«Eins und eins gibt mehr als zwei»

Am Neujahrstag feierte die Evangelisch-Reformierte Kirchgemeinde Wartau ihren «Geburtstag» mit zwei Gottesdiensten – verknüpft durch eine Fusswanderung von Gretschins nach Azmoos.

Hanspeter Thurnherr
Drucken
Teilen
Dekan Renato Tolfo nimmt die neue Vorsteherschaft mit Ursula Ackermann, Ruth Frei, Beatrice Gabathuler, Rosemarie Gantenbein, Präsidentin Annalies Forrer und Kaspar Sulser in Pflicht. (Bilder: Hanspeter Thurnherr)

Dekan Renato Tolfo nimmt die neue Vorsteherschaft mit Ursula Ackermann, Ruth Frei, Beatrice Gabathuler, Rosemarie Gantenbein, Präsidentin Annalies Forrer und Kaspar Sulser in Pflicht. (Bilder: Hanspeter Thurnherr)

GRETSCHINS/AZMOOS. Mit der «Hymne» von Beethoven setzte die Musikgesellschaft Oberschan am Neujahrsnachmittag den würdigen Auftakt zum «Geburtstags»-Gottesdienst der neuen Evangelisch-Reformierten Kirchgemeinde Wartau in der Kirche Gretschins. Der neue Pfarrer Daniel Hanselmann sagte, dass die Kirchgemeinde Wartau sich nun auf einen neuen Weg begebe. Dies sei auch ein Wagnis. Er hoffe, dass die Mitglieder der beiden bisherigen Kirchgemeinden wohlwollend aufeinander zu gehen und von einander lernen wollen. Er wertete es als gutes Zeichen, dass an diesem ersten Tag «der Himmel leuchtet».

Pfarrerin Marlies Schmidt verband die weihnachtliche Geburtsgeschichte mit der Geburt der Kirchgemeinde: «Das Kind ist uns nicht vom Himmel gefallen. Es wurde erschaffen in Sitzungen und Arbeitsstunden, in Begegnungen und Auseinandersetzungen, getragen von Lust und Freude. Gelegentlich erhielt es auch Reibungswärme.» Sie hoffe, «dass euch das Kind ans Herz wächst. Es braucht euch», verdeutlichte sie. Anschliessend durften alle ihren Namen auf farbige Bändel schreiben, die in einem «Erinnerungskunstwerk» Platz finden sollen.

Zu Fuss nach Azmoos

Die meisten der Gottesdienstbesucher machten sich nun zu Fuss auf den Weg nach Azmoos, wo ein zweiter Gottesdienst stattfand. Dieser wurde von Klängen der Musikgesellschaft Azmoos-Trübbach umrahmt. Renato Tolfo, Dekan des Kirchenbezirks Rheintal, sprach von einem historischen Tag, an dem die neue Kirchenvorsteherschaft (Kivo) offiziell ihre Arbeit aufnehme.

Die vier neuen Mitglieder der Kivo nahm er in Pflicht, bevor er allen sechs Kivo-Mitgliedern in Form einer Kerze «Licht auf den Weg gab» und ihnen wünschte, auch anderen ein Licht zu sein. Den Reigen der Gratulanten eröffnete Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der Kantonalkirche. Er freue sich, dass in Wartau die Fusion von zwei gleichberechtigten Partnern «ruhig und überlegt» angegangen wurde. «Lasst euch nun Zeit beim Zusammenwachsen, denn auch Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.»

Gemeindepräsident Beat Tinner wünschte dem neuen Gebilde gutes Gedeihen, Toleranz und Gelassenheit im Umgang miteinander. «Das wünsche ich mir auch für die Politische Gemeinde», fügte er bei. Schulratspräsident Max Müller verwies mit Blick auf die Schulgeschichte auf Gemeinsamkeiten mit der Kirchgemeinde. Heute seien beide für die Kinder da. Wichtig sei, dass die Kirche ihnen Werte vermittle und diese im Zusammensein lebe.

Mit Engel und Essen beschenkt

Andreas Bächli, Vizepräsident der katholischen Kirchgemeinde Wartau, sagte: «Dass ich als Katholik heute dabei sein darf, ist ein Zeichen für die enge Zusammenarbeit mit den beiden bisherigen evangelischen Kirchgemeinden.» Er brachte als Geschenk einen Engel mit, der «als Bote zwischen den Dörfern und zwischen katholischer und evangelischer Kirchgemeinde dienen soll.»

Barbara Schwendener, Präsidentin der Evangelischen Kirchgemeinde Sevelen, betonte: «Eins und eins gibt mehr als zwei.» Aus Steinen, die auf dem Weg liegen, könne man Brücken bauen. Zwischendurch bräuchten die Planer aber auch Pausen. Deshalb schenkte sie der Kivo einen Korb voll feiner Sachen für ein gemeinsames Nachtessen.

Heidy Schlegel vom ökumenischen Kirchenchor Wartau sagte: «Die grosse Bewährungsprobe steht der neuen Kirchgemeinde noch bevor. Aber wir sind in Sachen Fusion gelassen», fügte sie mit Blick auf die Geschichte des Chores bei. Albert Frehner schliesslich wies anhand der Geschichte der vier Wartauer Abendmahlbecher nach, dass «wir irgendwie doch immer zusammengehörten.» Den Abschluss bildete ein Fondue-Plausch im Kirchgemeindehaus, zubereitet durch den ökumenischen Frauenverein Wartau.

Das Pfarrteam mit Daniel Hanselmann, Cornelius Daus und Marlis Schmidt-Aebi (von links) gestaltete die beiden Gottesdienste. (Bild: pd)

Das Pfarrteam mit Daniel Hanselmann, Cornelius Daus und Marlis Schmidt-Aebi (von links) gestaltete die beiden Gottesdienste. (Bild: pd)