Ende für Elektroheizung absehbar

Solarenergie, Schwachstellen am Gebäude und die Energieförderung des Kantons St. Gallen standen beim Energieapéro im Zentrum. Fest steht: Die Jahre der Elektrospeicheröfen sind gezählt.

Adi Lippuner
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Emil Giezendanner, Lorenz Neher, Patrizia Egloff und Rolf Züllig (von links) beim Energieapéro in Unterwasser. Bild: Adi Lippuner

Emil Giezendanner, Lorenz Neher, Patrizia Egloff und Rolf Züllig (von links) beim Energieapéro in Unterwasser. Bild: Adi Lippuner

Auf Einladung der Energiestadtregion Obertoggenburg und des Vereins Pro Toggenburg – das ist die Vereinigung der Zweitwohnungsbesitzer – wurde am Samstagvormittag ein Energieapéro durchgeführt. Die Besichtigung der Smartflower – das ist eine Energie erzeugende Blume, welche ihren Platz neben dem Postgebäude in Unterwasser hat – sowie Fachreferate prägten das Geschehen. Gemeindepräsident Rolf Züllig wies darauf hin, dass viele Ferienobjekte in der Region während der Fünfziger bis Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts entstanden. «Eine energetische Sanierung wird deshalb nötig, und weil viel Geld investiert werden muss, wollen solche Schritte gut überlegt sein.»

Das Toggenburg ist gut aufgestellt

Gemäss Lorenz Neher, Leiter Energieförderung der Energieagentur St. Gallen, steht die Region Toggenburg im Kantonsvergleich gut da. «Doch auch bei uns gibt es noch viel zu tun, auch wenn wir mit den erneuerbaren Energieträgern auf gutem Weg sind.» Sorgenkind für Zweitwohnungsbesitzer sind die Elektro-Speicheröfen, stehen diese doch in vielen Ferienobjekten. Das Energiegesetz sieht vor, dass diese ab dem 1. Januar 2020 nicht mehr erlaubt sein werden. «Den Hausbesitzern wird eine Übergangsfrist von 15 Jahren eingeräumt, um die Heizung zu sanieren», so die Aussage von Neher.

Diese Sanierungspflicht bereitet einigen Liegenschaftsbesitzern Kopfzerbrechen, wie die Diskussion aufzeigte. «Die grösste Schwierigkeit ist, dass wir keine Leitungen im Haus verlegt haben, denn für Elektrospeicheröfen braucht es nur eine Steckdose,» war eine der gehörten Äusserungen. Dass bestehende Elektrospeicheröfen innerhalb von knapp 20 Jahren weg müssen, sei Tatsache. Allerdings gebe es Beiträge, so Lorenz Neher.

«Blaue Zeit» bietet Sparpotenzial

Emil Giezendanner von der Baumann Akustik und Bauphysik AG, Dietfurt, zeigte, wo Energie eingespart werden kann. «Wärmedämmung, aber richtig, also nicht einfach die Gebäudehülle dick einpacken, lautete eine seiner Botschaften. «In der Gesamtbetrachtung zeigt sich häufig, dass bereits mit der wirkungsvollen Dachdämmung, der Dämmung der Kellerdecken, der Abgrenzung beheizter und unbeheizter Räume die Energieverluste eines Gebäudes wesentlich reduziert werden können.» Bei der Wärmedämmung sollte das Motto «Nicht so viel wie möglich, sondern so viel wie nötig», zur Anwendung kommen.

Zudem biete die «Blaue Zeit», also die Zeit in der sich niemand im Gebäude befindet, ein hohes Sparpotenzial. Vor allem bei Zweitwohnungen sei es sinnvoll, die Heizung über eine Fernsteuerung, respektive über eine Heizungs-App ein- und auszuschalten. Oft helfe ein «Blick von aussen», also die Inanspruchnahme einer Energieberatung, so Emil Giezendanner.

Patrizia Egloff, Projektleiterin Energietal Toggenburg, erläuterte den Anwesenden die Vorteile der «Energie vom Dach». Bereits heute gebe es im Toggenburg 576 Photovoltaikanlagen sowie 655 Anlagen mit Sonnenkollektoren. «Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft, denn die Sonne scheint fast jeden, Tag und dies erst noch gratis,» liess sie die Anwesenden wissen.

Nach den Referaten wurde die Gelegenheit zum Austausch, zur Beantwortung von Fragen sowie der Kontaktpflege zwischen den Fachleuten und den Zweitwohnungsbesitzern bei einem gemütlichen Umtrunk genutzt.