Es geht ums liebe Rindvieh

Der Film «Das liebe Rindvieh» zeigt einen Teil – in diesem Fall in der Landwirtschaft – dessen, was wir Menschen mit dem Argument der Kosteneffizienz auf Kosten des Tierwohls durchsetzen.

Heidy Beyeler
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Der Film «Das liebe Rindvieh» zeigt einen Teil – in diesem Fall in der Landwirtschaft – dessen, was wir Menschen mit dem Argument der Kosteneffizienz auf Kosten des Tierwohls durchsetzen. So verspricht beispielsweise das Bio-Label artgerechte Haltung von Tieren, und Bio Suisse verlangt in der «Raus-Verordnung» ein Stallmass von 12 m² pro Kuh (mit Hörnern). Enthornt der Bauer die Kühe, kann er einen Drittel Platz sparen oder mehr Kühe einstallen. Dann braucht's nämlich nur 8 m² pro Tier. Das heisst: Die Tiere werden dem Stall angepasst und nicht der Stall den Tieren. Dabei wird in Kauf genommen, dass mit der Amputation der Hörner ein Teil der biologischen Funktionen ausgeschaltet und den Rindern ein Instrument genommen wird, um die Rangordnung in der Tiergruppe abzustecken.

Jeder Tierhalter, ob Bio-Bauer oder nicht, kann selber entscheiden, welchen Weg er einschlagen will. Kühe mit oder ohne Hörner, inklusive der entsprechenden Vor- oder Nachteile. Mit Milch von Kühen mit Hörnern lässt sich zum Beispiel, um einen Vorteil zu nennen, auf dem Markt ein Nischenprodukt gut verkaufen. Das beweisen die Pioniere Maria Meyer und Martin Bienerth von der Sennerei Andeer sowie Käsereien, die Hornkäse oder Hornkuhkäse herstellen und im In- und Ausland gut verkaufen.

Es fragt sich nur, weshalb in der Werbung für Käse und Milchprodukte sowie Tourismusregionen eine heile Welt vorgetäuscht wird mit Plakaten und Prospekten, auf denen Kühe mit Hörnern abgebildet werden, obgleich die hornlosen Tiere bereits in der Mehrheit sind und zu reinen Milchlieferanten herabgewürdigt werden. Bald wird es sowieso keine Milchkühe mit Hörnern mehr geben – spätestens dann, wenn nur noch genetisch hornlose Rinder gezüchtet werden.

redaktion@wundo.ch