Es ist ein Abschied auf Raten

Die Italiener in der Ostschweiz bangen weiter um ihr Konsulat in St. Gallen. Nun planen sie für Mitte Mai einen Fackelumzug – die Schliessung des Konsulats oder zumindest seine Herabstufung könnte dann aber schon feststehen.

Daniel Walt
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Dem italienischen Konsulat in der Stadt St. Gallen droht das Aus. (Bild: Hanspeter Schiess)

Dem italienischen Konsulat in der Stadt St. Gallen droht das Aus. (Bild: Hanspeter Schiess)

ST. GALLEN. Carlo Ancora nimmt es sportlich. «Auch bei einem Fussballspiel weiss man lange nicht, ob man gewinnt oder verliert», sagt er. Ähnlich verhält es sich mit dem Kampf um das italienische Konsulat in St. Gallen. Ancora und seine Mitstreiter vom Comitato Italiani all'Estero, dem Komitee der Auslanditaliener in der Region, kämpfen seit Januar für dessen Erhalt. Der Ausgang bleibt ungewiss – die Mühlen in der italienischen Politik mahlen langsam.

Das lange Warten

Dreimal stand der Senat in Rom kurz vor der Behandlung einer Motion, die das Weiterbestehen der Auslandsvertretung Italiens in St. Gallen fordert. Dreimal wurde das Geschäft vertagt.

Zuletzt war ein Eclat dafür verantwortlich: Mitglieder der Protestpartei von Komiker Beppe Grillo hatten die parlamentarische Debatte zu einem anderen Thema bewusst in die Länge gezogen, um zu provozieren. Als später in einem hitzigen Klima gar noch Faschismusvorwürfe fielen, wurde die Sitzung beendet, bevor die Motion zu den Auslandsvertretungen Italiens behandelt werden konnte. «Nun soll das Thema Anfang Mai diskutiert werden», sagt Carlo Ancora.

Fackeln gegen die Schliessung

Ungezählte Briefe aus der Ostschweiz sind in den vergangenen Monaten für den Erhalt des Konsulats schon nach Rom geschickt worden. Das Echo: gleich null. «Das enttäuscht uns am meisten», sagt Carlo Ancora. Deswegen und weil die friedliche Besetzung der Liegenschaft von Ende Januar keine Wirkung zeigte, planen die Auslanditaliener nun eine weitere Aktion: Am 15. Mai soll ein Fackelzug vom Marktplatz via Neugasse zum Konsulat an der Frongartenstrasse führen. Rolando Ferrarese, Leiter des italienischen Kulturzentrums in St. Gallen, hofft auf mindestens 1000 Teilnehmer. Ist die Motion bis dann bereits behandelt und durchgekommen, dürfte der Anlass zu einem Fest werden – weil es dann immerhin gelungen wäre, in St. Gallen noch eine diplomatische Vertretung zu haben. Ansonsten dürfte eine triste Stimmung herrschen – wobei Rolando Ferrarese betont: «Der Fackelumzug würde dann zu einer weiteren Protestaktion.

«Wie in einer Bananenrepublik»

«Ich hoffe, dass der Senat einlenkt. Dann könnten in einer allfälligen diplomatischen Vertretung zumindest die Dienstleistungen des heutigen Konsulats in St. Gallen erhalten bleiben», hält Carlo Ancora fest. Im gegenteiligen Fall täte dies Carlo Ancora insbesondere für die älteren Italiener in der Ostschweiz oder Menschen mit einer Behinderung leid. «Sie müssten dann nach Zürich fahren. Sie ziehen vielleicht einen Zettel mit der Nummer 328 – und hören um 17.30 Uhr, sie sollten am Folgetag wieder kommen. Das ist doch wie in einer Bananenrepublik», stellt Carlo Ancora fest.

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