Elitepolizei jagt die Attentäter

Östlich von Paris ging die Grossfahndung nach den «Charlie»-Attentätern gestern den ganzen Tag weiter. Die Suche konzentriert sich auf ein aus Algerien stammendes französisches Brüderpaar.

Stefan Brändle/Paris
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PARIS. Einer der beiden Brüder Chérif und Said Kouachi hatte in einem steckengebliebenen Fluchtwagen seine Identitätskarte liegen lassen.

Vom Geheimdienst überwacht

Gestern mittag überfiel das maskierte und schwer bewaffnete Duo eine Tankstelle in der Nähe der Stadt Villers-Côtterets. Es verlangte Esswaren und Benzin. Polizeiexperten meinten, die Brüder müssten verzweifelt sein, blieben aber umso gefährlicher. Sie sollen über Kalaschnikows und eventuell sogar Raketenwerfer verfügen. An der Fahndung beteiligten sich auch Anti-Terror-Einheiten. In Paris und Umgebung sollen sieben den Kouachi-Brüdern Nahestehende festgenommen worden sein. Ein dritter Hauptverdächtiger, ein 18jähriger Schwager, hatte sich freiwillig gestellt.

Der islamistische Hintergrund des Attentats steht nach Ansicht von Terrorexperten fest. Die Brüder Kouachi waren als Waisen in Heimen und später in Paris aufgewachsen. Chérif wurde 2008 verurteilt, nachdem er sich in den Jihad abzusetzen versucht hatte. Nach seiner Rückkehr waren er und sein Bruder Said vom Geheimdienst überwacht worden. Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte aber, es habe keine Hinweise auf eine Tat gegeben.

Eine Polizistin erschossen

In die allgemeine Trauerstimmung platzte am Donnerstagmorgen eine neue Schreckensmeldung: Im Vorort Montrouge südlich von Paris erschossen zwei Unbekannte eine Polizistin. Ob es sich um die Tat von Islamisten handelte, ist unsicher. Die Täter sind flüchtig.

Nach dem blutigen Terroranschlag beging Frankreich einen Tag der nationalen Trauer. Am Mittag wurde bei einer Schweigeminute der zwölf Todesopfer und der Verletzten des Anschlags auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» gedacht. Bei einem seltenen Schulterschluss empfing der sozialistische Präsident François Hollande auch den Führer der bürgerlichen Oppositionspartei UMP, Nicolas Sarkozy. • THEMA 17+19, AUSLAND 23