Erbprinz Alois ruft dazu auf, die Zukunft mit Mut anzupacken

VADUZ. Am Staatsfeiertag in Liechtenstein wurde Rückschau gehalten auf die Entstehung des Staatsfeiertages vor 75 Jahren und die darauf folgende Entwicklung des Landes. Und trotz des schlechten Wetters zeigte sich Liechtenstein in Feierlaune.

Günther Meier
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Fürst Hans-Adam II. und Gattin Fürstin Marie am Liechtensteiner Staatsfeiertag. Liechtenstein feiert dieses Jahr das Fürstenfest zum 75. Mal. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

Fürst Hans-Adam II. und Gattin Fürstin Marie am Liechtensteiner Staatsfeiertag. Liechtenstein feiert dieses Jahr das Fürstenfest zum 75. Mal. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)

VADUZ. Am Staatsfeiertag in Liechtenstein wurde Rückschau gehalten auf die Entstehung des Staatsfeiertages vor 75 Jahren und die darauf folgende Entwicklung des Landes. Und trotz des schlechten Wetters zeigte sich Liechtenstein in Feierlaune.

Jubiläen eignen sich für Rückschauen, für Aufrufe zum Zusammenstehen und für die Verbreitung von Zuversicht, die künftigen Herausforderungen bestehen zu können. «Mir heben zemma», lautete das Motto des diesjährigen Staatsfeiertages und sollte als Zeichen der Dankbarkeit an die glücklichen Fügungen der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg sowie ein Aufruf für ein friedliches Miteinander sein. Erbprinz Alois nahm in seiner Ansprache zum Staatsfeiertag die Gelegenheit wahr, auf die Entstehungsgeschichte des Staatsfeiertages vor 75 Jahren hinzuweisen und etwas Optimismus für die Bewältigung der anstehenden aktuellen Probleme zu verbreiten. Der Stellvertreter von Fürst Hans-Adam II. skizzierte die Lage im Kriegsjahr 1940, als die Regierung kurzfristig beschloss, angesichts der Bedrohung durch den Weltkrieg und den Nationalsozialismus einen Staatsfeiertag als patriotische Demonstration einzuführen. «Wenn wir heute auf die letzten 75 Jahre zurückblicken», betonte Alois, können wir zu Recht feiern: Liechtenstein hat sich äusserst erfolgreich entwickelt.»

Zum richtigen Zeitpunkt

Zum Erfolg Liechtensteins haben laut Erbprinz Alois verschiedene Faktoren in den letzten Jahrzehnten beigetragen. Nicht zuletzt die Bereitschaft von Fürst und Volk, einen grossen Einsatz zu leisten, um die Souveränität des Staates zu sichern. Zudem sei es Liechtenstein in der Vergangenheit jeweils gelungen, zum richtigen Zeitpunkt die Weichen neu zu stellen. Unter diesen Weichenstellungen erwähnte der Erbprinz den Abschluss des Zollvertrages mit der Schweiz im Jahr 1923, den Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) 1995 und die 2009 den anderen Staaten signalisierte Bereitschaft zum internationalen Informationsaustausch in Steuerfragen.

Ausserdem wies er darauf hin, dass es auch Faktoren gegeben habe, die von Liechtenstein nicht beeinflusst werden konnten, sich aber positiv ausgewirkt hätten: Die wirtschaftliche Entwicklung Europas, die Globalisierung mit der Beseitigung von Handelshemmnissen sowie die Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten Schweiz und Österreich.

Eigenverantwortung zeigen

Der Blick auf die aktuelle Situation zeigt nach den Worten des Erbprinzen, dass sich das internationale Umfeld geändert habe. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den wichtigsten Absatzmärkten, die ungünstigen Wechselkurse und die Regulierungsflut als Folge der globalen Finanzkrise seien für Änderungen der Rahmenbedingungen verantwortlich, die Liechtenstein als Kleinstaat nicht beeinflussen könne. Obwohl Liechtenstein vor allem durch das geänderte internationale Umfeld herausgefordert werde, betonte Alois, sollte man sich mit den selbst beeinflussbaren Änderungen befassen. Vor dem Hintergrund geänderter Rahmenbedingungen sei es wieder nötig, auch unpopuläre Massnahmen zu setzen und sich an die schwierige Zeit zu erinnern, als die Einführung des Staatsfeiertages beschlossen wurde. «Wir müssen wieder an uns glauben», forderte Erbprinz Alois, «hart arbeiten und nicht einfach für alles nach dem Staat rufen, sondern Eigenverantwortung zeigen.» Die Liechtensteiner sollten auch lernen, sich wieder mit weniger zufrieden zu geben, die Wünsche realistischer zu formulieren und die Möglichkeiten entsprechend anzupassen.

Volksfest in Regenschauern

Nach der Ansprache des Erbprinzen und von Landtagspräsident Albert Frick am offiziellen Staatsakt zum Staatsfeiertag luden Fürst Hans-Adam II. und Fürstin Marie alle Teilnehmer zu einem Umtrunk in den Garten von Schloss Vaduz ein. Die zeitweise kräftigen Regenschauer wirkten sich am Nachmittag auf das Volksfest in den Strassen von Vaduz aus, doch bis zum späteren Abend hatte sich zahlreiches Festvolk eingefunden, das dichtgedrängt das traditionelle Feuerwerk bestaunte und beklatschte.