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ENNENDA: Neue Heimat für die ­Dienstmagd aus Sennwald

Im Museum, das am Wochenende eröffnet wurde, wird das tragische Schicksal und die Rehabilitation von Anna Göldi durch die Glarnerinnen und Glarner gezeigt.
Mark Schiesser
Der Präsident der Anna-Göldi-Stiftung, Walter Hauser (rechts), SRF-Redaktor und Stiftungsratsmitglied Sandro Brotz (2. von rechts) im Gespräch mit Besuchern in der Ausstellung. (Bild: Mark Schiesser)

Der Präsident der Anna-Göldi-Stiftung, Walter Hauser (rechts), SRF-Redaktor und Stiftungsratsmitglied Sandro Brotz (2. von rechts) im Gespräch mit Besuchern in der Ausstellung. (Bild: Mark Schiesser)

Mark Schiesser

redaktion@wundo.ch

Was sich vor Ende des 18. Jahrhunderts in Glarus abspielte, ist ein dunkles Kapital in der Geschichte des Bergkantons. Er wurde 1782 Schauplatz eines der letzten Hexenprozesse in Europa. Die Tragödie um die aus Sennwald stammende Dienstmagd Anna Göldi spielte sich auf dem Hintergrund weniger Glarner Herrschaftsfamilien ab, die ihren schwindenden ­Einfluss durch einen spektaku­lären Gerichtsfall wiederher­zustellen versuchten. Diese stellen auch Landvögte, welche im Unter­tanengebiet Werdenberg herrschten.

Vergangenes Wochenende wurde im Hänggiturm in Ennenda das neue Anna-Göldi-­Museum eröffnet. Wo einst in der Blütezeit der Glarner Textilindustrie Baumwolltücher zum Trocknen aufgehängt wurden, steht nun der Prozess gegen die 1782 zu Unrecht verurteilte Dienstmagd im Mittelpunkt. «Wir haben in diesem Glarner Baudenkmal ein unglaublich stimmungsvolles Zuhause gefunden», freute sich der Projektleiter und Vizepräsident der Anna-­Göldi-Stiftung, Peter Bertschinger. «Mit der Eröffnung wird das kulturelle und touris­tische Angebot von Glarus erweitert», erklärte Christian Marti, Gemeindepräsident von Glarus. Er erwarte, dass dieser Ort eine neue Heimat von Anna Göldi werde und darüber hinaus den Anspruch einlöse, auch über aktuelle Fragen von Gerechtigkeit, Menschenrecht und Verbindung von Kirche und Staat nachzu­denken.

Kritisch hinter die Kulissen schauen

«Der Fall Göldi gehört in jedes Schulbuch und die Menschenrechte müssen Pflichtfach sein», betonte SRF-Redaktor und Stiftungsratsmitglied Sandro Brotz. Regierungsrat Benjamin Mühlemann wertete die Feier als ­Zeichen der Wertschätzung und fand es nötig, einen kritischen Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung und den Schwerpunkt Menschenrechte zu werfen. «Dieses Museum ist eine Plattform, welche kritisch hinter die Kulissen schaut.» Mit grossem Engagement und Herzblut haben sich die Museumsmacher Peter Bertschinger, Fridolin Elmer, Walter Hauser und wei­tere Personen hartnäckig und ­aktiv um Partner und Unter­stützer erfolgreich bemüht.

Der Kanton Glarus hat der Stiftung eine Anschubfinanzierung gewährt, zudem unterstützt die Standortgemeinde Glarus das Projekt. Der weitaus grösste Teil wurde aber nicht mit öffentlichen Geldern finanziert. Die Anna-Göldi-Stiftung hat die stolze Summe von fast 700000 Franken unter Federführung von Projektleiter Peter Bertschinger an privaten Mitteln gesammelt. Ausserdem konnte sie das Eigentum am Museumsteil des Gebäudes von der Stiftung Hänggiturm übernehmen.

Im Zentrum der Ausstellung steht der gut dokumentierte Prozess, namentlich die ausführ­lichen Folterprotokolle. Darum herum werden die Besucher von einer Themeninsel zur anderen geführt: Hexenwahn, Netzwerk der Macht, Aufklärung, Publizistik, Erinnerungskultur, Rehabilitierung. Damit können die Glarner Sympathie und Hochachtung weit über die Kantonsgrenze ­hin­aus gewinnen. Dank dieser versöhnlichen Geste gegenüber den damaligen mutigen Frauen soll dies ein Signal der Fairness und Gerechtigkeit sein für die heutigen Generationen. Der Glarner Politiker Fritz Schiesser, der mit seiner Motion damals für die Rehabilitation von Anna ­Göldi im Landrat den Weg politisch ge­ebnet hat, meinte: «Es braucht dieses Museum, weil es ein Mahnmal ist und zum Nachdenken anregen soll.»

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