Es mangelt an Bio-Ackerfrüchten

Während aus Sicht der Produzenten der Biomilch-, Eier- und Fleischmarkt gesättigt ist, sind Ackerfrüchte und Ölsaaten gefragt. Doch biologischer Acker- und Gemüsebau ist in unserer Region klimabedingt schwieriger.

Hanspeter Thurnherr
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Bio boomt. Begehrt sind vor allem Frischprodukte, so dass die Schweizer Bauern bei den Ackerfrüchten den Bedarf nicht zu decken vermögen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Bio boomt. Begehrt sind vor allem Frischprodukte, so dass die Schweizer Bauern bei den Ackerfrüchten den Bedarf nicht zu decken vermögen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

REGION. Im Tätigkeitsbericht 2014 der Fachstelle Biolandbau am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez schreibt Stellenleiterin Barbara Oppliger: «Der Biomilch- und Biofleischmarkt ist ziemlich gesättigt. Die Bio-Eierproduktion hat ein Plateau erreicht, derzeit werden keine neuen Legehennen-Ställe mehr geplant.» Aktuell ein guter Markt besteht für Bioweidebeef. Hingegen besteht für einsteigewillige Produzenten von Bio-Mastpoulet zurzeit eine Warteliste.

Immer noch sei das Angebot an Ackerfrüchten und Ölsaaten zu klein, die Preise für die Produzenten entsprechend sehr hoch. «Getreide, Körnermais, Raps, Hülsenfrüchte und andere eiweissreiche Feldfrüchte, aber auch Gemüse und Beeren sind gesucht», präzisiert Barbara Oppliger auf Nachfrage.

Warum aber steigen nicht mehr Landwirte auf Bio-Ackerbau um? «Vor allem viel Nässe im Frühling erschwert in unserer Region die Unkrautbekämpfung. Denn im biologischer Acker- und Gemüsebau ist der Herbizid-Einsatz verboten», erklärt Barbara Oppliger.

Importe füllen die Lücken

Weil in der Schweiz also eine Lücke bei den Ackerfrüchten und Ölsaaten herrscht, bewilligt Bio Suisse Importe aus rund 60 Ländern. Geliefert werden die Knospe-Produkte von gegen 2000 Betrieben und Kooperativen. «Dabei verfolgen wir ein striktes Importregime. Geographische Nähe ist auch bei Importprodukten mit der Knospe das wichtigste Kriterium. Frische Gemüse oder Früchte werden zum Beispiel keine aus Übersee importiert», sagte Geschäftsführer Daniel Bärtschi an der kürzlichen Jahresmedienkonferenz. Neu müssen grössere Lieferantenbetriebe zudem die Erfüllung sozialer Anforderungen nachweisen.

Deutlich mehr Bio verkauft

Der Verkauf von Bioprodukten entwickelt sich weiterhin positiv: Der Umsatz stieg in der Schweiz im vergangenen Jahr um 7,5 Prozent auf 2,207 Milliarden Franken. Damit erhöhte sich gemäss Bio Suisse der Marktanteil von Bio von 6,9 auf auf 7,1 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahre 2008 lag der Umsatz noch bei 1,44 Milliarden Franken.

Rückgang an der Spitze

Bioprodukte legten gemäss Bio Suisse in der Schweiz im vergangenen Jahr sowohl bei den Grossverteilern wie auch beim Bio-Fachhandel teils markant zu. Inzwischen stammt jedes fünfte Ei und Brot aus Bioproduktion. Gerade diese Produkte verzeichneten aber 2014 zusammen mit anderen Backwaren sowie Käse und Tiefkühlprodukten einen Verkaufsrückgang. Überdurchschnittlich zugelegt haben die verpackten Konsumgüter, auch wenn Frischprodukte mit einem Anteil von zwei Dritteln am Gesamt-Warenkorb das wichtigste Segment bleiben.

Keine regionalen Daten mehr

Kantonal erreichte 2008 das Toggenburg mit 17,2 Prozent den höchsten Bioanteil vor Rorschach mit 13,4 Prozent. Das Werdenberg belegte mit 12,1 Prozent den dritten Rang unter den acht Regionen. Inzwischen dürfte sich die Reihenfolge kaum entscheidend verändert haben. Die regionalen Daten werden leider vom kantonalen Landwirtschaftsamt aus Kapazitätsgründen nicht mehr erhoben.