Eurokurs und Klimawandel

An der Generalversammlung von Waldwirtschaft St. Gallen und Liechtenstein in der Mehrzweckhalle Widem in Gams standen die Herausforderungen, denen sich Wald- und Holzwirtschaft gegenübersieht, im Zentrum.

Hanspeter Thurnherr
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Heini Senn, Ortsgemeinde Buchs, Förster Andreas Gerber, Forstbetrieb Grabus, und Hans Sturzenegger, Ortsgemeinde Grabs, diskutieren am Marktstand von Lignum Holzkette St. Gallen mit Geschäftsführer Erwin Rebmann (von links). (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Heini Senn, Ortsgemeinde Buchs, Förster Andreas Gerber, Forstbetrieb Grabus, und Hans Sturzenegger, Ortsgemeinde Grabs, diskutieren am Marktstand von Lignum Holzkette St. Gallen mit Geschäftsführer Erwin Rebmann (von links). (Bild: Hanspeter Thurnherr)

GAMS. 86 stimmberechtigte Delegierte und gut 100 Gäste nahmen gestern an der Generalversammlung der Waldwirtschaft St. Gallen und Liechtenstein in der Mehrzweckhalle Widem teil. Präsident Thomas Ammann, Rüthi, sagte einleitend: «Der Holzmarkt Ostschweiz ist in Bedrängnis und gefordert. Die Einnahmen sind gesunken und reichen für einen kostendeckenden Betrieb nicht mehr.» Eine Aussage, die auch von den nachfolgenden Rednern mehrfach verdeutlicht wurde.

Divergierende Ansprüche

Gemeindepräsident Fredy Schöb stellte Gams als «holzige» Gemeinde vor, denn rund ein Sechstel der Arbeitsplätze der Gemeinde finden sich in der Holzbranche. Regierungspräsident Benedikt Würth sprach vom Spannungsfeld zwischen Frankenstärke und Sparmassnahmen beim Bund. Ausgehend vom Waldbericht des Bundes verwies er auf drei entscheidende Punkte: den Klimawandel, neue Schadorganismen und veränderte, divergierende Ansprüche an den Wald.

Einstimmig und diskussionslos wurden Jahresbericht und Rechnung 2014 und Budget 2016 genehmigt. Die Rechnung schliesst mit einem kleinen Verlust von 4000 Franken. Das Eigenkapital verbleibt bei knapp 1,1 Mio. Franken. Das Budget rechnet mit einem Verlust von rund 33 000 Franken.

Zwei Neue im Vorstand

Im Vorstand treten Norman Nigsch, Triesen, und Bruno Blöchlinger, Rapperswil, zurück. Als ihre Nachfolger wählte die DV Gerhard Konrad, Schaan, als Bindeglied zum Fürstentum Liechtensteins, sowie Sepp Kuriger, Eschenbach, neu in den Vorstand. In der GPK tritt Sepp Giger zurück, sein Sitz soll erst nächstes Jahr wieder besetzt werden.

Thoma Ammann würdigte die beiden Scheidenden und liess ihnen ein reich gefülltes «Gscheng-Trüggli» überreichen. Auch die Lieferanten, die für vorbildliche Zusammenarbeit mit dem Holzmarkt Ostschweiz geehrt wurden (siehe W&O vom Freitag), erhielten dieses Geschenk.

Weniger Rundholz anbieten

Geschäftsführer Heinz Engler beleuchtete die Lage auf dem Holzmarkt. Die Schweiz sei nicht so krass mit Schnittholz überschwemmt worden, wie nach dem Euro-Frankenschock befürchtet. Auch die internationalen Preise seien zum Glück stabil geblieben, doch mussten die Rundholzpreise in der Schweiz um 15 Prozent gesenkt werden. Der Sturm Niklas habe die Schweiz nicht betroffen. Doch die Schäden in Österreich und Deutschland hätten den Preis auf unter 80 Euro pro Festmeter gesenkt, so dass die Schweiz kaum mehr Holz liefern konnte. Bei minderen Qualitäten herrsche ein Überangebot.

«Niklas» habe auch die Exportmenge beim Rundholz gedrückt, womit heute praktisch eine halbe Million Tonnen am Lager liegen. Die Empfehlung lautet deshalb: Rundholzangebot reduzieren und nur rüsten, wenn die Abnahme konkret garantiert sei. «So lange die Waldwirtschaft zu tiefen Preisen liefert, wird der Schnittholzpreis nicht steigen», sagte Engler, der aber aktuell eine Besserung sieht.

«Miteinander reden»

Kantonsoberförster August Ammann informierte unter anderem über die elf Ziele der «Waldpolitik 2020» des Bundes. Es habe sich in der Ausarbeitung gezeigt, dass es eine Diskrepanz zwischen den Nutz- und Schutzansprüchen gebe. «Es wird nötig sein, dass die verschiedenen Anspruchsgruppen miteinander reden», betonte August Ammann.

Markus Brunner, Direktor der Waldwirtschaft Schweiz, zeigte sich bei der Revision des Waldgesetzes mit dem Nationalrat zufrieden, auch wenn sich der Waldklimafonds nicht durchgesetzt habe. Noch bestehen vier Differenzen zum Ständerat. Bei der Vernehmlassung zur Waldverordnung habe der Verband eine Fristverlängerung verlangt. Sorge macht auch eine neue Praxis bei der Mehrwertsteuer. Brunner: «Es macht wenig Sinn, dass die Waldwirtschaft Bundesgelder erhält und darauf gleich wieder 8 Prozent abgezogen werden.»

Vor der Versammlung präsentierte der Vorstand an Marktständen die Ergebnisse aus seiner Strategietagung und gab so Delegierten und Gästen Gelegenheit, diese Ergebnisse zu diskutieren und dem Verband Rückmeldungen zu geben. Über die einzelnen Themen dieser Marktstände berichtete der W&O in der gestrigen Ausgabe.