Einst war es die geheime Unterwelt

Während mehr als eines halben Jahrhunderts war das Innenleben der Festungen, auch das Werk Magletsch, streng geheim. Der Verein Artillerie Fort Magletsch (Afom) betreut seit mehreren Jahren die der Öffentlichkeit zugänglichen Anlagen, pflegt und unterhält sie auch.

Hansruedi Rohrer
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Hans Eggenberger, Afom-Gründer und Präsident im Schräglift.

Hans Eggenberger, Afom-Gründer und Präsident im Schräglift.

GRETSCHINS. Der Afom-Verein sorgt dafür, dass die alten und der Nachwelt erhaltenswerten Festungsanlagen sorgfältig gepflegt und unterhalten werden. Und auch jederzeit mit Führungen der Öffentlichkeit zugänglich sind. Seit der Vereinsgründung 1999 ist Hans Eggenberger Präsident, und das mit viel Eifer und Liebe zum Historischen.

Im Verein sorgen 15 Führer dafür, dass den Besuchenden die Innen- und Aussenanlagen gezeigt und erklärt werden. Der Verein hat sich im weiteren zum Ziel gesetzt, sukzessive erhaltenswerte und militärisch interessante Aussenanlagen zu erwerben, um diese als weitere Zeitzeugen der Nachwelt zu erhalten. Darunter gehören jetzt schon der Plattis-Bunker mit Flankierwerk, das Infanteriewerk Brögstein, die Kommandoposten Vild und Gretschins, der atomsichere Unterstand auf Palezza (hinter dem Kommandoposten Gretschins) und weitere Anlagen.

Immer wieder Investitionen

Unterhalt und Revisionen gehen ins Geld. Allein in den vergangenen zwei Jahren wurden rund 300 000 Franken investiert. Nebst den Eigenmitteln des Vereins konnten diese Neuerungen dank Beiträgen der folgenden Institutionen getätigt werden: Regionalplanung Werdenberg, Amt für Kultur, St. Gallen, Politische Gemeinde Wartau, Ortsgemeinde Wartau, Winkelriedstiftung. Und was wurde gemacht? Hans Eggenberger, der seit 1999 pensionierte Physiklehrer der Kantonsschule Sargans und in Oberschan aufgewachsen, gibt gerne Auskunft. Der grösste «Brocken» sei wohl die Neuabdichtung der Rigolenhallen, sagt er. Um die wichtigsten Einbauten vor Nässe zu schützen – Regenwasser dringt in und durch das Festungswerk im Karstfelsen – kam damals eine besondere Bauweise zur Anwendung. In die vorher ausgebrochenen und betonierten Kavernen (bis 100 Meter lang) mit halbrunder Kuppe entstanden freistehende Gebäude mit Wänden aus Ziegelstein, einer betonierten Decke und seitlichen Entwässerungskanälen (Rigolen). Diese Hallen, man nennt sie auch Rigolenhallen, sind rundum begehbar. Zwischen Hallendach und Kavernendecke stehen jedoch lediglich 60 Zentimeter Freiraum zur Verfügung. Um das aus der Kavernendecke herabtropfende Wasser in die Rigolen abzuleiten, wurde die Decke (der freistehenden Gebäude) mit einem Teeranstrich versehen und mit verklebter Dachpappe belegt. Im Laufe der vergangenen 70 Jahre haben sich in der Magletsch-Festung aus dem kalkhaltig herabtropfenden Wasser Ansammlungen gebildet und die Abdichtung zerstört. Im Innern der Hallen kam es zu feuchten Stellen.

Neu abgedichtet

Alle Afom-Rigolenhallen mit den insgesamt 2500 Quadratmeter grossen Dachflächen sind nun neu abgedichtet worden. Dabei wurde eine Spezialfolie verlegt. Diese Arbeiten gestalteten sich infolge der knappen Platzverhältnisse natürlich alles andere als einfach. Alles musste in Kauer- oder Liegendstellung verrichtet werden.

Der Rigolengang, also der Raum zwischen Halle und Kaverne, ist sogar nur etwa 50 Zentimeter breit, und dies auf der ganzen Hallenlänge. Hans Eggenberger erklärt auch, dass die neue Abdichtfolie nach dem Verlegen mittels Wärme unter sehr starker Rauchentwicklung verschweisst werden musste, was nur mit aufgesetzter Gasmaske möglich war.

Die für fast 100 000 Franken angebrachten Abdichtungen sollen in den kommenden Jahrzehnten die vielen Hallen wieder trocken halten.

Ins finanzielle Gewicht fiel auch die Sanierung des Lifts. Dieser verbindet die beiden Kavernenetagen und wurde früher in erster Linie als Lastenaufzug für Munition und andere Waren benötigt.

Jetzt Personentransporte

Der historische Lift erhielt mit neuer Steuerung und neuem Antrieb eine Zukunft für den Afom: Nun ist der Aufzug dank der Sicherheitsbestimmungen vollumfänglich für Personentransporte zugelassen.

Der Afom besitzt auch den Infanteriebunker Rheinau 1 in der Nähe des Klettergartens beim Schollberg. Das zweigeschossige Werk ist komplett eingerichtet. Neu erhielt das Werk eine Photovoltaikanlage, welche den Strom für das Entfeuchtungsgerät liefert und die Wechselspannung von 220 Volt für die Innenbeleuchtung zur Verfügung stellt. Das sei wahrscheinlich einer der ersten Bunker in der Schweiz mit einer Voltaikanlage, meint Hans Eggenberger.

Wärme aus der Stollenluft

Seit Übernahme des Stockwerkes mit den Feuerleitstellenbüros durch den Afom Ende 1999 wurden diese Räume elektrisch beheizt. Jetzt übernimmt diese Aufgabe eine neu installierte Luft-Wasser-Wärmepumpe, welche die erforderliche Wärme der etwa 12grädigen Stollenluft entzieht. Dabei konnten sogar die alten Heizkörper wieder aktiviert werden. Die Anlage funktioniert bestens, und eine messbare Abkühlung der Stollenluft ist nicht festzustellen. Ein weiterer Vorteil besteht auch noch darin, dass dadurch die Luftfeuchtigkeit im Stollen gesenkt wird.

Auch im ehemaligen Raum des Infanteriechefs, dem heutigen Aufenthaltsraum für die Afom-Aktivmitglieder, sorgt eine neue Wärmepumpenheizung für angenehme Temperaturen. Das Aussengerät für den Wärmebezug aus der Stollenluft befindet sich im Gang, an der Aussenmauer des Aufenthaltsraumes. Zusätzlich könnte man mit dem gleichen Gerät den Raum bei zu hoher Temperatur auch kühlen. Bisher war dieser Raum nicht isoliert, und die Aussentemperatur lag immer bei 12 Grad. Durch eine zusätzliche Isolierung soll der Energieverbrauch noch weiter reduziert werden.

Der schnarchende Schlafende

Nebst der Aktivierung der Lautsprecher in den Kavernengängen, durch welche die Mannschaft einst zum Beispiel zur Besammlung gerufen wurde, hält der Verein noch weitere akustische Überraschungen bereit. Da spricht plötzlich ein postierter Wehrmann, und dort schläft ein anderer den Schlaf des Gerechten – und schnarcht dabei. Und in einem Kavernengang sind Kanonendonner und Maschinengewehrsalven hörbar.

Wenn die Motoren dröhnen

In der Festung Magletsch sind auch noch drei mächtige Sulzer-Schiffsdieselmotoren für die Stromproduktion samt Schalttableau und zwei Dieseltanks mit je 100 000 Liter Inhalt funktionsfähig erhalten. Damit diese Maschinen nicht bei jeder Führung gestartet werden müssen, sind auch hier die Motoren in vollem Geräuschpegel elektronisch zu erleben. In der Unterwelt des Fort Magletsch befindet sich somit eines der kulturhistorisch wertvollsten Objekte von nationaler Bedeutung. Gut gibt es den Verein, der zu diesem Bijou schaut (www.afom.ch oder Tel. 081 783 26 11).

Der Paternoster – Aufzug für die Munition zur Panzerturmkanone.

Der Paternoster – Aufzug für die Munition zur Panzerturmkanone.

Mächtige Sulzer-Schiffsdieselmotoren sorgten einst für die elektrische Energie in der Festungsanlage Magletsch. (Bilder: Hansruedi Rohrer)

Mächtige Sulzer-Schiffsdieselmotoren sorgten einst für die elektrische Energie in der Festungsanlage Magletsch. (Bilder: Hansruedi Rohrer)

Teil der neuen Abdichtfolie auf einer der freistehenden Rigolenhallen.

Teil der neuen Abdichtfolie auf einer der freistehenden Rigolenhallen.

Diese 1949 gebaute B-Pak-38-L-49-Kanone hat ein «Pinoccio-Gesicht».

Diese 1949 gebaute B-Pak-38-L-49-Kanone hat ein «Pinoccio-Gesicht».

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