Eure Rede sei wohlklingend

Zum Sonntag

Pfarrerin Petra Lehner
Merken
Drucken
Teilen

Ja, wohlklingende Worte höre ich gerne, denn sie tun mir gut. Sie berühren meine Seele. Nicht immer gelingen mir selbst solche wohlklingenden Worte im Alltag. Doch dieser Anspruch liegt in dem Vers des Kolosserbriefes, der uns im Monat Mai begleiten soll.

Wir haben es hier nicht nur mit einer Empfehlung an die christliche Gemeinde zu tun. Nein, vielmehr geht es um eine Haltung, die ich im Miteinander einnehmen kann. Diese Worte scheinen nötig gewesen zu sein. In meiner Fantasie erscheinen Vorstellungen vom Umgang der Gemeinde in Kolossä. Heftige Diskussionen, das ein oder andere harte, verletzende Wort, vielleicht auch Beleidigungen und Beschimpfungen. Ich weiss es nicht, wie es dazu kam. Aber ich kenne solche Situationen, erlebe diese zum Beispiel auch heute in meinem Alltag.

Hin und wieder herrscht ein rauer verletzender Ton in der Schule. Schüler verletzen mit Worten ihre Mitschüler und merken nicht, was sie anrichten. «Das war doch nur Spass» – höre ich dann. Der andere zutiefst getroffen, Tränen in den Augen.

Kinder brauchen im Lernen die Erwachsenen und brauchen Vorbilder an ihrer Seite. Eltern, Grosseltern können eine Streitkultur leben, in der Achtsamkeit in der Sprache Vorrang hat. Sprache ist eine grosse Errungenschaft des Menschen. Meine Gefühle, meine Wünsche kann ich meinem Gegenüber sagen – sich mit Worten mitzuteilen und nicht mit der Faust. Zur Sprache gehört auch das achtsame Hören. Nicht immer versteht mein Gegenüber, was ich sage. Dann gilt es nachzufragen, ob ich verstanden worden bin. Dies klingt so einfach und banal und geht doch häufig im Alltag verloren.

Ich bin dankbar, dass die Bibel mich einmal mehr daran erinnert. So erinnern uns die Worte aus dem Kolosserbrief an eine Haltung, die ich täglich neu einüben kann. Sei wohlklingend, «guetmeinig», setze Herz und Verstand bei der Wahl deiner Worte ein.

Wende dich deinem Gegenüber zu. Sicherlich auch Fehler im sprachlichen Umgang miteinander gehören dazu. Sie mit Leichtigkeit zu nehmen und auch mal darüber zu lachen, wenn etwas nicht gelungen ist, das wünsche ich jedem Menschen.

Dennoch gesprächsbereit zu bleiben ist eine grosse Herausforderung. Probieren wir dies in unserem Umfeld, in Gemeinde, Familie, Partnerschaft, Schule, in unserem Leben. Denn Schweigen ist Silber. Miteinander reden ist Gold.

Pfarrerin Petra Lehner

Gretschins