kostet 9,5 Mio. Franken. Die Trägerkantone haben die Kreditbotschaften verabschiedet. Die Vorlage ist so konzipiert, dass sie nicht vors Volk muss. Die Expo-Geschäftsstelle beansprucht für 500 Stellenprozente auf vier Jahre 3,7 Mio. Franken. Durchschnittlich kommt somit eine Vollzeitstelle im Jahr auf stolze 185 000 Franken zu stehen. Drittaufträge schlagen mit 5,4 Mio. Franken auch ganz schön zu Buche. Das Koordinationsmandat ist darin mit 0,5 Mio. Franken veranschlagt. Wer will denn bei so lukrativen Aussichten nicht zu den Privilegierten gehören?

Die Schlegel Group AG hat Anfang Jahr das Geschäftsdomizil vom einheimischen Grabs in die Stadt St. Gallen verlegt. Wirft der Verein Expo 2027 wohl Steine in Form von Jobs auf Paul Schlegel und seine Crew?

Christof Ammann

Hintere Stütlistrasse 2, 9472 Grabs