«Er sagt einfach immer die Wahrheit»

Mit seinem Referat zum Thema «Asylchaos – wie weiter?» am Mittwoch in Unterwasser erfüllte alt Bundesrat Christoph Blocher die Erwartungen fast aller Gäste. Rhetorisch professionell fand er ein dankbares Publikum, das nach seinem Referat kaum noch offene Fragen hatte.

Doris Büchel
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Eine Hand im Sack, hielt Christoph Blocher das Publikum in Unterwasser eine Stunde lang bei Laune. (Bild: Doris Büchel)

Eine Hand im Sack, hielt Christoph Blocher das Publikum in Unterwasser eine Stunde lang bei Laune. (Bild: Doris Büchel)

UNTERWASSER. Festliche Stimmung in der Tennishalle, gedämpftes Licht, Blumen und SVP-Flyer auf den Festtischen. Für rund 600 Personen sei man gerüstet, sagt der Mann vom Catering. Letztlich ist die Tennishalle bei Christoph Blochers Auftritt zwar nicht ganz voll, aber doch gut besetzt.

«Wer hilft mir...?»

Was sie sich von diesem Abend erwarten, frage ich zwei Damen am Nebentisch und werde eingedeckt mit einer Schimpftirade, in der es um linke Journalisten, Schmarotzer und die Frage geht: «Wer hilft mir, wenn's mir einmal schlecht geht?» Die selbe Frage richte ich an einige junge Männer, die an einem der vordersten Tische sitzen. Auch sie finden Blocher gut, wenn auch einer erwähnt, er wolle sich erst das Referat anhören, bevor er sich seine Meinung bilde.

Ein anderer bedauert, dass viel mehr Männer als Frauen nach Unterwasser gekommen seien, was sich allerdings nach einer Runde durch die Tennishalle nicht bestätigt. Das Publikum ist nicht wirklich bunt, aber doch gemischt: Junge, Alte, Frauen, Männer, Kinder.

Die meisten sind hier, weil sie Fan des SVP-Volkstribuns sind und Blocher ein toller Redner und der beste Politiker der Schweiz sei. «Er sagt einfach immer die Wahrheit», klärt ein älterer Herr auf.

Kurze Vorstellungsrunde

20.15 Uhr: Mirco Gerig, Kantonsrat und Präsident der SVP Toggenburg, begrüsst die Anwesenden und bittet die Exponenten der St. Galler SVP-Nationalratsliste 8 in Persona auf die Bühne. Die einzige Frau sei leider verhindert, sagt er.

Am kürzesten auf den Punkt bringt es der Oberrieter Nationalrat Rino Büchel bei der Vorstellungsrunde: «Unser Sponsor ist Dirim», sagt er und zeigt auf die Tafel an der Wand hinter sich. «Wären wir bei den Roten oder den Linken würde es <Dürüm> heissen. Wir sind hier, um das zu verhindern. Danke.» Szenenapplaus. Es wird nicht der einzige an diesem Abend bleiben.

Dankbares Publikum

Nach einem Beitrag des Jodelclubs Thurtal betritt um 21 Uhr Christoph Blocher unter grossem Applaus die Bühne. Während einer guten Stunde zieht er die Leute in seinen Bann, referiert frei und vergisst dabei nie, sein Publikum mit Anekdoten bei Laune zu halten. Das Publikum ist dankbar, klatscht, ruft Bravo. Viele Köpfe nicken, während der alt Bundesrat mit Händen und Armen gestikuliert und seine Stimme mal drohend anhebt – um dann wieder ganz leise zu werden, so dass es noch stiller wird im Saal und die Leute wissen: jetzt kommt gleich etwas ganz Wichtiges.

Nur wenige nutzen im Anschluss an das Referat die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Man ist sich einig. «Super!», lautet das Fazit der meisten Besucher nach der Veranstaltung.

...und nur ganz wenig Kritik

Lediglich ein Paar äussert sich kritisch. Politisch seien sie alles andere als SVP-lastig eingestellt, was umgehend offenkundig wird. «Wäre das hier eine Komödie und wäre das Thema Asylwesen nicht viel zu tragisch, hätten wir manchmal laut gelacht. Es gibt keine andere Partei, die Andersdenkende dermassen persönlich und beleidigend angreift. Das ist reiner Hohn.»

Jene, die sich gegen 22.30 Uhr auf den Heimweg machen oder zur Musik der Lutere-Buebe noch ein bisschen das Tanzbein schwingen, stört das wohl ebenso wenig wie Christoph Blocher selbst.