ENERGIE: Die Batterie neben der Baumnuss

Der Alpstein-Wirt Daniel Lüchinger war so von der Tesla-Technologie fasziniert, dass er sie für seinen Betrieb nutzen wollte. Jetzt hat er die erste batteriebetriebene Seilbahn der Welt gebaut.

Dorothea Alber
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«Mit Atomstrom ist Schluss»: Daniel Lüchinger vor der Talstation seiner Bahn. (Bild: Mareycke Frehner (29. März 2018))

«Mit Atomstrom ist Schluss»: Daniel Lüchinger vor der Talstation seiner Bahn. (Bild: Mareycke Frehner (29. März 2018))

Dorothea Alber

ostschweiz@tagblatt.ch

Daniel Lüchinger ist Nachhaltigkeit wichtig. Weil der Staubern-Wirt die beiden Kabinen des einzigen Bahnzubringers vom Rheintal in den Alpstein hinauf zu seinem Berggasthaus auf der aussichtsreichen Geländekante CO2-neu-tral betreiben will, sollte auch seine Seilbahn vom Rheintal in den Alpstein ohne Strom vom Netz auskommen. Über Tesla kam er auf die Idee, die Technologie des kalifornischen Elektroauto-Herstellers für die Seilbahn zu nutzen, denn Tesla produziert nicht nur Elektroautos, sondern auch Stromspeicher und Fotovoltaikanlagen. Für Brancheninsider «das Beste, was es momentan für den zwischengespeicherten Strom gibt». Ein leistungsfähiges Tesla-Speichermodul sollte es also sein, um den 51-Kilowatt-Antrieb der Seilbahn mit ihren beiden Elektromotoren mit Strom zu versorgen. Der Staubern-Wirt hat eine besondere Beziehung zur US-Firma: «Ich bin schon lange begeisterter Tesla-Fahrer», verrät er. Die Zukunftstechnologie von Tesla habe ihn dermassen fasziniert, dass er sie nicht nur im eigenen Auto nutzen wollte.

Weil das Unternehmen aber Lieferengpässe hat, musste Lüchinger umdisponieren. Tesla war nicht in der Lage, innerhalb eines Jahres einen Energiespeicher zu liefern. Der Plan B war, einen Speicher von einer bayerischen Firma zu beziehen. «Wir arbeiteten so lange an der Idee, bis sie funktionierte.» Lüchinger trat an Ingenieure in der Region heran, doch jeder zweite sagte ihm, das Projekt sei nicht realisierbar. Schliesslich half Elektroingenieur Thomas Kleinstein von der Planing Ingenieurunternehmung AG in Ruggell mit, das Projekt zu realisieren. Auch wenn die Ingenieurarbeit für die Anlage nicht einfach gewesen sei, so war sie laut Kleinstein doch möglich, wie er auf Anfrage sagt.

Der Dieselgenerator kann entsorgt werden

Die beiden Kabinen der Staubern-Bahn schweben künftig mit Hilfe von Solarkraft nach oben. Dafür baut Lüchinger zwei Fotovoltaikanlagen: Eine in der neuen Talstation in Frümsen und eine oben am Bergrestaurant – beide erzeugen die benötigte Energie direkt vor Ort. Für den Antrieb gibt es zwei Batteriespeicher. Die Energie der Fotovoltaikanlagen und die Bremsenergie, die beim Abbremsen der Seilbahn entsteht, wird in diese Batterien geladen und bei Bedarf wieder abgerufen.

Roland Bartholet, der die neue Bahn baut, war von Lüchingers Idee einer batteriebetriebenen Bahn von Anfang an begeistert. Bartholet ist Verwaltungsrats-Präsident der gleichnamigen Bartholet Maschinenbau AG aus Flums. Er baut damit nicht irgendeine Bahn in der Schweiz, sondern die erste batteriebetriebene Seilbahn der Welt. Damit aber noch nicht genug: In den Tragseilen der beiden Gondeln befinden sich Leitungen, die den Strom vom Tal hinauf zum Berggasthaus Staubern leiten. Dadurch ersetzt Wirt Daniel Lüchinger den bisherigen Dieselgenerator für die Stromversorgung in seinem Restaurant Staubern. Zudem hat er ein Stromaggregat gebaut, das mit altem Speiseöl läuft. «Mit fossilen Brennstoffen und Atomstrom ist somit Schluss», lautet Lüchingers Fazit.

Das Design der Gondeln stammt aus dem Zukunftslabor von Porsche Design Studio. Besonders stolz ist Lüchinger auch auf eine Ladestation für Elektroautos, die an der Talstation in Frümsen entstehen wird.

Fünf Millionen Franken investiert

Die innovative Anlage kostet insgesamt rund fünf Millionen Franken und wird von der Familie Lüchinger selbst finanziert. Sie bewirtschaftet das Berghaus seit 20 Jahren und bereits in dritter Generation. Ein Dutzend Mitarbeiter arbeitet im Betrieb – die meisten gehören zur Familie.

Lüchinger selbst hat eine Ausbildung zum Koch absolviert – wie sein Sohn und seine 25-jährige Tochter, die ebenfalls im Betrieb mitarbeiten. «Mit meinen Kindern steht die vierte Generation bereits in den Startlöchern», sagt der Staubern-Wirt mit einem Schmunzeln. Auch seine Mutter arbeitet mit fast 80 Jahren noch immer voll im Betrieb mit. Sie ist für die Einkäufe zuständig und macht das Buffet im Bergrestaurant. Bei schönem Wetter kann es schon mal hektisch zugehen. «An einem Traumtag beförderte die alte Seilbahn auch schon bis zu 500 Menschen ins Alpsteingebiet.»

Künftig wird der Zugang noch einfacher und noch schneller werden: Die neue Bahn wird mehr als die doppelte Leistung haben und 60 bis 75 Personen pro Stunde transportieren können. Seit zwei Jahren wurde nun an der neuen Seilbahn gebaut, während die alte Bahn aus dem Jahr 1979 – einst am Pizol ausgemustert – weiterhin in Betrieb war. Inzwischen ist sie bereits zurückgebaut worden. Ein paar Jahre hätte es die alte Bahn noch gemacht, doch für den Staubern-Wirt war «der richtige Zeitpunkt für eine Veränderung» gekommen. Bis vor kurzem war der Bau der Talstation noch im Gange – weil Frümsen auch als Nussdorf bekannt ist, erhält der Warteraum die Form einer grossen Baumnuss.

Hinweis

Die neue Seilbahn wird vom 6. bis > 8. April mit Testfahrten, Infoständen und Livemusik eröffnet.