Eveline Widmer-Schlumpfs Rücktritt macht den Weg für die SVP frei

BERN. Das Rätseln um die politische Zukunft von Eveline Widmer-Schlumpf hat ein Ende. Die Bundesrätin gab am frühen Mittwochabend in Bern bekannt, dass sie sich im Dezember nicht zur Wiederwahl stellt. Damit macht sie den Weg frei für einen zweiten SVP-Sitz in der Regierung.

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Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf erscheint zu einer Medienkonferenz, an der sie ihren Rücktritt bekanntgibt. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf erscheint zu einer Medienkonferenz, an der sie ihren Rücktritt bekanntgibt. (Bild: ky/Lukas Lehmann)

BERN. Das Rätseln um die politische Zukunft von Eveline Widmer-Schlumpf hat ein Ende. Die Bundesrätin gab am frühen Mittwochabend in Bern bekannt, dass sie sich im Dezember nicht zur Wiederwahl stellt. Damit macht sie den Weg frei für einen zweiten SVP-Sitz in der Regierung. Angesichts des Wahlergebnisses vom 18. Oktober kommt der Rücktritt nicht überraschend. Doch es war nicht das schlechte Abschneiden der Mitteparteien und auch nicht der schwindende Rückhalt im Parlament, die für Widmer-Schlumpf den Ausschlag gaben.

Entscheid fiel vor Wochen

Den Entscheid, nicht für eine dritte Amtszeit zu kandidieren, habe sie schon vor den Wahlen gefällt, erklärte die Finanzministerin vor den Bundeshausmedien. Sie habe den Sommer über mit ihrer Familie und ihrem nächsten Umfeld intensiv diskutiert, welches der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt sei.

Der ist nach acht Jahren in der Landesregierung nun offenbar gekommen. «Ich habe die Arbeit sehr gerne gemacht», sagte Widmer-Schlumpf. «Aber die Arbeit hat auch Substanz gekostet.» Nicht, dass sie am Ende ihrer Kräfte wäre. Aber ihre Kraft wolle sie noch für andere Dinge einsetzen, die ihr am Herzen lägen.

Bei ihren Zukunftsplänen liess sie sich nicht in die Karten blicken. Die sonst betont sachlich auftretende Bundesrätin gab ihren Rücktritt gelöst bekannt, sogar mit einer gewissen Heiterkeit. Sie liess Stationen ihrer Laufbahn Revue passieren, etwa das Kantonsreferendum, das sie als Präsidentin der Finanzdirektorenkonferenz gegen das Steuerpaket durchgebracht hatte, die Rettung der UBS oder die Affäre Tinner. «Da waren meine Ferien im Eimer», witzelte sie.

Unbestrittener SVP-Anspruch

Nach dem Abgang von Eveline Widmer-Schlumpf ist der Anspruch der SVP auf einen zweiten Bundesratssitz unbestritten. Einzig SP und Grüne fordern ein Bekenntnis zum bilateralen Weg und zur europäischen Menschenrechtskonvention. Vom Tisch sein dürfte eine Kandidatur der Mitte. Konziliant gab sich am Mittwochabend die SVP. Der heutige Tag habe die Schweizer Politik «entkrampft», erklärte der Toggenburger Parteipräsident Toni Brunner. (sda) ? THEMEN 16+17