Erhalten und langfristig nutzen

Mit einem Studienwettbewerb für die umfassende Sanierung des «Löwen» hat die Ortsgemeinde Salez den Weg für dessen gesamtheitliche Renovation geebnet. Der Auftrag lautete: Der kulturgeschichtlichen Bausubstanz Rechnung tragen und heutigen Ansprüchen gerecht werden.

Thomas Schwizer
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Die Renovation des kulturhistorisch bedeutenden «Löwen» in Salez soll kein Flickwerk werden. Ziel des Salezer Ortsverwaltungsrates ist eine nachhaltige Renovation in Etappen, welche der Bausubstanz Rechnung trägt und eine den heutigen Ansprüchen angemessene Nutzung der Gaststätte (rechts der heutige Zustand) ermöglicht. Das erklärt Hermann Thoma, Vorsitzender der Baukommission. (Bilder: Thomas Schwizer)

Die Renovation des kulturhistorisch bedeutenden «Löwen» in Salez soll kein Flickwerk werden. Ziel des Salezer Ortsverwaltungsrates ist eine nachhaltige Renovation in Etappen, welche der Bausubstanz Rechnung trägt und eine den heutigen Ansprüchen angemessene Nutzung der Gaststätte (rechts der heutige Zustand) ermöglicht. Das erklärt Hermann Thoma, Vorsitzender der Baukommission. (Bilder: Thomas Schwizer)

SALEZ. Das Gasthaus Löwen ist ein eindrucksvolles kulturhistorisches Gebäude an der Staatsstrasse. Es wurde bereits im Jahr 1521 erstmals urkundlich erwähnt. In der dazu gehörenden Sust wurden in früheren Zeiten die Pferde gewechselt.

Bis im Frühjahr 2014 wurde der «Löwen» als Gasthaus genutzt und spielte für das gesellschaftliche Dorfleben eine bedeutende Rolle. Im Saal im zweiten Obergeschoss wurde früher gar geturnt, und die Dorfvereine nutzen ihn für ihre Unterhaltungsabende. Das gesamte Untergeschoss des mächtigen Baus weist Gewölbekeller auf.

Muss eine Gaststätte bleiben

Die Vorstellung und die Bedingung der Verkäuferin, dass der «Löwen» wie bis 2014 wieder als Dorfgaststätte/Gasthaus genutzt werden kann, teilt die Ortsgemeinde Salez. Ohne Gegenstimme genehmigten die Ortsbürger deshalb im Januar 2015 den Kauf – und dass das stattliche Haus wieder für den gleichen Zweck wie früher genutzt werden soll.

Der Verwaltungsrat mit Präsident Hansueli Dütschler übernahm die Aufgabe, das Notwendige in die Wege zu leiten. Das geschichtsträchtige, traditionsreiche Objekt soll möglichst rasch wieder seiner Bestimmung übergeben werden. Dafür müssen aber im Gastwirtschaftsbereich verschiedene Erneuerungen durchgeführt werden. Da genaue Pläne für das rund 500jährige Gebäude fehlten, musste es zuerst detailliert vermessen werden. Und weil es unter Schutz steht, gilt es bei einer Renovation denkmalpflegerische Aspekte zu berücksichtigen.

Gesamtheitliche Renovation

Der Ortsverwaltungsrat setzte eine Baukommission ein, für deren Vorsitz sie Gemeinderat Hermann Thoma gewann. Im Auswahlgremium wirken auch Hansueli Dütschler, Regula Aebi und Thomas Santschi von der Ortsgemeinde Salez als Besitzerin mit. Hinzu kamen Hans Jakob Reich als Kulturbeauftragter der Gemeinde Sennwald sowie die beiden Architekten Felix Kuhn vom Heimatschutz St. Gallen-Appenzell und Regula Keller von der Denkmalpflege St. Gallen – letztere in beratender Funktion.

Die Ortsgemeinde schrieb einen Studienwettbewerb aus. Die drei eingeladenen Architekturbüros, welche Erfahrung mit der Renovation geschützter Bauten haben, erhielten die Aufgabe, fachliche Vorschläge für eine gesamtheitliche Renovation des ganzen Gebäudekomplexes einzureichen. Ziel war ein langfristiges Gestaltungs- und Nutzungskonzept. Es sollte die historischen Werte der Liegenschaft berücksichtigen – inklusive der unmittelbaren Umgebung – und gleichzeitig eine zukunftsgerichtete Nutzung ermöglichen.

In Etappen nach Priorität

Das Auswahlgremium hat das Siegerprojekt des Wettbewerbs erkoren. Es sei nachhaltig und finde einen sinnvollen Weg zwischen dem Erhalt der historischen Substanz des Gebäudes und der Anforderung, dass die Infrastruktur den heutigen Ansprüchen an ein Gasthaus entsprechen müsse, sagt Hermann Thoma auf einem Rundgang.

Um auch für folgende Ortsverwaltungsräte einen Leitfaden vorzugeben, wurde ein Konzept für eine ganzheitliche Renovation erarbeitet. «Es darf kein Flickwerk geben, sondern soll eine nachhaltige und dauerhafte Renovation von Grund auf sein», sagt Hermann Thoma.

Man ist sich bewusst, dass aus Kostengründen nicht alles aufs Mal erledigt werden kann. Deshalb sieht das Konzept vier Etappen vor. Die erste ist zentral und umfasst die Gastwirtschaft mit Küche, WC und Haustechnik. Sie soll laut Thoma im Frühling konkret angepackt werden. Eine zweite Etappe sieht die Renovation der Kellerräume und die Gestaltung der Umgebung mit Einbezug des Gartens vor – und dessen Umgestaltung als Gartenwirtschaft. Später könnten dann der Saal im Obergeschoss und zuletzt das historische Nebengebäude (Sust) renoviert und allenfalls einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Es soll schnell gehen

Aufgrund der Kostenermittlung können die Ortsbürger über den Kredit für die erste oder allenfalls die ersten beiden Etappen entscheiden. Danach sollen umgehend die Arbeitsausschreibung und -vergabe erfolgen und die Arbeiten starten. Das ambitionierte Ziel lautet, dass der «Löwen» im Herbst 2016 wieder als Gaststätte eröffnet werden kann. Und dann wieder seinen wichtigen Beitrag für die Pflege der Dorfgemeinschaft leistet.

Legende (Bild:)

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Das gesamtheitliche Konzept sieht auch die Renovation der ehemaligen Sust (Nebengebäude) und des Saals im obersten Geschoss vor – aber erst in zukünftigen Etappen.

Das gesamtheitliche Konzept sieht auch die Renovation der ehemaligen Sust (Nebengebäude) und des Saals im obersten Geschoss vor – aber erst in zukünftigen Etappen.

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