Einen Sträfling erhängt aufgefunden

Am Mittwochvormittag hat sich ein 55jähriger Schweizer in der Strafanstalt Saxerriet das Leben genommen. Bereits vor einem Monat hatte sich im Gefängnis in St. Gallen ein Mann erhängt.

Daniel Walt
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SALEZ. «Das ist sehr tragisch und bedauerlich», sagt Joe Keel, Leiter des Amts für Justizvollzug beim Kanton St. Gallen. Innerhalb eines Monats haben sich in einem Gefängnis beziehungsweise einer Strafanstalt des Kantons St. Gallen nun zwei Menschen das Leben genommen. Vor rund einem Monat war im Gefängnis St. Gallen ein 19-Jähriger freiwillig aus dem Leben geschieden.

Nun wurde am Mittwochmittag in der Strafanstalt Saxerriet ein 55jähriger Schweizer tot in seinem Zimmer aufgefunden. Er hatte seit dem 6. November zahlreiche kürzere Freiheitsstrafen verbüsst, namentlich wegen Vermögensdelikten und Körperverletzung.

Nicht zum Essen erschienen

Wie Joe Keel sagt, ging der 55jährige Mann nach der morgendlichen Kontrolle zur Zentrale der Strafanstalt, um dort unter Aufsicht Medikamente einzunehmen. Dann begab er sich zurück aufs Zimmer. Nachdem der Mann dann nicht zum Mittagessen im Speisesaal erschienen war, entdeckten ihn Angestellte erhängt in seinem Zimmer. Trotz sofortiger Reanimation konnte der 55-Jährige nicht mehr gerettet werden.

Hinweise auf eine Dritteinwirkung bestehen laut der Kantonspolizei nicht. Ebenso habe es keine Anzeichen gegeben, dass sich der Mann allenfalls das Leben nehmen könnte, sagt Joe Keel. «Ansonsten hätte man einen Arzt beigezogen oder ihn bei einer akuten Gefährdung in die Psychiatrie eingewiesen.»

Auch beim Mann, der vor rund einem Monat im Gefängnis St. Gallen Suizid beging, handelte es sich um einen Schweizer. Er erhängte sich laut Polizeiangaben mit seinem Pullover. Der junge Mann hatte eine Strafe von 45 Tagen abzusitzen wegen Vermögensdelikten und nicht bezahlter Bussen.

Vorwürfe von Angehörigen

Die Polizei teilte damals mit, es habe keine Hinweise auf eine Suizidgefährdung des Mannes gegeben. Dem widersprachen Angehörige des Verstorbenen: Sie hielten gegenüber «20 Minuten» fest, der Mann sei psychisch instabil gewesen und habe einem Wärter gar gesagt, er werde sich aufhängen. Verwandte und Freunde des Verstorbenen führten deshalb einen Gedenkmarsch durch. Die Untersuchung läuft laut Natalie Häusler, Medienbeauftragte der Staatsanwaltschaft, noch.

Was sagt Joe Keel dazu, dass sich binnen Monatsfrist nun zwei Menschen in einem Gefängnis beziehungsweise einer Strafanstalt im Kanton das Leben genommen haben? «Wir stellen fest, dass es solche Häufungen geben kann. Sie sind aber oftmals rein zufällig», hält er fest. So datiere der letzte Suizid in der Strafanstalt Saxerriet beispielsweise von Anfang 2011.

«Gelingt uns nicht immer»

Generell lassen sich die beiden Fälle laut Joe Keel nicht vergleichen. Besondere Massnahmen drängen sich aus seiner Sicht nicht auf: «Wir versuchen Immer, möglichst nahe an die Insassen heranzukommen – teils mit Psychiatern und Seelsorgern. So wie allen anderen gelingt es aber auch uns nicht immer, rechtzeitig in jeden Winkel der menschlichen Seele zu schauen.». Auch im jüngsten Suizidfall wurde nun eine Untersuchung eingeleitet. Sollte sie ergeben, dass man Dinge besser machen könne, werde man dies selbstverständlich tun, sagt Keel.